SIGNA Prime - KaDeWe Berlin - Foto pixabay
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Das Signa-Netzwerk, das Firmengeflecht und die Falcon Bank

Die Signa-Gruppe rund um den Immobilientycoon René Benko gab heute bekannt, dass ein Tochterunternehmen, die SIGNA Prime, ihr Aktionärskapital um eine Milliarde Euro erhöht hat. Die Industriegruppe agiert in den Bereichen Retail und Real Estate.

SIGNA Prime - KaDeWe Berlin - Foto pixabay
SIGNA Prime – KaDeWe Berlin – Foto pixabay

SIGNA Prime erhöht Eigenkapital um eine Milliarde Euro

Zum Portfolio der SIGNA Prime Selection AG („Signa Prime“) zählt das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin, das Goldene Quartier in Wien mit dem Park Hyatt Vienna oder auch das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck. „Mehrheitsaktionäre der SIGNA Prime Selection AG sind die SIGNA Holding gemeinsam mit dem SIGNA Gründungs- und Hauptgesellschafter, der Familie Benko Privatstiftung, welche zusammen derzeit über 60 % der ausgegebenen Aktien halten.“ Nun treten drei neue Investoren dem Aktionärskreis bei, namentlich die RAG Stiftung aus Essen, dem LVM Versicherungskonzern aus Münster und mit Longbow aus Genf. Das Unternehmen sieht sich selbst als „einer der bedeutendsten Immobiliendeveloper in Europa“. (Signa.at).

Signa Holding GmbH – mächtiges Firmen-Netzwerk

Nach einer ersten Sichtung des Firmengeflechts, zählt man mehr als 200 Beteiligungen. Über den Aufstieg des Unternehmens hat Fass ohne Boden bereits berichtet (René Benko und seine „Freunde“). Wirtschaftlicher Eigentümer der SIGNA Holding GmbH ist die Familie Benko Privatstiftung, die zugleich als Gesellschafter 55% der Anteile hat (Abruf 08.10.2017). Weitere drei Gesellschafter sind laut Firmenbuch (Abruf 08.10.2017) ARP Seventeen GmbH (Anteil: 34,9 %), Ernst Tanner (Anteil: 10 %) und ENTRA drei GmbH & Co KG (Anteil: 0,1 %).

Promintester Aufsichtsrat der Unternehmensgruppe: Alfred Gusenbauer

Wer einen längeren Einblick in die Firmenbücher des Signa-Firmennetzwerks macht, findet den ehemaligen SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer als Aufsichtsratschef. Und zwar mehrmals: In der SIGNA Prime Selection AG (seit 2010), der SIGNA Development Selection AG (seit 2015) und in der SIGNA KidINVEST Development AG (seit 2017).

Bohrt man noch tiefer, beispielsweise in der eben erwähnte SIGNA Prime, findet man die Namen Karl Stoss und Susanne Riess. Susanne Riess ist bekannt als Vizekanzlerin von Österreich.

Die SIGNA Prime hat eine Vielzahl an prominenten Aktionären (Ex-Porschechef Wendelin Wiedeking, Haselsteiner Familien-Privatstiftung, Lauda Privatstiftung) und die Falcon Privat Bank AG. Die Anteile der Aktionäre im Detail (Auszug, Abruf 8.10.2017):

  • Devario Invest GmbH (Anteil: 10 %)
  • ENTRA drei GmbH & Co KG (Anteil: 4,03 %)
  • Eugster/Frismag AG (Anteil: 3,27 %)
  • Haselsteiner Familien-Privatstiftung (Anteil: 5 %)
  • Icarus Invest Anstalt (Anteil: 2,41 %)
  • Novo Invest GmbH (Anteil: 2 %)
  • Privatstiftung Lauda (Anteil: 0,83 %)
  • SIGNA Holding GmbH (Anteil: 9,77 %)
  • SIGNA Mitarbeiterbeteiligungs GmbH (Anteil: 0,62 %)
  • SIGNA Prime Holding GmbH (Anteil: 40,38 %)
  • Wiedeking Wendelin (Anteil: 2,71 %)
  • Falcon Private Bank AG (Anteil: 15,77 %)

Über den Einfluss der Falcon Private Bank AG

Bei der Falcon Private Bank AG handelt es sich um eine Schweizer Privatbank mit Sitz in Zürich. Das Unternehmen war laut Firmenbuch an der Signa Holding GmbH von Juli 2015 bis Dezember 2016 beteiligt.

Im letzten Jahr hat Benko die Falcon Bank wieder aus der Holding herausgekauft, jedoch nicht aus der kompletten Signa-Group. Das Institut war in die Schlagzeilen geraten, weil es wegen Geldwäsche von der schweizerischen Aufsichtsbehörde Finma bestraft worden war (Manager Magazin, 18.11.2016).

Geschichtlicher Auszug über die Falcon Bank

Bereits 2012 titelte Format (07.12.2012) „René Benkos Spin Doctor“ und arbeitete die Hintergründe der Falcon Bank als Geldgeber aus. „Und auch der neueste Geldgeber, die Schweizer Falcon Private Bank, hinter der der Staatsfonds aus Abu Dhabi steckt, dürfte kürzlich über Vermittlung von Harti Weirather – offenbar eine Art Spin Doctor für Benkos Kontakte – seinen Weg zur Signa gefunden haben. Ein Blick auf die Kundenliste von Weirathers Marketing-Firma WWP (siehe links) zeigt nämlich, dass sowohl die Falcon-Bank als auch der Staatsfonds Aabar zu seinen langjährigen Kunden zählen.“

Am 25.09.2015 ging die österreichische Wochenzeitschrift Format auf die „Signa-Neuordnung“ ein: „Die Falcon Private Bank und Ernst Tanner – langjährige Aktionäre der Signa Prime – haben sich nun auch an der obersten Signa-Konzern-Holding des Tirolers René Benko beteiligt. Falcon hält nun auch 24,9 Prozent der Anteile an der Signa Holding GmbH, der Schweizer Ernst Tanner zehn Prozent. Den Rest, 65,1 Prozent, hält die Familie Benko Privatstiftung. Hinter Falcon steht der Staatsfonds von Abu Dhabi.“ Für Leserinnen und Leser, die Ernst Tanner aus der Schweiz nicht kennen: Laut „Die 300 Reichsten 2016“ wird sein Vermögen (Stand 2016) auf ca. 275 Mio. Franken geschätzt.

Die OÖ Nachrichten wiederum beschriebe Zusammenhänge in dem Artikel „Ex-Aufsichtsrat von OMV und Borealis verhaftet“. Der Artikel widmet sich Khadem al Qubaisi und dem Vorwurf von „Korruption und Geldwäsche“. „Als Chef des OMV-Kernaktionärs Ipic war Qubaisi bis 2012 Vize-Aufsichtsratschef von Österreichs größtem Industrieunternehmen. Bis zu seiner abrupten Ablöse als Ipic-Chef im Mai 2015 war er damit der Verhandlungspartner für die österreichischen Finanzminister. Von 2010 bis 2015 war er Vorsitzender des Aufsichtsrats der Borealis. Zudem war der 44-Jährige Verwaltungsratspräsident der Schweizer Falcon Private Bank. Das Schweizer Bankhaus ist der zweitgrößte Aktionär in der Holding des Tiroler Immobilieninvestors Rene Benko.“

Ausblick

In den kommenden Wochen wird der Versuch unternommen, dass Firmen-Netzwerk mit einem Datentool visuell darzustellen. Fass ohne Boden bleibt dran und wird weiter recherchieren.

 

Digital Strategist. Political Hitman. Cutter Head.

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