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Die gut bezahlten Nebenjobs der Wiener Feuerwehroffiziere

Goldgrube für MA 68 Beamte: Behördliche Einreichunterlagen (Brandschutzkonzepte) und Nachweisführung (Abnahme, Inspektionen) – Fass ohne Boden gewährt einen Einblick.

Foto: MA 68
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Full-Service für Architekten und Generalunternehmer?

Man stelle sich vor: Du möchtest ein Bauvorhaben bei der zuständigen Behörde der Stadt Wien einreichen. An wen solltest du dich am besten in Brandschutzangelegenheiten wenden? Die Antwort: An Magistratsbeamte der MA 68, egal ob aktive Feuerwehroffiziere oder Feuerwehroffiziere im Ruhestand. Warum, möchten wir nun näher ausführen.

In Wien benötigt man Brandschutzkonzepte beim Bau von Immobilienprojekten, um im sogenannten Genehmigungsverfahren einen positiven Bescheid zu erhalten (Zuständigkeitsbereich der MA 37). Einige wenige Anbieter sind auf solche Brandschutzkonzepte spezialisiert, andere wiederum haben die Expertise, finale Abnahmen zu machen.

Ein besonderes Phänomen zeichnet sich in Wien ab: Diverse Vereine, Firmen und akkreditierte Inspektionsstellen beschäftigen aktive Feuerwehroffiziere oder Feuerwehroffiziere im Ruhestand der Magistratsabteilung 68 (MA 68, Feuerwehr und Katastrophenschutz), die diese Tätigkeiten als Nebenerwerb und später im Ruhestand ausüben. Warum dies eine mögliche Unvereinbarkeit darstellt, möchten wir nun anhand von Experten und Insidern erörtern.

Neos Wien ermöglichen Interviews mit Insidern

In Graz gibt es seit 1998 ein bekanntes Phänomen, für die Filzdecke in Wien zählt dies noch zum Neuland. Diese lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Graz Stadtrechnungshof - Unvereinbarkeit im Rahmen von Nebenbeschäftigungen von Mitarbeitern der Feuerwehr 2010
Graz Stadtrechnungshof – Unvereinbarkeit im Rahmen von Nebenbeschäftigungen von Mitarbeitern der Feuerwehr 2010

Fass ohne Boden erhielt dankenswerterweise durch den Wiener Landtagsabgeordneten Christoph Wiederkehr (NEOS Wien) solche Hinweise zugespielt und die Möglichkeit, mit Insidern und Branchenkennern über die Praktiken der Wiener Berufsfeuerwehr zu sprechen. Der Einblick in die Nebengeschäfte der Magistratsmitarbeiter der MA 68 zeichnet ein düsteres Bild.

Einer der Insider:

Zahlreiche Beamte der MA 68, arbeiten nebenberuflich bei akkredierten Prüf- und Inspektionsstellen sowie Zertifizierungsstellen. Manche der Beamten betreiben eine eigene Planungsfirma.

Feuerwehroffizier, Brandschutzkonzept und Abnahme aus einer Hand

Von der Wiege bis zur Bahre: Ob Brandmeldeanlagen, Sprinkleranlagen, Gaslöschanlagen, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, sie haben alle etwas gemeinsam: Diese müssen geprüft werden. In nationalen Normen und Richtlinien, die jeweils von pensionierten MA 68 Beamten als Vorsitzender geleitet werden, wird verankert, dass derartige Inspektionen ausschließlich von akkreditierten Inspektionsstellen durchgeführt werden dürfen. Aber: Nach dem österreichischen gesetzlich geregelten Berufsrecht, können solche Inspektionen auch Ziviltechniker oder Ingenieurbüros durchführen.

Einer der befragten Insider holt betreffend der Inspektionsstellen und der MA 68 weiter aus:

Es wird als „Weg des geringsten Widerstands empfunden, wenn man von der Einreichphase bis zur Nachweisführung die Firmen der Beamten beauftragt, dann klappt die Genehmigung bei der Behörde jedenfalls problemlos.“

MA 68: Die Wache des Rathauses

Die Berufsfeuerwehr in Wien ist sowas wie Leibgarde von Stadträtin Renate Brauner und Bürgermeister Michael Häupl (beide SPÖ). Beispielsweise übernimmt die Feuerwehr in Wien die Wache im Wiener Rathaus.

 

Der Aufgabenbereich der Wache im Rathaus ist breit gefächert. Er reicht vom vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz in den Wiener Amtshäusern bis zum Objekt- und Personenschutz innerhalb dieses Einsatzgebietes. Außerdem werden jährlich mehrere hundert Veranstaltungen wie Staatsempfänge, Bankette und Bälle sicherheitstechnisch durch die Wache Rathaus abgewickelt. Besonderer Fürsprecher und Unterstützer der Wiener Feuerwehr ist Harry Kopietz.

Wiederkehr über das politische Netzwerk der Feuerwehr Wien:

Es ist absolut unvereinbar, dass Beamte der Stadt gleichzeitig für private Zertifizierungsstellen arbeiten. Diese Verstrickungen dürfen nicht weiter politisch gedeckt werden, sondern müssen endlich beendet werden!

Vorwürfe, rund um die Nebenbeschäftigungen der Feuerwehroffiziere der Stadt Wien wurden in der Vergangenheit unter anderem auch im Wiener Gemeinderat von der FPÖ Wien thematisiert. Finanzstadträtin Renate Brauner entgegnete der Kritik im vergangenen Jahr:

Ich würde Sie bitten, bei so einem wichtigen Thema wie der Wiener Feuerwehr, die hat sich nicht verdient, dass sie auf Grund von Gerüchten beurteilt wird, auf Grund von Fakten zu beurteilen. Die Fakten sind, dass das eine ganz tolle Truppe ist, auf die ich sehr, sehr stolz bin.

Zum Nachlesen: (Brauner, 2016: S. 4) Die Redaktion nahm sich dem Appell an, prüfte die Fakten und das Netzwerk.

Feuerwehroffiziere gründen SWPE GmbH*

Wilfried Pausa ist heute Geschäftsführer der „Prüfstelle für Brandschutztechnik des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes Gesellschaft m.b.H.“ (www.pruefstelle.at), eine akkreditierte Prüf- und Inspektionsstelle, die zu 100% im Eigentum des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbands (ÖBFV) steht. Der ÖBFV, mit seinem Sitz in Wien, ist eine Dachorganisation der Landesfeuerwehrverbände und der Städte mit Berufsfeuerwehren. Seine Hauptaufgabe liegt in der Koordinierung des gesamtösterreichischen Feuerwehrwesens in den Bereichen Organisation, Ausbildung, Technik usw. Technische Richtlinien für den Vorbeugenden Brandschutz (TRVB) werden auch gemeinsam mit den Österreichischen Brandverhütungsstellen erarbeitet.

Pausa war 1980 bis 2011 Feuerwehroffizier. In seiner aktiven Zeit war er bereits stellvertretender Leiter der Prüfstelle. Gegen Ende seiner Feuerwehrlaufbahn, entschied er sich Unternehmer zu werden. 2008 gründete er das Unternehmen SWPE GmbH, heute bekannt als NoFire Safety GmbH, gemeinsam mit Johann Ettel, Wolfgang Steinkellner und Christian Wagner.

Ettel hat nicht nur Gründergeist bewiesen, sondern war ebenfalls Feuerwehroffizier. Der seit 2015 pensionierte Feuerwehroffizier, ist heute allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Brandschutzwesen. Seit 2002 betreibt er das Unternehmen „ADSUM Brandschutz- und Sicherheitsconsult GmbH“ mit Sitz in Niederösterreich, jedoch mit Fokus auf Wien. Ein Projekt, dass mehrmals in der Kritik der heimischen Medienlandschaft stand, ist das Krankenhaus Nord:

Adsum Referenzen - Krankenhaus Nord
Adsum Referenzen – Krankenhaus Nord – Screenshot der Webseite

Wie der Zufall so will, war Steinkellner stellvertretender Branddirektor von Wien und ist mittlerweile in Pension. Von 1988 bis 2011 war er der Leiter der Prüfstelle für Brandschutztechnik des ÖBFV.

Man wird es nicht für möglich halten, aber der Vierte im Bunde, Christian Wagner, ist ebenfalls Feuerwehroffizier und nach wie vor als Oberbrandrat im Dienste der MA 68, Geschäftsgruppe D – Vorbeugender Brandschutz. Gleichzeitig engagiert er sich bei der akkreditierten Zertifizierungsstelle VB-Cert.

Gedanke am Rande: Das Akronym SWPE lässt die Vermutung zu, dass es sich um die Initialen Steinkellner, Wagner, Pausa und Ettel handelt.

Pausa engagiert sich darüber hinaus als Schriftführer, eben bei dieser Zertifizierungsstelle, der als Verein – VB-Cert – Verein zur Förderung einheitlicher Standards im Vorbeugenden Brandschutz – geführt wird. Der Verein setzt sich zur Förderung von einheitlichen Standards im vorbeugenden Brandschutz ein. Darüber hinaus sind Mitglieder mehrere akkredierte Prüf- und Inspektionsstellen. Das Schicksal meint es wahrlich gut mit den Kollegen: Steinkellner ist der Obmann dieses Vereins.

Um die Verzahnung und das dichte Netzwerk zu überblicken, reicht es, Mitglieder des VB-Cert Vereins näher anzusehen:

  • IBS – Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung GmbH
  • Verein österreichischer Hersteller und Systemanbieter von brandschutztechnischen Einrichtungen
  • KfV Sicherheit-Service GmbH
  • bSafe Brandschutz GmbH und
  • Prüfstelle für Brandschutztechnik des österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes GmbH

Wie die Insider in Gesprächen auspackten, hat dieses Netzwerk eine sagenhafte Konzentration im Bereich der Brandschutztechnik. Die mögliche Unvereinbarkeit, welche sich auch auf die Wettbewerbssituation mit Unternehmen ohne Feuerwehroffizieren auswirkt, sei nur am Rande festgehalten.

Gleichzeitig genießen die Prüfstelle für Brandschutztechnik und der VB-Cert den Status eines Platzhirschen und in einigen Produktbereichen eine ausgezeichnete Marktstellung. Dies legt den Verdacht nahe, dass es zu einer Verzerrung des Marktes kommen könnte, beispielsweise im Bereich der Inverkehrbringung von Brandschutzanlagen.

Wilfried Pausa gibt Fass ohne Boden ein Interview

Fass ohne Boden konfrontierte Pausa mit den Umständen und gab die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge darzulegen. Gleich zu Beginn hält dieser fest:

Ich war nicht Feuerwehrmann, sondern Feuerwehroffizier, das ist ein Unterschied, wie zwischen einem Gefreiten und einem Herr Oberst beim Bundesheer.

Fass ohne Boden: „Ist es die Regel, dass man nach der Funktion [bei der Feuerwehr, Anm. d. Red.] wechselt oder gibt es auch Kollegen, die zeitgleich tätig sind?“
Pausa: „Natürlich. Da gibt es viele. Schauen Sie, den 24 Stundendienst gibt es nicht nur bei den Offizieren, das gibt es auch bei der Mannschaft. Durch diesen 24-Stundendienst haben Sie jeden zweiten Tag den ganzen Tag Zeit. Und wenn dann Leute fleißig sind, und man etwas dazu verdienen möchte, […] gibt es von der Dienstordnung her, zwar keine Genehmigungspflicht, sondern ausschließlich eine Mitteilungspflicht. Man muss es nur dem Magistrat melden, und ob es man darf, [kurze Nachdenkpause] in diesem Land herrscht ja Erwerbsfreiheit. Und es geht um Unvereinbarkeit und um Standesansehen. […]

Fass ohne Boden: „Weil Sie dies angesprochen haben. Manche Betreiber und Firmen haben einen besseren Zugang zu baubehördlichen Regelungen, als andere Firmen. Wir haben einen Immobilienriesen aus Wien gesprochen, und der hat gemeint, es gibt einfach Firmen, an die man sich wendet, und dann bekommt man im Bereich der Brandschutztechnik kein Veto und es wird automatisch durchgewunken.“
Pausa: „Also das ist ein vollkommener Blödsinn. […] Es fängt damit an, dass die Feuerwehroffiziere keine Behörde sind und daher nichts vorschreiben können. Früher waren sie Sachverständige im Genehmigungsverfahren. […] Heute macht dies die MA 37 Brandschutzgruppe. Und die sind Acht-Stunden-Dienstnehmer und haben nichts mit der Feuerwehr zu tun. […] Und es ist natürlich so, das ist richtig, das hat aber mit der Prüfstelle Brandschutztechnik nichts zu tun, es kann ohne Weiteres sein, dass es Feuerwehroffiziere gibt, die ein technisches Büro haben, und im Rahmen dieser technischen Büros Brandschutzkonzepte machen, weil sie eine Ahnung von der Materie haben. […] Und weil es im Zuge der Feuerwehrausbildung zum Feuerwehroffizier eine sehr umfassende Ausbildung zum vorbeugenden Brandschutz gibt. […] Es ist so, das ist erst sehr stark in den vergangenen Jahren geworden, aufgrund der harmonisierten Bauordnung und aufgrund der sogenannten OIB-Richtlinie, die in allen österreichischen Bundesländern Gesetzeskraft haben. […] Und dort wurden sehr stark die Brandschutzkonzepte gepusht. […] Das muss man jetzt so sagen. Die Herrn Generalplaner und Architekten haben keine Ahnung von Brandschutz, dass lernen die nicht auf der Uni. Und jetzt müsste er sich das zusammensuchen. Jetzt beauftragt er jemanden, […]

Fass ohne Boden: Einen Experten?
Pausa: Einen Experten, der sich auskennt. Und der schreibt zusammen, was gemacht werden muss, damit die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden.

Fass ohne Boden: Und jene Experten sind von der Feuerwehr?
Pausa: Ja, zum Beispiel. […] Und dann werden diese Brandschutzkonzepte, und das sage ich jetzt ganz offen und ehrlich, da liegt ein gewisses Problem darin, werden der Behörde zur Genehmigung vorgelegt. […] Problematisch wird das Brandschutzkonzept, wenn das jetzt zu irgendeiner kleinen Bezirkshauptmannschaft mit einem kleinen Gebietsbeamten kommt, am Land, wo der Behördenvertreter eigentlich sich nicht auskennt und ungesehen vom Brandschutzkonzept übernimmt. […]
Also gut, ich sage Ihnen jetzt den Ablauf eines Objekts. Irgendeiner möchte etwas bauen. Jetzt gibt es einen Generalunternehmer, und der soll das machen. Der bedient sich eines Brandschutzkonzeptes. Jetzt beauftragt er irgendwen mit dem Brandschutzkonzept. Zivilingenieur, vielleicht auch einen der im Hauptberuf Feuerwehroffizier ist. Der macht das jetzt und die Behörde genehmigt das. Jetzt gibt es brandschutztechnische Einrichtungen. Es folgt eine Ausschreibung und es gewinnt, sagen wir mal die Firma Siemens. Und die Firma Siemens, und das sind auch die Vorwürfe die ich kenne, beauftragt jetzt eine Inspektionsstelle mit der Abnahme. Die Vorwürfe sind jetzt, der schreibt das Brandschutzkonzept, und dann hinten nach nimmt er die Anlage ab und genehmigt diese. Aber das stimmt ja nicht, es gibt in Wien acht Inspektionsstellen. Und die ausführende Firma, beauftragt eine von diesen acht.“ [Ergänzung: Die acht Inspektionsstellen – Prüfstelle der Brandschutztechnik, KSV, IBS, ÜBZERT der BFBU, bSafeTM Brandschutz GmbH, TÜV Wien, BraIn GmbH und FireX Greßlehner GmbH.]

Fass ohne Boden: Und eine Frage hätte ich bezüglich des Vorwurfs, der getätigt wurde: Stimmt es, dass während der Dienstzeit, weil Sie auch die Dienstzeit von 24 Stunden genannt haben, das einzelne Magistratsbeamte während ihrer Dienstzeit ihre zusätzliche Arbeit verrichten?
Pausa: […] Das ist ohne weiteres möglich, aber: Die Dienstzeit der Wiener Berufsfeuerwehr beginnt um 0730 Uhr und endet um 17 Uhr. Danach, nennt sich das beschäftigungsfreie Zeit. In der Zeit hat der Beamte, ganz egal ob Feuerwehrmann oder Oberbrandrat, ist auf der Wache eingesperrt, und muss binnen 30 Sekunden auf dem Fahrzeug sitzen, wenn Alarm ist. Was er aber macht, ob er fernsieht, ob er in die Kraftkammer geht, ob er Fußball spielt oder Zeitung liest. Von 17 Uhr am Abend bis am nächsten Tag in der Früh, steht im frei. […]

Zwischenfazit

Die geschilderten Praktiken haben sich im einstündigen Gespräch bestätigt, ein zweites Gespräch diente zur Vertiefung des Gesagten, jedoch wurde der Versuch unternommen, diese zu relativieren. Demzufolge dürfen laut Pausa Beamte der Feuerwehr, sprich Feuerwehroffiziere, in ihrer Dienstzeit der Arbeit aus ihren Nebenbeschäftigung in der gleichen Branche nachgehen. Dass dies einen „special smell“ hat, soll unkommentiert an dieser Stelle verbleiben.

Anonymität um jeden Preis

Die Insider erörterten in mehrstündigen Gesprächen die Praktiken der Branche. Einer davon beschreibt die Rolle von Pausa wie folgt: „Er war bis ca. 2011 Leiter der Abteilung E der MA 68, welche auch für die Anschaltung von Brandmeldeanlagen zuständig ist. Damit man dort anschalten kann, braucht man einen Prüfbericht einer akkreditierten Prüfstelle nach nationaler Norm. Die gesamte heimische Industrie zahlt dort gerne ein, weil dadurch der Markt abgeschottet wird. Wer dort nicht einzahlt, ist nicht dabei und kann auch keine Brandmeldeanlagen bei der öffentlichen Brandalarmempfangszentrale der Stadt Wien, welche bei der MA 68 untergebracht ist, anschalten.“

Der Immobilienexperte wiederum, der Bauvorhaben in Wien umsetzt, bestätigt die gelebten Praktiken, möchte aber auf gar keinen Fall namentlich genannt werden:

Bei bestimmten Bauvorhaben, wenn man den richtigen Architekten bestellt, und der wiederum die richtigen Leute für Sicherheitskonzepte einsetzt, und nicht einen Unbekannten, ja, dann geht es problemlos über die Bühne. Es ist eine geschlossene Partie, auch beim Brandschutzplan, die unter sich die Aufträge verteilen.

Wir befragten auch einen Abgeordneten der FPÖ Wien mit den Praktiken, der sich mit Brandschutz in Wien intensiv auseinandergesetzt hat. Auch dieser bestätigt den geschlossenen Kreis an Protagonisten und formuliert es sogar drastischer. Für die Feuerwehroffiziere gilt: „Bist du nicht für mich, bist du gegen mich.“

Erstaunlich: Bei den befragten Personen, die Kenner der Branche sind, aber auch Wiener Politiker der FPÖ und ÖVP, wollten sich nicht namentlich zu diesem Thema äußern. Es wirkt nahezu unangenehm, sich zu dieser Thematik äußern zu müssen. Dies lässt darauf schließen, dass Behörden und die Wiener Regierung, den Brandschutzbranche fest in der Hand haben.

Stellungnahme der MA 68

Fass ohne Boden konfrontierte die MA 68 mit denselben Fragen, jedoch wollte man keine konkreten Antworten liefern. Die wesentliche Frage, wie viele Beamte und Vertragsbedienstete der MA 68 in der Brandschutzbranche nebenberuflich tätig sind, blieb unbeantwortet. So heißt es der knappen Stellungnahme von der Presseabteilung der MA 68:

„Nebenbeschäftigungen sind grundsätzlich bei der Stadt Wien für Beamte als auch für Vertragsbedienstete meldepflichtig. Geregelt ist dies für Beamte in der Dienstordnung 1994 (DO 1994) § 25, für Vertragsbedienstete in der Vertragsbedienstetenordnung 1995 (VBO 1995) § 16. Diese Bestimmungen gelten grundsätzlich für alle Beschäftigten der Stadt Wien.
Ob die notwendigen Befugnisse für die Tätigkeit der genannten Firmen bestehen, ist Sache der Behörden, dies zu bewerten.
Sollte Ihnen bekannt sein, dass Verfehlungen bestehen, sind diese der Magistratsdirektion-Innenrevision zu melden.“ Und das machten wir auch.

Antikorruptionsprogramm der Stadt Wien

Die Abteilung zur Korruptionsbekämpfung der Stadt Wien wurde mit dem Netzwerk rund um die MA 68 konfrontiert. Ein Beamter vom Wiener Antikorruptionsprogramm war bereit, sich mit dem Sachverhalt auseinanderzusetzen. Im Wesentlichen wurde während des Gesprächs auf die Dienstordnung 1994 und den § 25, der die Nebenbeschäftigung gesetzlich regelt, verwiesen. Hier im Wortlaut:

  • §25. (1) Nebenbeschäftigung ist eine Tätigkeit, die der Beamte ohne unmittelbaren Zusammenhang mit seinen ihm nach seinem Dienstposten obliegenden Dienstpflichten entfaltet und die auch keine weitere Tätigkeit für die Gemeinde Wien in einem anderen Wirkungskreis oder für das Land Wien im Bereich der Landesvollziehung ist.
  • (2) Der Beamte darf keine Nebenbeschäftigung ausüben, die ihn an der genauen Erfüllung seiner dienstlichen Aufgaben behindert, die Vermutung seiner Befangenheit hervorruft oder die Achtung und das Vertrauen, die seiner Stellung als Beamter entgegengebracht werden, untergraben könnte.

Ob es sich um eine vermutete Befangenheit handeln würde, wollte man per Telefon nicht kommentieren. Zum Antikorruptionsprogramm.

Motive und mögliche Lösungsansätze

Was sind die Motive, dass derartig viele Feuerwehroffiziere im Brandschutzbereich nebenberuflich ein Zubrot verdienen? „Geld oder Karriereleiter“, so der Wiener FPÖ-Politiker. Dieser erörtert, dass viele Feuerwehroffiziere ihr Gehalt aufbessern möchten. Ein weiterer Grund sei schlicht weg, dass man mitmachen müsse, weil die anderen bereits mitmachen, um man so die Karriereleiter emporsteigen könne. Pausa konnte sich mit dieser These aber nicht anfreunden. Dieser war der Auffassung, dass es anders sei, sprich die Feuerwehrmannschaft habe Interesse, in die Brandschutzbranche nebenberuflich einzusteigen.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Nebenerwerbsmöglichkeit stellt das Pensionsrecht dar. Aufgrund der Schwerarbeiterregelungen, können Mitarbeiter der Feuerwehr mit 57 Jahren in Pension gehen. Es gibt aber Ausnahmen: Gesundheitlichen Atteste ermöglichen einen vorzeitigen Ruhestand. Wie aus einer Beantwortung von Stadträtin Brauner hervorgeht, waren in den Jahren 2010 bis 2015 insgesamt 270 Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr im Beamtenstatus wegen dauernder Dienstunfähigkeit in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden. Das Durchschnittsalter lag über Jahre hinweg bei 54,1 Jahren (siehe auch Beantwortung).

Im Gegensatz zu ASVG-Pensionisten, können Beamte in Österreich uneingeschränkt verdienen. Wer aber eine ASVG-Pension bezieht und daneben noch etwas arbeiten möchte, kann nur geringfügig dazu verdienen, ohne dass die Pension geschmälert wird.

Christoph Wiederkehr - NEOS Wien
Christoph Wiederkehr – NEOS Wien

An einer anderen Sichtweise hält Wiederkehr unverbrüchlich fest:

Die Brandschutz-Branche in Wien ähnelt Strukturen, die an Italien erinnern. Niemand kommt an den pensionierten Beamten vorbei, die sich das gute Geschäft untereinander aufteilen. Neue Marktteilnehmer haben dagegen keine Chance.

Du bist Kenner der Branche?

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Fazit

In der kommenden Woche findet am Mittwoch, den 30. August 2017 sowie am Donnerstag, den 31. August 2017, in der Fachhochschule St. Pölten die 15. Brandschutz-Fachtagung in Österreich statt. Wir werden uns die Chance nicht nehmen lassen, uns persönlich vor Ort einen Einblick in die Brandschutzbranche zu verschaffen.

NEOS Wien haben bereits Anfragen eingebracht.

 

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* Der Artikel erhielt ein Update: Mit dem Firmenbuch lässt sich belegen, dass es sich um zwar um das Nachfolgeunternehmen der SWPE GmbH handelt, das heutige Unternehmen aber mit den damaligen Gesellschaftern nicht mehr in einer geschäftlichen Verbindung steht. Das heutige Unternehmen trägt mittlerweile eine neue Firmenbezeichnung, hat einen anderen Geschäftsführer und andere Gesellschafter. Damit dies nicht zu Missverständnissen führt, wird im Artikel lediglich der ursprünglich Name des Unternehmens geführt. 2013 verkauften drei der vier Gesellschafter ihre Anteile, 2016 der vierte. Wir stellen dies gemäß Firmenbuch richtig und bedanken uns für die Richtigstellung.

Digital Strategist. Political Hitman. Cutter Head.

7 Comments

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  1. Dieser Artikel ist eine zugegeben geschickte Vermischung von Fakten und Unwahrheiten dergestalt, daß man alles für Fakten hält.

    2. Absatz: falsch: man benötigt kein Brandschutzkonzept für eine Baugenehmigung, wenn man sich an die Vorgaben der Bauordnung und der OIB Richtlinien hält. Man braucht nur eines, wenn man von diesen Vorgaben abweichen will, weil gemäß OIB RL eine Abweichung zulässig ist, wenn „durch ein BSK nachgewiesen wird, daß trotz Abweichungen die erforderlichen Schutzziele eingehalten werden“. Es liegt also am Bauwerber selbst, ob er ein BSK benötigt oder nicht.

    Stadt Graz: Ich habe Ihnen gesagt, daß es einen Entscheid des Verwaltungsgerichtshofes gibt, daß die Tätigkeit der Grazer Offiziere keine Unvereinbarkeit darstellt (und übrigens 7 weitere Verwaltungsgerichtshofentscheidungen für Linz). DAS wird einfach unterschlagen.

    Abnahme nur durch Inspektionsstellen: falsch: hätten Sie sich die Mühe gemacht ordentlich zu recherchieren, hätte Sie festgestellt, daß in den Richtlinien von „abnehmender Stelle“ die Rede ist und gemäß Definition der TRVB 001 (frei herunterladbar unter http://www.trvb-ak.at) dies eine akkreditierte Inspektionsstelle oder vom Gesetzgeber beauftragte Stelle ist.

    SWPE/NoFire: es handelte sich um eine reine Kapitalbeteiligung (wie ein Aktienkauf) ohne die Entfaltung jedweder geschäftlichen Tätigkeit – hiefür war ein Geschäftsführer, der übrigens nichts mit der MA68 zu tun hat, zuständig. Das Geschäftsfeld war und ist die Ausbildung von Brandschutzwarten und Brandschutzbeauftragten, also fernab jeder akkreditierten Tätigkeit: Es gibt übrigens in Österreich 47 derartige Firmen, die BSW und BSB ausbilden. Da sich der erhoffte „return on investment“ nicht einstellte, habe ich meinen Anteil von 10 (!!) % zum Nominale ohne Gewinn und Verzinsung ca. 2013 verkauft und habe seither mit NoFire keine wie immer geartete geschäftliche Beziehung. Dies gilt übrigens auch für alle anderen ehemaligen Gesellschafter.

    VB-Cert: es heißt übrigens IBS und nicht BS, das nur am Rande. Diese Zusammensetzung des Vereines ist leicht erklärt. Es ist eine Forderung der Akkreditierungsstelle, daß das Lenkungsgremium einer Zertifizierungsstelle (= Vorstand des Vereins) gremial zusammengesetzt ist und es ist wohl logisch, daß sich dieses Gremium aus Firmen, die mit dem Brandschutz zu tun haben, zusammensetzt und nicht aus dem Bäcker von Puchberg und dem Installateur aus Wolkersdorf. Ja und Steinkellner übt seine Tätigkeit als Obmann rein ehrenamtlich aus und hat aus dieser Tätigkeit noch nie auch nur einen einzigen Cent bezogen, nur Arbeit. Aber vielleicht kann man sich nicht vorstellen, daß es Menschen gibt, die um der Sache willen (Brandschutz = Schutz für Menschen und Sachgüter) etwas gratis machen.

    Platzhirschen: auch das ist falsch: ich habe Ihnen gesagt, daß es in Österreich 8 Inspektionsstellen gibt, wovon eine die Prüfstelle f. Brandschutztechnik ist. Wir sind vermutlich die größte, aber keineswegs so, daß man das als Platzhirsch bezeichnen kann. VB-Cert: es gibt eine 2. Zertifizierungsstelle, die auf dem Gebiet der Brandmeldeanlagen wesentlich mehr Firmen zertifiziert hat als VB-Cert. Und übrigens steht es jedem frei, sich als Zertifizierungsstelle akkreditieren zu lassen ….

    1. Frage an mich: wurde so nicht gestellt, denn was soll das bedeuten: „.. daß man nach der Funktion wechselt …?“
    Mein letzter Satz 1. Frage: sinnverzerrend verkürzt. Ich habe gesagt: Man muss es nur dem Magistrat melden, und erhält keine Genehmigung, sondern eine Kenntnisnahme mit Hinweis auf die Ausschließungsgründe gemäß Dienstordnung: Das ist Unvereinbarkeit und Standesansehen, also z.B. wird es nicht möglich sein – da dem Standesansehen abträglich – wenn man als Beamter ein Bordell betreibt. Es gibt viele Kollegen aus der Mannschaft, die – da sie ja alle ausgelernte Facharbeiter sind – einen Tischlereibetrieb oder Elektrikerbetrieb haben. Das ist ja auch kein Problem, in diesem Land herrscht ja Erwerbsfreiheit.

    Probleme mit Brandschutzkonzepten: Hier haben Sie etwas ganz Wichtiges, das ich gesagt habe, einfach unterschlagen, nämlich: „….in Wien ist das kein so großes Problem, da die Brandschutzstelle der MA 37 – im speziellen Frau Senatsrat Eder – sehr kompetent ist und oftmals Brandschutzkonzepte – auch unsere – nicht akzeptiert und eine Überarbeitung verlangt.“

    Zwischenfazit: daß ich hier irgend etwas relativiert habe, ist falsch: Ich habe nur über eine mehrmonatige Untersuchung der Prüfstelle f. Brandschutztechnik durch Akkreditierung Austria in bezug auf „Unvereinbarkeit“ (ein Eckpfeiler der der Akkreditierung zugrundliegenden EN 17020) berichtet, deren Ergebnis war, daß keinerlei Unvereinbarkeit vorliegt sowie über ein Weisung des Branddirektors, daß Offiiziere keine Brandschutzanlagen prüfen dürfen, die sich in der Brandschutzsektion befinden, in der sie tätig sind.
    Was das mit Tätigkeiten nach 1700 Uhr zu tun hat, entzieht sich meinem Verständnis.

    Meine Rolle als Leiter der Abteilung E: Ich weise den unterschwelligen Vorwurf, daß ich durch diese Funktion hier irgendetwas Illegales getan hätte, auf das Schärfste zurück. Im Gegenteil: am 1. Tag meiner Funktionsübernahme habe ich den Offizier, der für die Anschaltung von Brandmeldeanlagen in Wien zuständig ist, schriftlich weisungsfrei gestellt und habe ich mich auch nie in Anschlußverfahren eingemischt. Der Wahrheitsbeweis ist leicht anzutreten, da diese Weisungsfreistellung im Personalakt des Kollegen, der übrigens bei keiner Inspektionsstelle mitarbeitet, aufliegt und außerdem eine Kopie an die Branddirektion übermittelt wurde.
    Es ist europaweit üblich, daß z.B. Brandmeldeanlagen nach Normen errichtet und geprüft werden müssen: in der BRD DIN 14675, in UK BSI Standard usw. usf. Alle Feuerwehren Europas verlangen die Einhaltung gewisser Forderungen, z.B. Entsprechung mit den Normen, entsprechende Führungsmittel (= Pläne) etc. Es ist also nichts Wien-spezifisches, daß eine Anlage geltenden Normen entsprechen muß, wenn sie an die Feuerwehr weitergeleitet werden soll – schauen Sie mal in die TRVB 114, da finden Sie die Anschlußbedingungen aller österreichischen Feuerwehren, einheitlich mit einigen lokalen Abweichungen.
    Sicherlich mehr als die Hälfte der in Wien angeschalteten Brandmeldeanlagen wurden durch andere Inspektionsstellen abgenommen und das läuft – soferne ein Bericht vorliegt, der die Mängelfreiheit bestätigt – auch völlig problemlos ab, unabhängig davon, wer das abgenommen hat. Auch hier ist der Wahrheitsbeweis leicht antretbar. Soferne Ihnen die MA68 Zutritt zum TUS-Archiv gestattet, können Sie das feststellen, da in jedem Akt die Kopie des Abahmeberichtes vorliegt.

    Richtige Leute auswählen: Naja, vielleicht gibt es Leute, die mehr Ahnung haben als andere und daher die Konzepte besser sind ? Wie wäre dieser Denkansatz ? Wenn Ihnen eine komplizierte Operation bevorsteht, suchen Sie sich dann den besten Arzt dafür oder irgendeinen Kurpfuscher vom Land ?
    Es gibt in Wien große Planungsbüros, die Brandschutzkonzepte machen und „sehr gut im Geschäft sind“. Wir haben erst kürzlich die Ausschreibung für ein Großprojekt gegen ein solches Planungsbüro verloren – na und ? Sowas passiert in der Geschäftswelt.

    Pensionsalter der Feuerwehr-Beamten: ja, machen Sie mal 35 Jahre einen 24-h Wechseldienst mit Nachtausfahrten in Hitze und Kälte, Sonntags, am 24.12. und 1.1., Einsätze, bei denen man bei -10° entweder vom Löschwasser völlig durchnäßt oder von der Hitze im Brandraum komplett durchgeschwitzt dann in die Eiseskälte rauskommt: glauben Sie, daß man dann noch branddiensttauglich ist ?

    Die Aussage über italienähnliche Strukturen ist nicht nur eine Beleidigung dieses wunderbaren Landes, sondern unterstellt hier unterschwellig mafiöse Strukturen und ist gelinde gesagt eine Frechheit.

    Neue Marktteilnehmer haben dagegen keine Chance: Stimmt nicht: es gibt eine Inspektionsstelle, die vor wenigen Jahren als Ein-Mann Betrieb angefangen hat, nichts mit der Feuerwehr zu tun hat, und zwischenzeitlich „sehr gut im Geschäft ist“. Wenn mit den neuen Marktteilnehmern ausführende Firmen gemeint sind: ich darf Sie darüber aufklären, daß in Österreich das Anlagengeschäft leider nach dem Motto „Geiz ist geil“ abläuft und daher immer der Billigste zum Zug kommt. Wenn der neue Marktteilnehmer der billigste ist, wird er den Auftrag bekommen, wenn nicht, ist das aber nicht die Schuld der anderen oder böser Abschottungstendenzen, sondern einzig und allein seine. Nur zu Info: in der CH und BRD kostet ein Brandmelder am Markt das Doppelte wie in Österreich ….

    Es gab nie, gibt es nicht und wird niemals einen wie immer gearteten Druck auf unsere Auftraggeber oder potentiellen Kunden geben, sich der Prüfstelle f. Brandschutztechnik zu bedienen. Vielleicht wählen uns die Kunden wegen unserer Kompetenz, Schnelligkeit der Abwicklung und zeitlichen Flexibilität, da die Kollegen alle gewohnt sind, auch an Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten, wenn es erforderlich ist, daß ein Bericht schnell fertig wird, weil sonst Pönalezahlungen drohen. Das beweisen auch die Kundenerhebungsbögen, die wir mit allen Berichte ausschicken, von den Kunden mehrheitlich zurückgesandt werden und die Bewertung zu 95 % bei 10 (1 sehr unzufrieden, 10 sehr zufrieden) liegt.

    Ich verwehre mich namens aller Kollegen der unterschwelligen Darstellung, daß hier Handlungen vorgenommen werden, die teilweise gemäß ABGB und StGB strafbar sind.

    Ich bin neugierig, ob Sie so fair sind, diese Klarstellung ungekürzt zu veröffentlichen.

    Dipl.Ing. Wilfried Pausa

    • Herr Pausa,
      ich verstehe schon, dass Sie sich nun ärgern und wir mehr publiziert haben, als Sie angenommen haben. Der eine oder andere Architekt wird Ihre Formulierung sicher hinterfragen. Ich habe Ihnen auch gesagt, dass wir nicht einzelne Sätze herauspicken, sondern absatzweise zitieren werden. Womöglich hätte ich den Vergleich mit Bordell hinzunehmen sollen, so hätte der Artikel ein humorvolles Element noch erhalten. Dass wir nicht alle Zitate anführen können, liegt an der Tatsache, dass die sehr ausschweifend formulieren. Die Fragen war eindeutig formuliert.

      Wir haben auch Ihr E-Mail erhalten, in der Sie 74 Branchenkollegen geschrieben haben, was richtig und falsch sei. Selbstverständlich haben Sie mit der Bezeichnung „Scheißartikel“ sich ein Denkmal gesetzt. Abgesehen davon, haben Sie uns nun die Recherche erleichtert.

      Grundsätzlich sind Ihre Ausführungen spannend, jedoch nicht zum Thema. Der Fokus der Story liegt auf wann und ob man ein Brandschutzkonzept benötigt wird, wer diese abwickeln kann und welche Leute sind in der Branche besonders gut damit vertraut. Und Sie waren Gegenstand der Betrachtung.

      Zu Graz: Es gab ganz klare Vorschläge, z.B. dass es vereinbar wäre, wenn die Offiziere in ihrer Dienstzeit auf Überstundenbasis bei ihrer Dienststelle (nicht als selbständige, gewinnorientierte Freiberufler) diese Tätigkeit ausüben. Dies wurde nach meinem derzeitigen Wissensstand nie umgesetzt, da ein finanzielle Überlegungen der Feuerwehroffiziere vorhanden sind (Nähere Infos im Stadtrechnungshofbericht Graz). Graz hat zumindest die Tätigkeit innerhalb Graz für ihre Grazer Beamten (nicht jedoch für die Pensionisten, aber auch das ist eine weitere Kritik im Artikel) gänzlich untersagt, Wien gar nicht.

      Noch ein Nachtrag zu dem Thema „Abnahme nur durch akkreditierte Inspektionsstellen“. Die gesetzlich beauftragte Stelle (damals Brandverhütungsstellen, die aber großteils diese Tätigkeiten auch bereits über Kooperationen mit akkreditierten Stellen abwickeln), wird nach den Anschaltebedingungen der Feuerwehr Wien, die seinerzeit natürlich durch Sie dominierend mitgestaltet wurden, umgesetzt. Siehe Punkt 13 im Antrag auf Anschaltung (Überwachungsbericht einer akkreditierten Inspektionsstelle): http://berufsfeuerwehr-wien.at/brandschutzanlagen/bma-anschlussverfahren.html
      Zum Platzhirsch: Da habe ich sogar nachgefragt, Sie haben sogar bestätigt gemeint, dass man dies so nennen kann, alle anderen zusammen natürlich größer wären.
      Mein Appell zu den Vereinen, die prüfende Funktion haben: Einfach die Umsätze und Informationen transparent offen legen. So können sich Leserinnen und Leser, vor allem Journalisten, selbst ein Bild machen. Zahl der Feuerwehroffiziere im aktiven Dienst bzw. Ruhestand, Gewinn und Verlustrechung, etc.

      Die Abgeordnete Beate Meinl-Reisinger hat den Artikel treffend zusammengefasst: „Mein NEOS Kollege Christoph Wiederkehr hat gemeinsam mit Fass ohne Boden aufgedeckt, dass in Wien zahlreiche Feuerwehroffiziere nebenberuflich als Experten für die Erstellung von Brandschutzkonzepten und in Prüf- und Zertifizierungsstellen, die wiederum die Brandschutzgesetze abnehmen. Das ist aus mehreren Gründen problematisch. Erstens geht es hier um mögliche Unvereinbarkeiten und zweitens zeigt es einmal mehr, dass in Wien besonders stark zählt, wen Du kennst. Man darf nicht vergessen: die Beamte sitzen ja auch in den Normenausschüssen, die die Auflagen mitbestimmen.“

      Ich freue mich schon auf die kommende Story und verbleibe mit den besten Grüßen,
      AS

    • Herr Pausa, ihre ersten Absätze in ihrer gewohnten Art sprechen ja für sich und müssen nicht näher kommentiert werden bzw. hat ja der Redakteur noch einige Dinge klargestellt.

      Jedoch bedarf es einer Klarstellung im Bezug auf ihre Feststellung zu „Geiz ist Geil“ bzw. der Kosten im Bereich Brandmeldeanlagen. Entweder kennen sie das Geschäft wirklich nur vom Hörensagen (sie sollten da vielleicht nicht alles glauben, was man ihnen so erzählt) oder sie stellen die Fakten bewusst unvollständig und verzerrrt dar, um von der hauptsächlichen Problematik abzulenken.

      Es ist grundsätzlich richtig, dass das Material im Bereich Brandmeldeanlagen in Österreich teilweise um die Hälfte im Vergleich zu Deutschland verkauft wird, allerdings betragen bei diesen Low-Cost Preisen die Materialkosten inkl. Installation, Verkabelung, Inbetriebnahme und Abnahme etc. bei der Lebenszykluskostenbetrachtung je nach Anlagengröße nur ca. 10-20%. Entscheidend ist also der Anteil im Bereich Dienstleistung nach der Errichtung der Anlage während der Lebensdauer (Jährliche Instandhaltung, Störungseinsätze, Regiestunden bei Umbauten / Erweiterungen, Ersatzmaterial).

      Und hier ist das entscheidende Problem verankert, denn vor allem die heimischen Konzerne, die hier das Ausschreibungsgeschäft als Hersteller und zugleich Exklusiv-Dienstleister mit Dumping-Preisen dominieren, spielen dann ihre Trümpfe nach der Gewährleistung mit Preisaufschlägen von bis zu 400% bei Ersatzteilen und Stundensätzen bis zu 180.- aus und „beuten“ somit vor allem öffentliche Auftraggeber (Billigstbieterprinzip) aber auch private Betreiber von Brandschutzanlagen, die immer wieder auf diese Geschäftsmodelle reinfallen, jahrzehntelang aus.

      Diese Geschäftsmodelle sind vor allem durch die nationalen Zertifizierungsanforderungen auf Basis nationaler Systemnormen möglich, weil der Betreiber dann gar keinen anderen Anbieter im Dienstleistungbereich (Erweiterungen, Umbauten, Störungseinsätze) mehr beauftragen kann. Grundsätzlich natürlich selber schuld, die meisten kommen aber erst drauf, wenn es zu spät ist. Herstellerunabhängige Errichter haben dadurch kaum Chancen im Neuanlagengeschäft, wodurch auch die Marktverteilung in Österreich ganz klar durch 2 Platzhirschen dominiert wird.

      Festgelegt sind diese Zertifizierungsanforderungen in nationalen Normen und Richtlinien, die sie als Vorsitzender beider Gremien in den letzten Jahrzehnten maßgeblich mitgestaltet haben. (Und nein, es interessiert in diesem Zusammenhang keinen, was die Deutschen oder Engländer machen, auch dort gibt es natürlich Verbesserungspotential). Vor allem im Bereich der Melderprüfung, welche den meisten Zeitaufwand bedeutet, gäbe es ein wesentliches Einsparungspotential, indem die Intervalle für Neuanlagen mit selbstdiagnostizierender Sensorik zumindest bei Standardumgebungen (z.B. Büro, Hotel, etc.) z.B. von 1 auf 3 Jahre erhöht werden würden. Vorschläge in diese Richtung gab es dazu in den letzten Jahren vereinzelt immer wieder, wurden jedoch vom Komitee abgeschmettert.

      Man muss also die Kostenproblematik, die letztendlich der Betreiber von Brandschutzanlagen tragen muss, nicht bei irgendwelchen ausländischen Firmen suchen, die hier den Österreichern die Arbeit wegnehmen, sondern die überzogenen Kosten – auch bei der Anschaltung von Brandmeldeanlagen an öffentliche Brandmelde-Empfangsanlagen – sind hausgemacht.

      Zur Erinnerung: Die Telefonanlagenbranche hatte früher ähnliche Geschäftsmodelle basierend auf kostspieligen Wartungsverträgen und hat sich dann Mitte der 90-er quasi selbst zerstört.

      Wenn die Brandschutzbranche nicht aufhört, ständig den Aufwand auch bei neuerer Technologie hinaufzuschrauben, anstelle zu reduzieren wird man unweigerlich auf eine Sackgasse zulaufen. Die deutliche Verringerung des Instandhaltungsaufwandes, würde den Austausch von Altanlagen auf Neuanlagen ankurbeln, wodurch die Branche vermutlich mehr und vor allem sinnvollere Arbeit hätte, als Altanlagen zu Tode zu warten.

      Schöne Grüße

      Reinhard Hofer
      Obmann des Vereins brandschutz light

  2. Sehr geehrter Herr Surowiec,

    ich verwehre mich gegen die Anschuldigung, dass die Nofire Safety GmbH nebenberuflich tätige Feuerwehroffiziere beschäftigt oder Beteiligungen von Feuerwehroffizieren bestehen.

    Ich bin seit 2010 alleine Zeichnungsberechtigter Geschäftsführer und somit für alle Vertage der Nofire verantwortlich.
    Die ursprünglichen Gründungsmitglieder die sie in ihren Artikel zitieren hatten 2008 eine gute Idee, waren aber operativ nie im Unternehmen tätig. Alle vier haben in den letzten Jahren ihre Anteile vollständig zur ursprünglichen Nominale verkauft und nichts mehr mit dem Unternehmen zu tun. Auch erhält Nofire keine Aufträge durch die Prüfstelle für Brandschutztechnik oder durch irgendwelche andere feuerwehrnahe Organisationen.

    Ihr Artikel ist schlichtweg falsch und rufschädigend! Wir behalten uns weitere Rechtmittel vor.

    Die Nofire Safety GmbH ist ein privates Unternehmen mit sehr hohen Kompetenzen in der Ausbildung und im Consulting sowohl im Brandschutz als auch in der Arbeitssicherheit.
    Unsere Kunden sind Unternehmen unterschiedlichster Branchen aus ganz Österreich und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (sowohl fix Angestellte als auch Werkvertragspartner) sind allesamt keine Feuerwehroffiziere im öffentlichen Dienst. Eine sehr umfangreiche SVA-Finanzprüfung durch die WGKK im letzten Jahr hat uns alle Arbeitsverhältnisse als rechtskonform bestätigt.

    Wenn sie als Chefredakteur Fakten veröffentlichen, dann sollten sie vorher auch richtig Recherchieren und keine geschäftsschädigenden Unwahrheiten schreiben.

    Wir fordern sie daher auf ihren Artikel zu widerrufen und eine ausführliche Richtigstellung zu veröffentlichen.

    Mit besten Grüßen
    Ing. Markus Pruckner

    • Hallo Herr Pruckner,

      vielen Dank für Ihr Schreiben und Ihren Hinweis. Selbstverständlich bedauern wir eine mögliche Verwechslung und kommen gerne Ihrem Wunsch nach. Dass die vier Gesellschafter ja involviert waren, haben Sie ohnehin im Kommentar bereits erwähnt. Damit es nicht zu einer weiteren möglichen Verwechslung kommt, haben wir den Artikel redigiert. Als Entgegenkommen haben wir darauf verzichtet, den aktuellen Firmennamen zu führen.

      Hier der Wortlaut:
      Der Artikel erhielt ein Update: Mit dem Firmenbuch lässt sich belegen, dass es sich um zwar um das Nachfolgeunternehmen der SWPE GmbH handelt, das heutige Unternehmen aber mit den damaligen Gesellschaftern nicht mehr in einer geschäftlichen Verbindung steht. Das heutige Unternehmen trägt mittlerweile eine neue Firmenbezeichnung, hat einen anderen Geschäftsführer und andere Gesellschafter. Damit dies nicht zu Missverständnissen kommt, wird im Artikel lediglich der ursprünglich Name des Unternehmens geführt. 2013 verkauften drei der vier Gesellschafter ihre Anteile, 2016 der vierte. Wir stellen dies gemäß Firmenbuch richtig und bedanken uns für die Richtigstellung.

      Ich hoffe, dass ich mit dieser Änderung in Ihrem Sinne gehandelt habe. Selbstverständlich steht es Ihnen frei, juristische Maßnahmen zu ergreifen.

      Für die Redaktion,
      Alexander Surowiec

  3. Sehr geehrter Herr Pruckner, dass ihr Unternehmen keine Geschäftsbeziehung mit Unternehmen bzw. Vereinen der zitierten Feuerwehroffiziere hatte oder noch hat, ist wohl schwer zu belegen.

    Einerseits standen sie bereits zum Zeitpunkt der Firmierung zur NoFire Brandschutz GmbH als Gesellschafter im Firmenbuch gemeinsam mit Offizieren, die bei der Prüfstelle für Brandschutztechnik des ÖBFV aktiv waren und sind, andererseits ist die NoFire nach wie vor als einziger Kooperationspartner der als Verein geführten akkreditierten Zertifizierungsstelle VB-Cert, welche von einem hauptberuflichen MA 68 Beamten geleitet wird, der ebenfalls früher Gesellschafter bei NoFire war, verlinkt:

    http://vb-cert.at/kooperationspartner.html

    Dass hier keine Geschäftsbeziehungen bestanden haben oder aktuell noch bestehen, ist eine mutige Aussage, zu der sie bitte hier noch einmal ergänzend Stellung beziehen können.

    Zur Erinnerung: Obmann Stellvertreter und Schriftführer des VB-Cert sind beide mittlerweile pensionierte Beamte der MA 68, waren Gesellschafter der Nofire und sind zugleich seit Jahrzehnten in dominanter Rolle bei der akkreditierten Prüfstelle für Brandschutztechnik des ÖBFV, welche unter anderem auch wiederum Sub-Aufträge vom VB-Cert im Zuge von Zertifizierungsverfahren abarbeitet.

    Wenngleich mittlerweile eine Umfirmierung zur Nofire Safety GmbH erfolgte und ein Gesellschafterwechsel stattfand, bieten sie nachweislich nach wie vor (so wie auch bereits die Vorgängergesellschaft NoFire Brandschutz GmbH) entsprechend der auf ihrer Website angeführten Kategorie „Maßgeschneiderte Firmenkurse“ eben auch noch „Fachkenntniskurse für die Zertifizierung von Fachfirmen für Planung, Projektierung, Installation sowie Inbetriebnahme und Instandhaltung von Brandschutzanlagen“ an:

    https://nofire.pro/pages/kompetenzzentrum_schulungen.html

    Nennen sie uns bei der Gelegenheit doch bitte auch die Vortragenden dieser Kurskategorie, zurück bis 2010.

    Besten Dank für die Klarstellung im Sinne der Faktentreue, die sie ja auch vom Redakteur einfordern!

    Mit freundlichen Grüßen

    Reinhard Hofer
    Obmann des Vereins brandschutz light

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Foto: MA 68

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Michael Häupl - SPÖ Wien - Flickr

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