FPÖ-Generalsekretär Hafenecker attackiert ÖVP und das "Kartell"
FPÖ-Generalsekretär Hafenecker attackiert ÖVP und das "Kartell" - Foto: FPÖ
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FPÖ-Generalsekretär attackiert ÖVP und das “Kartell”

FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker brachte gestern zwei parlamentarische Anfragen ein, die von politischer Sprengkraft zeugen. In den Anfragen attackiert der blaue Nationalrat persönlich den ÖVP-Landeshauptmann von Steiermark, Hermann Schützenhöfer, aber auch den Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV) und den Österreichischen Cartellverband (ÖCV).

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Hafenecker ist der Auffassung, dass der Kartellverband in seiner Stellungnahme scheinbar geschummelt hätte. So ist seiner parlamentarischen Anfrage zu entnehmen: “Der Kartellverband beteuere, dass die Drucklegung mit einem erklärenden Textzusatz erfolgte. Dies ist jedoch eindeutig falsch wie anhand einiger Belegexemplare des Liederbuchs klar zu erkennen ist. Denn der Druck erfolgte in der Version MIT der Heil Hitler-Passage und OHNE einen Hinweis. Wie auf dem folgenden Foto ersichtlich, wurde der Hinweis offenbar zu einem späteren Zeitpunkt eingeklebt.”

Parlamentarische Anfrage von Christian Hafenecker 105/J- Screenshot

Der MKV veröffentlichte erst Anfang der Woche eine schriftliche Stellungnahme zu dem Liederbuch “Gaudeamus”, auf die Hafenecker in seiner Aussendung referenziert. Der Grund für den öffentlichen Schlagabtausch ist ein umstrittenes Lied, mit dem Titel: “Es lagen die alten Germanen”. Im Original seien antisemitische Textpassagen enthalten, so der Vorwurf.

MKV Stellungnahme

In der Stellungnahme des MKV ist zu lesen: “Das Lied ist eine Parodie (!) auf Nationalsozialismus und Rassismus. Es entstand 1939/40 in der im Untergrund und Widerstand gegründeten Münsteraner Studentenverbindung Monasteria zu einer Zeit, in der alle Verbindungen von den Nazis verboten waren und unzählige katholische Couleurstudenten in Konzentrationslagern saßen. In den damals gedichteten Strophen wird ua. Joseph Goebbels als “Bock von Babelsberg” genannt, der “hatte ne große Klappe, von Wuchs war er ein Zwerg”.”

Der Kartellverband selbst vertritt die Ansicht: “Die Satire ist unübersehbar, wenngleich nicht übertrieben intelligent.” und “[…] das Lied (ohne die antisemitischen Zusatzstrophen) [findet sich] auch in den Liedersammlungen so mancher katholischer Studentenverbindung, auch wenn es vermutlich kaum mehr gesungen wird.”

Aus Sicht des MKV wird zwar nicht bestritten, das verwerfliche Textpassagen im Liederbuch 1999 herausgegeben wurden, jedoch sei man “auf den Fehler gestoßen” und habe sofort reagiert. Gröblinger sieht jedoch in der Anfrage den Versuch, den MKV “in den Sumpf der FPÖ” mitzuziehen. Gemeint ist die Liederbuch-Affäre der FPÖ und Wolfgang Zanger (FPÖ).

Der Zeitpunkt ist nicht verwunderlich. Die gesamte Causa erinnert an die so genannte Affäre um Udo Landbauer. Landbauer hatte am 1. Februar 2018 im Zusammenhang mit der NS-Liederbuch-Affäre bei seiner Burschenschaft Germania alle politischen Funktionen zurückgelegt. Zum damaligen Zeitpunkt war er unter anderem Stadtrat in Wiener Neustadt. Nachdem die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eingestellt worden waren, kehrte Landbauer im Sommer 2018 als Politiker zurück. Scheinbar bemühen sich konspirative Kräfte einen ähnlichen Effekt mit Wolfgang Zanger zu erzwingen. Die Staatsanwaltschaft Leoben hat den Nationalrat um Aufhebung der Immunität des FPÖ-Abgeordneten Wolfgang Zanger beantragt.

Hintergrundinformationen zur Anfrage

Schützenhöfer und Zanger befindet sich in der heißen Wahlkampfphase. Die Landtagswahl in der Steiermark 2019 findet am 24. November 2019 statt. Vor mehr als zwei Wochen wurde ein Liederbuch mit antisemitischen Texten einer steirischen Burschenschaft veröffentlicht. Dies sorgte für eine Welle der Empörung und rückte den medialen Fokus auf den steirischen Wahlkampf.

Im Jahr 1999 wurde das Liederbuch “Gaudeamus” vom Mittelschüler-Kartell-Verband der katholischen, farbentragenden Studentenkorporationen Österreichs (MKV), herausgebracht. Darin sind scheinbar “antisemitische Passagen” zu finden, jedoch dürften diese überklebt worden seien. Und diese Pattsituation stellt die Grundlage für die Auseinandersetzung der sogenannten “Farbenbrüder” dar.

Über den MKV

Der Mittelschüler-Kartell-Verband ist nach eigenen Angaben der größte Schüler- und Schulabsolventenverband Österreichs. Der MKV besteht heute aus 165 Studentenverbindungen und hat mehr als 20.000 Mitglieder. Auf europäischer Ebene ist der MKV Teil des Europäischen Kartellverbands (EKV). Der EKV wiederum verbindet alle europäischen christlichen Studentenverbände.

Quellen

Parlamentarische Anfrage “ÖVP-Liederbuch-Affäre”: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVII/J/J_00106/index.shtml

Transparenz

Ich selbst bin Mitglied und Angehöriger des MKV. Es wird darauf hingewiesen, dass es sich beim vorliegenden Artikel nicht um “eine Gefälligkeit” oder Intervention des Kartellverbandes handelt. Die Berichterstattung erfolgte aus freien Stücken.

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  1. Wenn unsere Kinder einmal fragen was haben wir für die Demokratie getan , können wir voller Stolz sagen , ja wir haben in alten verstaubten Liederbüchern die sowieso nicht benutzt werden ( also nicht aktuelle Bestseller) nach vielleicht ironische oder verwerfliche Wörter gesucht und darüber monatelang in Medien und Parlament gestritten und das Politik genannt .

    In der realen Welt bei den wirklichen Menschen interessiert das niemand .

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Written by Alexander Surowiec

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