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Ibiza-Drahtzieher ermöglicht Kripo-Drogendeal

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“T” an Geschäftsmann: „R. sucht dich”

Mit dem dem Ibiza-Video bekannt geworden. Dass er für Behörden gearbeitet hat, wurde immer wieder vermutet. Eine Kooperation mit Behörden wurde von „Fass ohne Boden“ und „oe24.at“ bereits aufgedeckt: „Mezzo“ nannte ein Tabakkonzern die Operation. Beim Bundeskriminalamt hieß der verdeckte Einsatz „Daviscup“.

T. an den Geschäftsmann – Foto: Fass ohne Boden

Am 16. August 2013 war „T.“ scheinbar genervt. Der Ibiza-Drahtzieher schuldete einem österreichischen Geschäftsmann einen existenzgefährdenden Geldbetrag. „T.“ wollte die Schulden begleichen, sprich die „Geschichte bügeln“. Und wie der Zufall so will, suchte ein gewisser „R.“ nach dem Geschäftsmann. Daher wollte „T.“ dem Geschäftsmann die Kontaktdaten von „R.“ weitergeben.

Was der Geschäftsmann zum damaligen Zeitpunkt nicht wusste: „T.“ war “Mittelsmann” der Exekutive und Detektiv, „R.“ hingegen ein Undercover-Cop des Bundeskriminalamts. Seine Spezialität lautet Giftbekämpfung, sprich er ist ein Drogenfahnder. Und wenige Monate später, am 26. März 2014, tappte der Geschäftsmann in die Falle. 12 kg Haschisch wollte der Geschäftsmann mit einem Komplizen dem Verdeckten Ermittler übergeben. Ein Notverkauf, da er schließlich nur sein Geld haben wollte. Danach klickten die Handschellen.

Fünf Jahre Haft

2014 wurde der Österreicher für die Übergabe von 12 kg Cannabisharz zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das pikante Detail: der Mann wurde aber auch für ein Angebot von zwei Kilogramm Kokain verurteilt, obwohl er selbst nach eigenen Angaben im Jänner 2013 Kokain nicht angeboten hatte. Erst nach wochenlangen Diskussionen mit dem verdeckten Ermittler übergab der Geschäftsmann eine Probe dem Verdeckten Ermittler.

Das Gericht sah es anders, es glaubte dem Verdeckten Ermittler. Doch selbst der Richter dürfte nichts vom Nahverhältnis des Verdeckten Ermittlers zum Ibiza-Detektiv geahnt haben. „T.“ wurde erst gar nicht während der gesamten Gerichtsverhandlung einvernommen. Dass die Berichte des Verdeckten Vermittlers vehemente Ungereimtheiten enthalten haben, war scheinbar dem Richter nicht aufgefallen.

Widersprüche bei den Berichten und Befragungen

Beispielsweise sei laut dem Protokoll des Verdeckten Ermittlers der österreichische Geschäftsmann am 9.01.2014 in Mistelbach gewesen. Dieser bestreitet dies und verwies in der Verhandlung auf die Observationsberichte der Kripo. Und genau hier liegt vermutlich auch das Übel. Nach mehrfacher Sichtung des Materials wirkt der Bericht, als ob man den Bericht richtig gebogen hätte. Es sind vor allem die Kleinigkeiten, die aber ein unstimmiges Gesamtbild ergeben.

Methoden des Drogenfahnders

Nach monatelanger Verhandlung gelang es dem „Agent provocateur“ und dem Polizisten den österreichischen Geschäftsmann von einem Drogendeal zu überzeugen. Am Ende sollen es 12 Kg „Cannabisharz“, sprich Dope werden. Kokain hätte es ebenfalls geben sollen, doch der Geschäftsmann streitet dies ab, auch vor Gericht. Bei der Verhandlung fragt der Richter den österreichischen Geschäftsmann: „Warum ist aus dem Kokain-Geschäft nichts geworden?“

“4000 Schweine werden uns wahrscheinlich auffressen” – nur ein Schwerz? – Foto: Fass ohne Boden

Er antwortete am: „Ich habe gesehen, dass der R. unbedingt das Kokain haben wollte. Ich habe gesagt: „Ich tue mein Bestes“, um ihn zu helfen in seiner Sache. Er hat gesagt, er kann seine Geschäftspartner nicht enttäuschen. Ich habe mich immer weiter reingeritten, weil er wurde immer konkreter und konkreter. An einem Tag hat er mir am Telefon persönlich mitgeteilt, dass mit denen nicht zu spaßen wäre, die haben eine Schweinefarm mit 4000 Schweinen. Wir beide werden abgeholt und die 4000 Schweine werden uns wahrscheinlich auffressen, dann sind wir vom Erdboden verschwunden, weil mit denen ist nicht zu spaßen.“ Während der Verhandlung wird der Beamte mit dieser Aussage konfrontiert, seine Antwort zu dem „Galgenhumor“: „Nein, man hat das vielleicht im Spaß gesagt, sicher nicht im Ernst.“

Aber auch bei dem Angebot von Kokain gibt es Widersprüche. Der Geschäftsmann beharrt darauf, dass er bei der Geschäftsanbahnung Kokain kein Thema war. Der Verdeckte Ermittler wollte „zwei bis fünf Kilo haben. Ich habe gesagt: „Nein, dass mache ich nicht.“ Erstaunlich ist auch, dass von Crystal Meth während der Verhandlung die Rede ist, aber auch das verneinte der Geschäftsmann. Seltsamerweise liest man diese Details nur im Bericht des Verdeckten Ermittlers, vor Gericht relativierte der Kriminalbeamte sehr häufig selbst seine Aussagen, spricht von „Scherzen“, wie im Falle der Schweine. Doch die Schweine nennt man im Jargon „Druck machen“.

Mehrere ungenaue Angaben?

Den Zeitpunkt, wann der Verdeckte Ermittler und der österreichische Geschäftsmann sich kennengelernt haben, stellt der Kripo-Beamte anders dar. So ist dem VE-Bericht/Amtsvermerk vom 27.03.2014 das Jahr 2012 die Rede. Aber tatsächlich kennen beide einander bereits seit 2010, was der Verdeckte Ermittler auch in der mündlichen Befragung als Zeuge vor Gericht zugegeben hat.

Geschäftsmann kennt Verdeckten Ermittler seit 2010 – Foto: Fass ohne Boden

Und als Höhepunkt gibt selbst der Verdeckte Ermittler bei der Verhandlung zu, dass der Preis für ein Kilogramm Kokain von einer dritten Person kommen würde, und nicht vom Geschäftsmann. Aber selbst diese Aussage wurde nicht berücksichtigt. Der Verdeckte Ermittler gab an, dass er sich vom Beschuldigten fürchten würde. Daher erfolgte die Zeugenaussage des Kripo-Beamten ohne dem Angeklagten.

„Morgen sind wir reich oder im Häf’n“

Es wurde “Häf’n”. Im Detail waren es 11.187 Gramm Cannabisharz, sprich 790 Gramm THCA und 59 Gramm Delta-9-THC, knapp die 23 fache Grenzmenge war die Reinsubstanz. Man sucht vergeblich von der Anbahnung in den Protokollen vom August 2013. Kein Wunder, der Kripo-Beamte schützt ja seinen Informanten, namentlich „T.“.

„T.“ war für eine Stellungnahme gegenüber Fass ohne Boden nicht bereit. Er wurde per E-Mail konfrontiert. „R.“ war gegenüber „Fass ohne Boden“ nicht auffindbar. Der rechtskräftig verurteilte Geschäftsmann lebt mittlerweile wieder als freier Mann. Er möchte mit der Causa nicht mehr in Berührung kommen und ist wieder selbstständig.

Weitere Zusammenhänge auf oe24.at.

Weitere Ibiza-Enthüllungen

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Digitaler Blattmacher und Chefredakteur.

1 Comment

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  1. Huber

    25. November 2019 at 7:30

    Das läuft nach meinen Informationen seit Jahrzehnten genau so. Wenn unschuldige Bürger durch Beamte bestimmt teilweise erpresst werden, größere Mengen Suchtmittel nach Österreich einführen…

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Razzia beim Ibiza-Detektiv und seinem “Tontechniker”

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Razzia beim Ibiza-Detektiv
Oleksiy Shuman - Ibiza Sujetbild - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash).

Nun veröffentlicht Fass ohne Boden gemeinsam mit oe24.at neue Dokumente und neue Erkenntnisse der Soko-Tape. Die Sonderkommission hat Ermittlungen in der Causa “Ibiza-Video” im vergangenen Jahr aufgenommen. Gleich vorweg: Bei den Unterlagen handelt es sich um Auszüge aus dem Verschlussakt. Für die Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt: neben dem Ibiza-Detektiv hat die Soko-Tape auch die Wohnung des vermeintlichen Tontechnikers durchsucht, der nach eigenen Angaben “bei der Nachvertonung eines Tonmitschnitts helfen sollte.”

Im Detail: Am 19. November um 06.00 Uhr wurde “aufgrund richterlicher Bewilligung und staatsanwaltlicher Anordnung” eine Hausdurchsuchung und Sicherstellungsanordnung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs im 22. Bezirk durchgeführt.

Unter anderem fand die Soko-Tape diese Utensilien in der Wohnung des Ibiza-Detektivs:

"Ilove-Ibiza" als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektiv - Fass ohne Boden
“I love Ibiza” als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs – Fass ohne Boden

Die Razzia beim Ibiza-Detektiv

Und ja, die Dokumente zeugen von höchster Brisanz.

  • Einen Beleg konnten die Ermittler der Soko-Tape sicherstellen, die belegen, dass der Ibiza-Drahtzieher einen Alias mit dem Namen Alexander Surkov” verwendet hat. Dies wurde aber noch im Sommer des vergangenen Jahres vom Anwalt des Sicherheitsberaters negiert.
  • Darüber hinaus wurde ein formelles Schreiben des Zolls in der Wohnung gefunden. Der ermittelnde Zollbeamte aus Graz wollte tatsächlich in der Causa “Mezzo” den als verdeckt eingesetzten Ermittler mit dem Alias “Thaler” zu einer Zeugenvernehmung laden.
  • Eine weitere Visitenkarte vom Sicherheitschef des Tabakkonzerns in der Causa “Mezzo“. Dies belegt zumindest ein Treffen vom leitenden Sicherheitsverantwortlichen des Tabakkonzerns mit dem Ibiza-Detektiv.
  • Besonders skurriler Fund: Ein Utensil mit der Aufschrift “I love Ibiza”. Nostalgie oder gar Schadenfreude?

Doch was wollten die Ermittler eigentlich in der Wohnung des Ibiza-Detektivs auffinden? Laut einer Sachverhaltsdarstellung, die eingebracht wurde, ging es laut dem Tippgeber um einen PC und um das eigentliche Ibiza-Video als Back-Up.

In Sachen Laptop oder PC gingen die Ermittler leer aus. Genau das beschreiben Ermittler im Amtsvermerk zu der Hausdurchsuchung: “Angemerkt wird, dass auf dem Schreibtisch offensichtlich ein PC stand und dieser abgebaut wurde.”

Aber auch das Kellerabteil des Ibiza-Detektivs wurde von den Ermittlern durchsucht. Dem Amtsvermerk vom 19. November 2019 ist diesbezüglich zu vernehmen: “Auffällig in diesem Zusammenhang war, dass insgesamt 10 Kellerabteile vorhanden sind und in allen, bis auf jenes Angeführte, mit eher wertvollen Gegenständen, angeräumt waren.” Auf Deutsch: Das Kellerabteil war leer. Nur wie konnte das sein? Daher stellt sich eine berechtigte Frage: Hat der Ibiza-Detektiv rechtzeitig einen Tipp bekommen? Warum wurde erst nach einem halben Jahr die Wohnung durchsucht?

Wenige Tage später sollten die Ermittler aber einen Durchbruch erzielen…

Die Razzia beim “Tontechniker”

Wenige Tage später, am 25. November 2019, folgte der nächste Schlag der “Soko-Tape”. Eine Wohnung im 7. Bezirk wurde von den Ermittlern durchsucht. Dort fand man jene Dokumente, hinter denen die Kriminalbeamten schon vermutlich länger her sind.

Mehrere Ordner des Sicherheitsunternehmens vom Ibiza-Detektiv konnten die Ermittler sicherstellen. Im Detail fanden sie einen Ordner mit Verträgen für Leihautos, den Ordner für das Finanzamt, die Arbeitsverträge mit der Abkürzung “KV” und den Ordner “3”, vermutlich Dritte, sprich Verträge mit externen Partner. In Summe konnten die Ermittler 25 Gegenstände sicherstellen. Besondere Sprengkraft dürfte der Stand-PC haben, den man ebenfalls sicherstellen konnte. Aber auch mehrere Festplatten, USB-Sticks, Mobiltelefone, CD’s, einen slowenischen Personalausweis sowie einen Führerschein einer unbekannten weiblichen Person konnten die Ermittler sicherstellen.

IT-Techniker als “Tontechniker” bei der Einvernahme

Im Zuge der Einvernahme des Tontechnikers wollten die Beamten wissen, warum dieser überhaupt diverse Dokumente und technische Utensilien des Ibiza-Detektivs in seinem Besitz hatte.

Dieser sagte gegenüber der Kripo wie folgt aus: “Gegen Anfang 2019 hat mir [Ibiza-Detektiv] einen silbernen Koffer, sowie drei Aktenordner, mit der Bitte übergeben, sie für ihn ca. 2-3 Wochen aufzubewahren. […] Er hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass es sich beim Inhalt des Koffers um elektronische Geräte handeln würde und ich diesen Koffer nicht im Keller aufbewahren möge, um etwaigem Schaden vorzubeugen.” Ob es sich um eine Schutzbehauptung oder um die Wahrheit handelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht verifiziert werden.

Auf die Frage, ob “der Tontechniker” die Ausweise der Polizei nicht hätte übergeben müssen, gab der Tontechniker an: “Auch möchte ich anführen, dass ich diese Frau, welche auf den beiden Dokumenten abgebildet ist, noch nie in meinem Leben gesehen habe, ich kenne sie nicht.”

Daher stellt sich die Frage zu dem mutmaßlich slowenischen Personalausweis einer unbekannten Frau: Warum ist dieser Ausweis bei den Unterlagen des Ibiza-Detektivs bzw. warum hat er die Ausweise an den Tontechniker weitergegeben?

Slowenischer Personalausweis einer unbekannten Frau – Fass aus Boden

Mittlerweile hat der “Tontechniker” die “Freundschaft” zum Ibiza-Detektiv “gekündigt”.

Die Umstände werfen einige Fragen auf: Warum sind zwei Ausweise beim Tontechniker über mindestens neun Monate aufgelegen? Warum wurden die Gegenstände nicht nach drei Wochen zurückgegeben? Hat die Frau ihre Dokumente nicht vermisst? Oder gibt es gar andere Gründe?

In Summe erscheint dies alles äußerst suspekt. Auf jeden Fall war die zweite Hausdurchsuchung, sprich beim Tontechniker, ein voller Erfolg für die Soko-Tape. Nun heißt es sich zu gedulden. Man darf auf die Auswertung der Forensik gespannt sein.

Fass ohne Boden bleibt selbstverständlich an der Ibiza-Causa dran.

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Aviso: Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

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Razzia beim Ibiza-Detektiv
Sujetbild Ibiza - Oleksiy Shuman - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash). Nun sind weitere Dokumente zum Erkenntnisstand rund um die Ermittlungen in der Causa Ibiza-Video der Redaktion zugespielt worden.

Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt.

Und ja, das Material ist heiß:

Unter anderem fand die Soko-Tape dieses Utensil

Gemeinsam mit oe24.at veröffentlichen wir am Dienstag, 14.01.2020 das exklusive Material der zwei Hausdurchsuchungen und die neuen Erkenntnisse der Soko-Tape (= Soko-Ibiza).

Foto: Sujetbild Ibiza – Oleksiy Shuman – pixabay

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Causa Kappel: Hintergründe zum 150 Millionen Deal

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Causa Kappel - Neue Hintergründe zum acht Millionen Deal - polack - Adobe Stock Foto

Erst gestern publizierte derstandard.at (Andreas Schnauder) weitere Details in der Causa Barbara Kappel, der ehemaligen EU-Abgeordneten (FPÖ). Die blaue “Wirtschaftswunderwaffe” outete sich selbst als Geldbotin. Dabei soll sie von einem bulgarischen Geschäftsmann 75.000 Euro erhalten haben und das Geld angeblich einem mittlerweile verstorbenen blauen Nationalrat übergeben haben. Dieser war aber aus gesundheitlichen Gründen seit 2017 politisch nicht mehr aktiv. Die FPÖ, aber auch Heinz-Christian Strache, bestreiten vehement eine Involvierung und den Erhalt einer Spende.

150 Millionen Deal für bulgarischen Pensionsfonds

Aus einem Chat geht hervor, dass die FPÖ-Frau den bulgarischen Geschäftsmann unterstützt haben soll: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” Die wesentliche Passage aus dem Schnauder-Artikel möchten wir an dieser Stelle zitieren und um weitere Details aus einer “Fass ohne Boden”-Enthüllung ergänzen:

“S. war für eine Investorengruppe aktiv, die 2013 einen bulgarischen Pensionsfonds der Vienna Insurance Group (VIG) kaufen wollte. Geldgeber im Hintergrund war der russische Banker S. M. , der gut 150 Millionen für die größte private Pensionskasse namens Doverie hinblättern wollte. Mit der VIG war er schon handelseins, doch die Finanzaufsichtsbehörde in Sofia hatte Zweifel an der Seriosität des Investors.”

Andreas Schnauder, derstandard.at

Die Zweifel der bulgarischen Finanzaufsichtsbehörde „Financial Supervision Commission“ (= FSC) können wie folgt belegen werden:

Bereits im Jahr der versuchten Übernahme, sprich 2013, äußerte sich der damalige Chef der bulgarischen Finanzaufsicht Stoyan Mavrodiev in einem Interview zum Kauf sehr kritisch: „Wir werden keine Kompromisse bei der Qualität des Investors machen, wir werden uns ganz genau die Einkommensquellen von United Capital anschauen, die Legitimität ihrer Fonds, ihre Erfahrung und die tatsächliche Eigentümerstruktur. Es könnte für das gesamte Finanzsystem hier gefährlich sein, wenn wir ein Verkaufsgeschäft genehmigen, ohne zu wissen, wer wirklich der Eigentümer dieses Unternehmens ist.“

Damit eine Übernahme des bulgarischen Pensionsfonds überhaupt möglich gewesen wäre, wurde vertraglich festgelegt, dass acht Millionen Euro als “Deposit” bei der VIG hinterlegt werden. Das Geld stammte vermutlich vom russischen Investor. Der hohe Geldbetrag sollte als Garantie für eine Kaufabsicht der britischen Briefkastenfirma stehen. Und genau um diese Überweisung begann einige Jahre später ein Streit, der 2016 seinen Höhepunkt erlangen sollte. Scheinbar soll Barbara Kappel versucht haben, dem bulgarischen Geschäftsmann im Hintergrund zu helfen.

Dokumente aus dem Nachlass von Philipp Buchner

Genaue Hintergründe um die acht Millionen Euro sowie weitere brisante Details hat “Fass ohne Boden” bereits am 10. November in der Enthüllung “Russische Investoren, bulgarische Geschäftsmänner und Phillipp Buchner” veröffentlicht. Die Dokumente, die Fass ohne Boden zugespielt wurden, haben aber einen sehr traurigen Hintergrund. Ermöglich wurde die Einsicht erst durch den “dubiosen Tod” von Philipp Buchner. Buchner fungierte als Berater und persönlicher Assistent des „bulgarischen Geschäftsmanns“. Ein Informant wandte sich wenige Tage nach seinem Tod an die “Fass ohne Boden Redaktion”. Die Botschaft des Informanten ist eindeutig:

Philipp sagte mir, falls ihm was passieren sollte, sollen die Dokumente zur politischen Verwertung übergeben und an die Medien gespielt werden.

EIN INFORMANT ÜBER DIE DOKUMENTE VON PHILIPP BUCHNER

Warum es zu keinem Deal kam, erörterte 2016 die bulgarische Finanzaufsichtsbehörde gegenüber dem Anwalt des bulgarischen Geschäftsmanns. Das Unternehmen, welches den bulgarischen Pensionsfonds kaufen wollte, hieß „United Capital PLC“. Bei „United Capital PLC“ handelt es sich um eine mittlerweile aufgelöste Briefkastenfirma mit Sitz in London (Company No. 06254627). 2013 wollte das Unternehmen die Mehrheitsanteile (92.58%) am bulgarischen Pensionsfonds „Doverie“ erwerben.

Offene Fragen

Seltsam erscheint der Zeitpunkt, der Bezug in dem Chatprotokoll und die Rolle von Barbara Kappel: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” In welchem Jahr die ehemalige EU-Abgeordnete versucht hat, ein gutes Wort einzulegen, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht belegt werden.

Darüber hinaus erscheint es nach wie vor seltsam, warum die Briefkastenfirma überhaupt Ambitionen hatte, den Pensionsfonds zu kaufen. Die getätigte Anzahlung von acht Millionen Euro ist per se nicht ungewöhnlich, jedoch dürfte man mit einem Veto der bulgarischen Behörde nicht gerechnet haben. Selbst aus dem Umfeld des bulgarischen Geschäftsmanns wurde gegenüber der “Fass ohne Boden”-Redaktion bestätigt, dass das “Deposit”, sprich das hinterlegte Geld von acht Millionen Euro, wieder zu bekommen sehr schwierig gewesen wäre. Schließlich wurde ein Vertrag unterschrieben.

Eine andere Auffassung vertrat aber der damalige beauftragte Anwalt vom bulgarischen Geschäftsmann. Wie aus den geleakten Unterlagen hervor geht, wollte der prominente Staranwalt einen Rechtsstreit beginnen. Zu einer Klage ist es aber laut Unterlagen nicht gekommen. Dies bestätigte auch der Pressesprecher der VIG gegenüber Fass ohne Boden.

Die Causa dürfte mittlerweile verstärkt in Bulgarien und vor allem in Russland für Aufsehen sorgen. In den letzten 48 Stunden ist die Zahl von Aufrufen mit russischen und bulgarischen IP-Adressen auf diverse “Fass ohne Boden”-Enthüllungen überproportional gestiegen. Besonders im Umfeld des russischen Bankers gibt es anscheinend großes Interesse, nähere Informationen zu erhalten.

Weitere Dokumente in dieser Causa können hier eingesehen werden.

Foto: polack – Adobe Stock Foto

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Fass ohne Boden auf Telegram - Thomas Ulrich - pixabay

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