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Ibiza-Hintermänner ermittelten für LKA, BK und Finanzpolizei

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Ibiza-Hintermänner ermitteln für LKA, BK und Finanzpolizei
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Fass ohne Boden hat vor mehreren Wochen 12.000 Dateien aus dem direkten Umfeld der Hintermänner der Ibiza-Affäre erhalten. Nach wochenlanger Recherche, Sichtung und Aufarbeitung des Materials veröffentlicht Fass ohne Boden eine Vielzahl der Dokumente, die die Verstrickungen und die intensive Zusammenarbeit mit österreichischen Behörden belegen. Die Unterlagen geben nicht nur einen Einblick in die Welt des Mentors Sascha W., sondern zeigen auch, wie in Österreich mit einer privaten Sicherheitsfirma Aufgaben vom Landeskriminalamt Salzburg oder gar Bundeskriminalamt übernommen wurden.

Die nachfolgenden Belege bezeugen auch, wie Ermittlungen in Österreich tatsächlich ablaufen, vor allem aber so nicht ablaufen sollten. Die Sichtung des Materials ist als Ganzes verstörend und zugleich besorgniserregend. Fakt ist, dass die Amtsverschwiegenheit von Kriminalbeamten für dieses Unternehmen keine Rolle gespielt hat. Und dies zeigt sich wiederkehrend, unabhängig der hierarchischen Ebene und der jeweiligen Teileinheit bei der Polizei. Ob das Landeskriminalamt in Salzburg oder das Bundeskriminalamt in Österreich, die Kriminalbeamten kooperierten gerne mit dem Unternehmen und teilten ihren Informationsstand.

Interessantes Faktum: Die Zusammenarbeit mit einer externen Sicherheitsfirma und Beamten des BMI stellt in Österreich überhaupt kein Problem dar. Anders sieht aber die Situation bei unserem Nachbarland Slowenien aus. Eine Kooperation des Sicherheitsunternehmens “Die Gruppe Sicherheit GmbH” war mit slowenischen Polizisten nicht möglich:

2011 beginnt die Zusammenarbeit

Nach derzeitigen Stand der Recherche dürfte die Kooperation zwischen dem Sicherheitsunternehmen „Die Gruppe Sicherheit GmbH“ und dem Tabakkonzern mit 1. April 2011 begonnen haben. Die Unterlagen, die Fass ohne Boden vorliegen, erstrecken sich bis Ende 2014.

Beispielsweise fanden bereits im August 2011 von “The Group”, so der englische Name des Unternehmens, beim Projekt “Stanko+Ali” Ermittlungen in gleich drei Städten gleichzeitig statt: Graz, Salzburg und Wien.

Es wurde nach allen möglichen Informationen gesucht. In der Regel waren es aber Wohnadressen, Fotos und Aufnahmen der vermeintlichen Kriminellen, private Handynummern, Autokennzeichen mit Fahrzeugtyp und genauer Beschreibung, aber auch die Gewohnheiten von Zielpersonen wurden beobachtet und notiert. Zu meist in einem Monatsbericht erfolgte die Übergabe an den zahlenden Konzern. Der Austausch mit Beamten erfolgte in regelmäßigen Abständen.

Und es gab immer wieder besondere Zusatzinformationen, die man aufgegriffen hat:

Zusammenarbeit mit dem LKA Salzburg

Ein Mitarbeiter und Ermittler der Gruppe Sicherheit dürfte einen exzellenten Zugang zu den Beamten des LKA Salzburg besessen haben:

Sascha W. hält fest, dass der Zugriff der Finanzpolizei nur dank seinem Unternehmen erst möglich war.

100.000 Euro Kosten für ein Jahr Undercover

Eine Observation, beispielsweise im Jahr 2014 beim Projekt “Violin”, inklusive einem eingeschleusten Ermittler, kostete den Tabakkonzern für zwölf Monate 100.000 Euro pro Kalenderjahr.

Nach Sichtung der sechs Projekte, „Stanko+Ali“, „Lindwurm“, „David“, „Mezzo“, „Violin“ und „Rodope“ wird einem bewusst, was für einen enormen Einfluss das Sicherheitsunternehmen unter Sascha W. auf Ermittlungen von österreichischen Sicherheitsbehörden hatte. Von Beginn an setzte das Unternehmen auf „Undercover Agents“, unter anderem auf J. H., der beim Projekt Mezzo eine sehr wichtige Rolle gespielt hat.

Verdeckte Recherchen bei Mezzo

Dass die Kooperation von der Sicherheitsfirma “Die Gruppe Sicherheit” mit Behördenvertretern bei weitem intensiver war, als bisher gedacht, geht aus diesem Satz hervor: „They showed various photographs from their ongoing observations to our investigator and asked him to identify the people in the pictures.“

Am 23. Jänner 2013 hat genau jener Ibiza-Hintermann für die Finanzpolizei gleich mehrere verdächtige Personen aus verdeckten Observationen eindeutig identifiziert: „we helped to identify some members off he Georgian network from the pictures provided by Customs Graz.“

Problematik: Leumund der Sicherheitsmänner

“Undercover Agents” mit besonderen Lebensläufen: Und die Besonderheit lautet “Vorstrafen”. So hatte beispielsweise einer der Top-Detektive mit Wurzeln in Slowenien mehr als zehn Eintragungen in seinem Strafregister und mindestens fünf verschiedene Verurteilungen. Und die Delikte waren in der Tat vielfältig: Schwerer Betrug, Diebstahl im Rahmen einer kriminellen Vereinigung, Körperverletzung in einem Rotlichtlokal, Anlagebetrug, Bestellbetrug, Warenbetrug und auch Zechbetrug.

Ein anderer “Sicherheitsberater”, der sehr intensiv mit dem LKA Salzburg kooperiert hat (siehe weiter oben, 1 kg Heroin), wurde nicht nur wegen schwerem Betrug verurteilt, sondern auch wegen Suchtgifthandel. Dies ist mehr als bedenklich, da einerseits der Sicherheitsmann Informationen über Drogen an die Behörde weitergibt, andererseits er einen wesentlichen Vorteil daraus ziehen könnte, wenn er doppelseitig arbeiten würde, sprich für die Behörde als Informant, aber auch für sich selbst als Dealer.

Dass diese Männer überhaupt mit Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten konnten, erscheint nahezu grotesk. Insbesondere regelt beispielsweise ein sogenannter “Informantenvertrag” die wesentlichen Parameter einer Zusammenarbeit mit einem Ermittler. Die rechtliche Gundlage erfolgt über den § 54b Sicherheitspolizeigesetz (SPG) Vertrauenspersonenevidenz:

§ 54b. (1) Der Bundesminister für Inneres ist ermächtigt, personenbezogene Daten von Menschen, die für eine Sicherheitsbehörde Informationen zur Abwehr gefährlicher Angriffe oder krimineller Verbindungen gegen Zusage einer Belohnung weitergeben, in einer zentralen Evidenz zu verarbeiten. Soweit dies zur Verhinderung von Gefährdungen der Betroffenen und zur Bewertung der Vertrauenswürdigkeit der Informationen unbedingt erforderlich ist, dürfen auch besondere Kategorien personenbezogener Daten (§ 39 DSG) über die Betroffenen verarbeitet werden.” (ris.gv.at)

Daher muss man annehmen, dass die Beamten vom LKA, BK, aber auch von der Finanzpolizei mit solchen Fachkräften zusammenarbeiten wollten. Was natürlich möglich wäre, aber nicht für unseren Sicherheitsapparat sprechen würde ist, dass die Beamten vom Vorleben der diversen Sicherheitsleute nichts gewusst haben.

Konfrontation der Betroffenen

Der Tabakkonzern möchte sich nicht mehr zu den neuen Umständen äußern. Die schriftliche Stellungnahme noch einmal zur Erinnerung:

„Der illegale Zigarettenhandel ist eine der größten Finanzierungsquellen des internationalen Terrorismus und schadet nicht nur der Branche, sondern insbesondere den Fisken weltweit jährlich um mehrere Milliarden Euro. Für unser Unternehmen ist es daher von wesentlicher Bedeutung entschieden gegen diese illegalen Handlungen vorzugehen. Dabei unterhalten wir fallbezogen auch Kooperationen mit lokalen und internationalen Behörden und arbeiten für vereinzelte Projekte auch mit Sicherheitsfirmen zusammen, die jedoch behördlich registrierte Informanten sein müssen. Diese Zusammenarbeit findet immer unter strenger Einhaltung unserer internen Compliance-Richtlinien und der nationalen wie internationalen Gesetze statt. Im konkreten – von Ihnen genannten – Fall können wir zwar die Echtheit der vorgelegten Unterlagen nicht verifizieren, da die damals für diesen Bereich zuständigen Kollegen nicht mehr im Unternehmen sind. Können jedoch bestätigen, dass es ein Projekt unter diesem Namen gab und dass im gegenständlichen Zeitraum große Aufgriffe von illegalen Zigaretten durch die Zollbehörden erfolgten.“

Behörden: Mauer des Schweigens

Auf einen Rückruf des Pressesprechers vom Bundeskriminalamts wartet die Redaktion nach wie vor. Der ehemalige Leitende von der Finanzpolizei, der wiederkehrend als Mr. Oe. bzw. Ö. abgekürzt wird, arbeitet nun als selbstständiger Detektiv selbst. Aber auch dieser wollte gegenüber der Redaktion die gestellten Fragen nicht beantworten.

Die nachfolgenden Dokumente sollen helfen, mehr Licht in die Causa Ibiza zu bringen. Dieser Artikel wird laufend editiert. Projekt David und Projekt Lindwurm werden noch ergänzt.

Projekte der Gruppe Sicherheit GmbH

Projekt Stanko+Ali

Zeitraum: August 2011 bis Dezember 2011

Stanko+Ali – Final Report – Abschlussbericht


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Digitaler Blattmacher und Chefredakteur.

2 Comments

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  1. Paul

    1. September 2019 at 15:27

    Sehr geehrte Herren,
    wann gedenken Sie die entsprechenden Anzeigen an die zuständigen Staatsanwaltschaften und an die Koruptionsstaatsanwaltschaft zu erstatten???

  2. Dieter

    3. September 2019 at 0:58

    damit liegt der Verdacht nahe, dass Teile der Polizei bzw. BKA in den internationalen Drogenhandel involviert sind.
    Bereits vor einigen Jahrzehnten wurde bestätigt, dass diverse Geheimdiesnste wie CIA den internationalen Drogenhandel organisieren. Drogen-Geldwäsche über internationale Grossbanken wie HSBC und JP-Morgan wurden mittlerweile mehrfach bestätigt.

    https://www.zerohedge.com/news/2019-07-09/us-authorities-seize-jp-morgan-owned-container-ship-used-13-billion-cocaine-bust

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Razzia beim Ibiza-Detektiv und seinem “Tontechniker”

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Razzia beim Ibiza-Detektiv
Oleksiy Shuman - Ibiza Sujetbild - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash).

Nun veröffentlicht Fass ohne Boden gemeinsam mit oe24.at neue Dokumente und neue Erkenntnisse der Soko-Tape. Die Sonderkommission hat Ermittlungen in der Causa “Ibiza-Video” im vergangenen Jahr aufgenommen. Gleich vorweg: Bei den Unterlagen handelt es sich um Auszüge aus dem Verschlussakt. Für die Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt: neben dem Ibiza-Detektiv hat die Soko-Tape auch die Wohnung des vermeintlichen Tontechnikers durchsucht, der nach eigenen Angaben “bei der Nachvertonung eines Tonmitschnitts helfen sollte.”

Im Detail: Am 19. November um 06.00 Uhr wurde “aufgrund richterlicher Bewilligung und staatsanwaltlicher Anordnung” eine Hausdurchsuchung und Sicherstellungsanordnung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs im 22. Bezirk durchgeführt.

Unter anderem fand die Soko-Tape diese Utensilien in der Wohnung des Ibiza-Detektivs:

"Ilove-Ibiza" als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektiv - Fass ohne Boden
“I love Ibiza” als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs – Fass ohne Boden

Die Razzia beim Ibiza-Detektiv

Und ja, die Dokumente zeugen von höchster Brisanz.

  • Einen Beleg konnten die Ermittler der Soko-Tape sicherstellen, die belegen, dass der Ibiza-Drahtzieher einen Alias mit dem Namen Alexander Surkov” verwendet hat. Dies wurde aber noch im Sommer des vergangenen Jahres vom Anwalt des Sicherheitsberaters negiert.
  • Darüber hinaus wurde ein formelles Schreiben des Zolls in der Wohnung gefunden. Der ermittelnde Zollbeamte aus Graz wollte tatsächlich in der Causa “Mezzo” den als verdeckt eingesetzten Ermittler mit dem Alias “Thaler” zu einer Zeugenvernehmung laden.
  • Eine weitere Visitenkarte vom Sicherheitschef des Tabakkonzerns in der Causa “Mezzo“. Dies belegt zumindest ein Treffen vom leitenden Sicherheitsverantwortlichen des Tabakkonzerns mit dem Ibiza-Detektiv.
  • Besonders skurriler Fund: Ein Utensil mit der Aufschrift “I love Ibiza”. Nostalgie oder gar Schadenfreude?

Doch was wollten die Ermittler eigentlich in der Wohnung des Ibiza-Detektivs auffinden? Laut einer Sachverhaltsdarstellung, die eingebracht wurde, ging es laut dem Tippgeber um einen PC und um das eigentliche Ibiza-Video als Back-Up.

In Sachen Laptop oder PC gingen die Ermittler leer aus. Genau das beschreiben Ermittler im Amtsvermerk zu der Hausdurchsuchung: “Angemerkt wird, dass auf dem Schreibtisch offensichtlich ein PC stand und dieser abgebaut wurde.”

Aber auch das Kellerabteil des Ibiza-Detektivs wurde von den Ermittlern durchsucht. Dem Amtsvermerk vom 19. November 2019 ist diesbezüglich zu vernehmen: “Auffällig in diesem Zusammenhang war, dass insgesamt 10 Kellerabteile vorhanden sind und in allen, bis auf jenes Angeführte, mit eher wertvollen Gegenständen, angeräumt waren.” Auf Deutsch: Das Kellerabteil war leer. Nur wie konnte das sein? Daher stellt sich eine berechtigte Frage: Hat der Ibiza-Detektiv rechtzeitig einen Tipp bekommen? Warum wurde erst nach einem halben Jahr die Wohnung durchsucht?

Wenige Tage später sollten die Ermittler aber einen Durchbruch erzielen…

Die Razzia beim “Tontechniker”

Wenige Tage später, am 25. November 2019, folgte der nächste Schlag der “Soko-Tape”. Eine Wohnung im 7. Bezirk wurde von den Ermittlern durchsucht. Dort fand man jene Dokumente, hinter denen die Kriminalbeamten schon vermutlich länger her sind.

Mehrere Ordner des Sicherheitsunternehmens vom Ibiza-Detektiv konnten die Ermittler sicherstellen. Im Detail fanden sie einen Ordner mit Verträgen für Leihautos, den Ordner für das Finanzamt, die Arbeitsverträge mit der Abkürzung “KV” und den Ordner “3”, vermutlich Dritte, sprich Verträge mit externen Partner. In Summe konnten die Ermittler 25 Gegenstände sicherstellen. Besondere Sprengkraft dürfte der Stand-PC haben, den man ebenfalls sicherstellen konnte. Aber auch mehrere Festplatten, USB-Sticks, Mobiltelefone, CD’s, einen slowenischen Personalausweis sowie einen Führerschein einer unbekannten weiblichen Person konnten die Ermittler sicherstellen.

IT-Techniker als “Tontechniker” bei der Einvernahme

Im Zuge der Einvernahme des Tontechnikers wollten die Beamten wissen, warum dieser überhaupt diverse Dokumente und technische Utensilien des Ibiza-Detektivs in seinem Besitz hatte.

Dieser sagte gegenüber der Kripo wie folgt aus: “Gegen Anfang 2019 hat mir [Ibiza-Detektiv] einen silbernen Koffer, sowie drei Aktenordner, mit der Bitte übergeben, sie für ihn ca. 2-3 Wochen aufzubewahren. […] Er hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass es sich beim Inhalt des Koffers um elektronische Geräte handeln würde und ich diesen Koffer nicht im Keller aufbewahren möge, um etwaigem Schaden vorzubeugen.” Ob es sich um eine Schutzbehauptung oder um die Wahrheit handelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht verifiziert werden.

Auf die Frage, ob “der Tontechniker” die Ausweise der Polizei nicht hätte übergeben müssen, gab der Tontechniker an: “Auch möchte ich anführen, dass ich diese Frau, welche auf den beiden Dokumenten abgebildet ist, noch nie in meinem Leben gesehen habe, ich kenne sie nicht.”

Daher stellt sich die Frage zu dem mutmaßlich slowenischen Personalausweis einer unbekannten Frau: Warum ist dieser Ausweis bei den Unterlagen des Ibiza-Detektivs bzw. warum hat er die Ausweise an den Tontechniker weitergegeben?

Slowenischer Personalausweis einer unbekannten Frau – Fass aus Boden

Mittlerweile hat der “Tontechniker” die “Freundschaft” zum Ibiza-Detektiv “gekündigt”.

Die Umstände werfen einige Fragen auf: Warum sind zwei Ausweise beim Tontechniker über mindestens neun Monate aufgelegen? Warum wurden die Gegenstände nicht nach drei Wochen zurückgegeben? Hat die Frau ihre Dokumente nicht vermisst? Oder gibt es gar andere Gründe?

In Summe erscheint dies alles äußerst suspekt. Auf jeden Fall war die zweite Hausdurchsuchung, sprich beim Tontechniker, ein voller Erfolg für die Soko-Tape. Nun heißt es sich zu gedulden. Man darf auf die Auswertung der Forensik gespannt sein.

Fass ohne Boden bleibt selbstverständlich an der Ibiza-Causa dran.

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Aviso: Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

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Razzia beim Ibiza-Detektiv
Sujetbild Ibiza - Oleksiy Shuman - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash). Nun sind weitere Dokumente zum Erkenntnisstand rund um die Ermittlungen in der Causa Ibiza-Video der Redaktion zugespielt worden.

Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt.

Und ja, das Material ist heiß:

Unter anderem fand die Soko-Tape dieses Utensil

Gemeinsam mit oe24.at veröffentlichen wir am Dienstag, 14.01.2020 das exklusive Material der zwei Hausdurchsuchungen und die neuen Erkenntnisse der Soko-Tape (= Soko-Ibiza).

Foto: Sujetbild Ibiza – Oleksiy Shuman – pixabay

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Causa Kappel: Hintergründe zum 150 Millionen Deal

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Causa Kappel - Neue Hintergründe zum acht Millionen Deal - polack - Adobe Stock Foto

Erst gestern publizierte derstandard.at (Andreas Schnauder) weitere Details in der Causa Barbara Kappel, der ehemaligen EU-Abgeordneten (FPÖ). Die blaue “Wirtschaftswunderwaffe” outete sich selbst als Geldbotin. Dabei soll sie von einem bulgarischen Geschäftsmann 75.000 Euro erhalten haben und das Geld angeblich einem mittlerweile verstorbenen blauen Nationalrat übergeben haben. Dieser war aber aus gesundheitlichen Gründen seit 2017 politisch nicht mehr aktiv. Die FPÖ, aber auch Heinz-Christian Strache, bestreiten vehement eine Involvierung und den Erhalt einer Spende.

150 Millionen Deal für bulgarischen Pensionsfonds

Aus einem Chat geht hervor, dass die FPÖ-Frau den bulgarischen Geschäftsmann unterstützt haben soll: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” Die wesentliche Passage aus dem Schnauder-Artikel möchten wir an dieser Stelle zitieren und um weitere Details aus einer “Fass ohne Boden”-Enthüllung ergänzen:

“S. war für eine Investorengruppe aktiv, die 2013 einen bulgarischen Pensionsfonds der Vienna Insurance Group (VIG) kaufen wollte. Geldgeber im Hintergrund war der russische Banker S. M. , der gut 150 Millionen für die größte private Pensionskasse namens Doverie hinblättern wollte. Mit der VIG war er schon handelseins, doch die Finanzaufsichtsbehörde in Sofia hatte Zweifel an der Seriosität des Investors.”

Andreas Schnauder, derstandard.at

Die Zweifel der bulgarischen Finanzaufsichtsbehörde „Financial Supervision Commission“ (= FSC) können wie folgt belegen werden:

Bereits im Jahr der versuchten Übernahme, sprich 2013, äußerte sich der damalige Chef der bulgarischen Finanzaufsicht Stoyan Mavrodiev in einem Interview zum Kauf sehr kritisch: „Wir werden keine Kompromisse bei der Qualität des Investors machen, wir werden uns ganz genau die Einkommensquellen von United Capital anschauen, die Legitimität ihrer Fonds, ihre Erfahrung und die tatsächliche Eigentümerstruktur. Es könnte für das gesamte Finanzsystem hier gefährlich sein, wenn wir ein Verkaufsgeschäft genehmigen, ohne zu wissen, wer wirklich der Eigentümer dieses Unternehmens ist.“

Damit eine Übernahme des bulgarischen Pensionsfonds überhaupt möglich gewesen wäre, wurde vertraglich festgelegt, dass acht Millionen Euro als “Deposit” bei der VIG hinterlegt werden. Das Geld stammte vermutlich vom russischen Investor. Der hohe Geldbetrag sollte als Garantie für eine Kaufabsicht der britischen Briefkastenfirma stehen. Und genau um diese Überweisung begann einige Jahre später ein Streit, der 2016 seinen Höhepunkt erlangen sollte. Scheinbar soll Barbara Kappel versucht haben, dem bulgarischen Geschäftsmann im Hintergrund zu helfen.

Dokumente aus dem Nachlass von Philipp Buchner

Genaue Hintergründe um die acht Millionen Euro sowie weitere brisante Details hat “Fass ohne Boden” bereits am 10. November in der Enthüllung “Russische Investoren, bulgarische Geschäftsmänner und Phillipp Buchner” veröffentlicht. Die Dokumente, die Fass ohne Boden zugespielt wurden, haben aber einen sehr traurigen Hintergrund. Ermöglich wurde die Einsicht erst durch den “dubiosen Tod” von Philipp Buchner. Buchner fungierte als Berater und persönlicher Assistent des „bulgarischen Geschäftsmanns“. Ein Informant wandte sich wenige Tage nach seinem Tod an die “Fass ohne Boden Redaktion”. Die Botschaft des Informanten ist eindeutig:

Philipp sagte mir, falls ihm was passieren sollte, sollen die Dokumente zur politischen Verwertung übergeben und an die Medien gespielt werden.

EIN INFORMANT ÜBER DIE DOKUMENTE VON PHILIPP BUCHNER

Warum es zu keinem Deal kam, erörterte 2016 die bulgarische Finanzaufsichtsbehörde gegenüber dem Anwalt des bulgarischen Geschäftsmanns. Das Unternehmen, welches den bulgarischen Pensionsfonds kaufen wollte, hieß „United Capital PLC“. Bei „United Capital PLC“ handelt es sich um eine mittlerweile aufgelöste Briefkastenfirma mit Sitz in London (Company No. 06254627). 2013 wollte das Unternehmen die Mehrheitsanteile (92.58%) am bulgarischen Pensionsfonds „Doverie“ erwerben.

Offene Fragen

Seltsam erscheint der Zeitpunkt, der Bezug in dem Chatprotokoll und die Rolle von Barbara Kappel: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” In welchem Jahr die ehemalige EU-Abgeordnete versucht hat, ein gutes Wort einzulegen, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht belegt werden.

Darüber hinaus erscheint es nach wie vor seltsam, warum die Briefkastenfirma überhaupt Ambitionen hatte, den Pensionsfonds zu kaufen. Die getätigte Anzahlung von acht Millionen Euro ist per se nicht ungewöhnlich, jedoch dürfte man mit einem Veto der bulgarischen Behörde nicht gerechnet haben. Selbst aus dem Umfeld des bulgarischen Geschäftsmanns wurde gegenüber der “Fass ohne Boden”-Redaktion bestätigt, dass das “Deposit”, sprich das hinterlegte Geld von acht Millionen Euro, wieder zu bekommen sehr schwierig gewesen wäre. Schließlich wurde ein Vertrag unterschrieben.

Eine andere Auffassung vertrat aber der damalige beauftragte Anwalt vom bulgarischen Geschäftsmann. Wie aus den geleakten Unterlagen hervor geht, wollte der prominente Staranwalt einen Rechtsstreit beginnen. Zu einer Klage ist es aber laut Unterlagen nicht gekommen. Dies bestätigte auch der Pressesprecher der VIG gegenüber Fass ohne Boden.

Die Causa dürfte mittlerweile verstärkt in Bulgarien und vor allem in Russland für Aufsehen sorgen. In den letzten 48 Stunden ist die Zahl von Aufrufen mit russischen und bulgarischen IP-Adressen auf diverse “Fass ohne Boden”-Enthüllungen überproportional gestiegen. Besonders im Umfeld des russischen Bankers gibt es anscheinend großes Interesse, nähere Informationen zu erhalten.

Weitere Dokumente in dieser Causa können hier eingesehen werden.

Foto: polack – Adobe Stock Foto

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Fass ohne Boden auf Telegram - Thomas Ulrich - pixabay

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