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Ibiza-Netzwerk: Peilsender, Kripo, Mezzo

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Ibiza-Netzwerk: Peilsender, Bundeskriminalamt, Mezzo

Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!

Max Frisch, “Biedermann und der Brandstifter”

„Grundsatz der Verzögerung“

Der Erkenntnisgewinn war die ersten Wochen nach dem Ibiza-Video schleppend. Aufgrund der „Mezzo“-Unterlagen, sowie einer Vielzahl an Gesprächen mit Informanten und Beschuldigten, konnte die Redaktion eine Liste erstellen, die mehrere Landeskriminalbeamte und Bundeskriminalbeamte für einen „Informationsaustausch“ mit Ibiza-Hintermännern eindeutig identifiziert.

“Methoden a la Blackwater”: Die Kriminalbeamten standen über Jahre hinweg im Austausch mit Sicherheitskräften, die im Firmenorganigramm der „Konsic GmbH“ (= Konzernsicherheit GmbH) enthalten sind. Nun ist es der Fass ohne Boden Redaktion gelungen, das Mosaik in der Causa „Mezzo“ zusammenzusetzen. Doch wie konnte überhaupt es zu so einem „Austausch“ kommen?

Auftrag: Peilsender am Fahrzeug des Kripobeamten

Der Kripobeamte lernte S. W., nach eigenen Angaben, während seiner Suspendierung vom Bundeskriminalamt kennen: „Dies war so 2006 oder 2007. Es war definitiv in Oberwaltersdorf.“ In Oberwaltersdorf befand sich für das Intermezzo in der Privatwirtschaft der damalige Arbeitgeber. S.W. ist wiederum jene Person, die den männlichen Lockvogel aus dem Ibiza-Video identifiziert hat.

Ein wesentliches Schlüsselerlebnis der gemeinsamen Bekanntschaft nennt S. W. bei der Telefonkonfrontation mit Fass ohne Boden. Dieser gibt an, dass er sich mit dem Kriminalbeamten E. G. nach der Amtsmissbrauchsaffäre im Jahr 2006 auseinandersetzen musste. Der Anlass war ein Auftrag. Dieser wurde „als privater Gefallen“ gegenüber der Redaktion deklariert. Der Auftrag hört sich mehr als nur abenteuerlich und ungeheuerlich zugleich an: „Ich musste damals privat einen Peilsender am Dienstwagen in der Polizeikaserne Berggasse anbringen.“

„Der Feind meines Feindes ist mein Freund“

S.W. hat wiederum, aufgrund eines Streits mit seinem Auftraggeber, der ebenfalls suspendiert war, die Seite gewechselt und E. G. informiert. So kam es zu jener vertrauensschaffenden Maßnahme, die S.W. wiederum einen Vorteil verschafft hat. Er hatte damals den Auftrag und sein Ziel der Kripo-Legende gestanden.
E.G. bestätigt die Peilsender-Causa in einem Telefoninterview gegenüber Fass ohne Boden [sic!]. Darüber hinaus beschreibt der Kripobeamte S.W. als jemanden, „der immer wieder Informationen angeboten hat. Und an XY [Anm.: Name der Redaktion bekannt] war ich sehr interessiert.“

Die Causa „Peilsender“ hatte im Nachhinein betrachtet keine Konsequenzen für den Auftraggeber. Die Causa wurde zwar von E. G. gemeldet, verlief sich aber im Sand. Dieses Geständnis sollte aber ein Investment für die Zukunft sein. Die Wege der einstigen Koryphäe der Kriminalpolizei sollten sich noch mehrmals mit S.W. kreuzen.

“Informeller Austausch”

Nach der Rehabilitierung von E. G. hatte dieser immer wieder persönliche Treffen mit S. W.: „Der W. hat immer wieder irgendwelche Informationen angeboten. Ich kann mich nicht mehr so erinnern, aber es war sicher keine großartige Geschichte“, hält der Beamte anfangs des Telefongesprächs mit der Redaktion fest. Aber es war mehr dran, als zu Beginn eingestanden.

Mehrfache Treffen

Auf die Frage, ob es mehrere Treffen gab, vor allem nach der „Peilsender“-Story, antwortete der Pensionist: „Getroffen habe ich ihn nur im BK.“
Dieser Darstellung entgegnet S.W. wiederum: „Es hat definitiv mehrere Treffen gegeben, auch außerhalb vom Bundeskriminalamt (= BK). […] Einer der ersten Treffen, ich glaube sieben Treffen insgesamt, fanden im Jahr 2012/13 bis 2015, definitiv in der Bar des Hilton Hotel Wien statt. Weitere Treffen: einmal im „Café Diglas im Schottenstift“ im 1.Bezirk, in unmittelbarer Nähe des Bundesministeriums für Inneres. Einmal im Gasthaus Althan Stube, in unmittelbarer Nähe des BK im 9. Bezirk, und alle anderen Treffen direkt im BK.“

Dass beide einander mehrmals getroffen haben, kann mit Gewissheit mittlerweile durch Fass ohne Boden verifiziert werden. Doch über die Inhalte per se gibt es unterschiedliche Erinnerungen und Wahrnehmungen. Vermutlich liegt die Wahrheit wohl in der Mitte beider Darstellungen.

Kripobeamter über “Mezzo”: „Wir hatten aber weder die Ressourcen…“

Zwischen 2011 und 2014 hat die „Gruppe Sicherheit“ von S. W. einen Tabakkonzern als Kunden betreut. Jeder einzelne Auftrag erhielt einen Projektnamen, beispielsweise „Lindwurm“ oder „Violin“. Diese Decknamen wurden innerhalb des Konzerns verwendet. Einer der wichtigsten Projekte der damaligen Kooperationen trug den Namen „Mezzo“.

Die Kripo-Legende repliziert im Zuge des Gesprächs mit der Redaktion die Hintergründe aus dem Zeitraum 2012 und 2013 zur Bekämpfung von Zigarettenschmuggel: „Wir haben uns nie mit Zigarettenschmuggel im BK beschäftigt. Das haben wir abgegeben, an die LK [Anm.: Landeskriminalamt] und Finanz.“

Aber genau diese Aussage war das fehlende Mosaikstück in der Causa Mezzo. Der Kriminalbeamte erörterte im Gespräch ziemlich simpel und linear, warum es überhaupt zu solchen Behördenkooperationen kommen konnte.

Die Redaktion fasste daher nach: „Der Lead der Ermittlungen war ja bei der Finanz. […] 2013 gab es auch eine dreimonatige Observation, die zu einem Erfolg geführt hat. Unter anderem wurde der Beschuldigte erfolgreich verurteilt. Aber de facto sind dies ausgegliederte Ermittlungen.“ Der Kripobeamte antwortet der Redaktion trocken: „Ja, es gab immer wieder Überschneidungen mit Suchtgift. Und irgendwo gehört ja auch Zigarettenschmuggel zur Organisierten Kriminalität. Wir hatten aber weder die Ressourcen gehabt, um uns damit zu beschäftigen, und manchmal gab es halt so ein Randprodukt dabei.“

Mit anderen Worten: „Mezzo“ war ein Randprodukt, zu unbedeutend für das Bundeskriminalamt, aber dennoch ausreichend, um eine externe Sicherheitsagentur über Drittmittel, sprich einem Tabakkonzern, zu beauftragen und Behörden mit Informationen zu versorgen.

Dementi: Firmenorganigramm nicht bekannt

Warum der Kriminalbeamte im Organigramm enthalten war, ist dem Ermittler selbst nicht verständlich. Möglicherweise wollten die Gesellschafter bei Firmenpräsentationen „Name-Dropping“ betreiben. Schließlich macht sich eine Legende der Kriminalpolizei im Jahr 2015 bei potentiellen Kunden in einer Firmenpräsentation sehr gut. Und da ein alter Freund des Beamten ebenfalls Gesellschafter war, dürfte man nicht viel zu befürchten haben. Dies sollte nicht zum Nachteil geschehen, schließlich war ja die Präsentation geheim.

Der Kriminalbeamte bestreitet seine Rolle im Unternehmen und der Darstellung im Firmenorganigramm, gibt aber offen zu, sich mehrfach mit S.W. über die Jahre getroffen zu haben. Zu einem verständlich, da der Beamte damals noch „on Duty“ war, sprich aktiver Kriminalbeamter. Auf jeden Fall kann sich E. G. an zwei der vier Gesellschafter bis heute erinnern. Jener, der die Schnittstelle nach Salzburg war, entzieht sich seiner Kenntnis. Dieser wiederum war sehr relevant in den vergangenen Wochen, insbesondere handelt es sich um jene Person, die regen Austausch mit EU-Infothek hatte, die wiederum erste Erkenntnisse in der Causa Ibiza publiziert hat. Die Legende der Kripo bestreitet ebenfalls J.H. persönlich zu kennen.

Nachtrag

Im Jahr 2013 wurden zwei Kooperationen vom Tabakkonzern mit dem Bundeskriminalamt / BMI abgeschlossen. Eine im Mai, eine weitere im September 2013. Die Kooperation basiert und beruft sich auf dem Grundsatzerlass „Verdeckte Ermittlung”: GZ: BMI-KP1000/0008/BK/5.3/2011

Tabakkonzern: Projekt Mezzo und Operation Daviscup

Bisherige Publikationen über den Tabakkonzern auf einen Blick:

Das Ibiza-Netzwerk

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Digitaler Blattmacher und Chefredakteur.

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Razzia beim Ibiza-Detektiv und seinem “Tontechniker”

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Razzia beim Ibiza-Detektiv
Oleksiy Shuman - Ibiza Sujetbild - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash).

Nun veröffentlicht Fass ohne Boden gemeinsam mit oe24.at neue Dokumente und neue Erkenntnisse der Soko-Tape. Die Sonderkommission hat Ermittlungen in der Causa “Ibiza-Video” im vergangenen Jahr aufgenommen. Gleich vorweg: Bei den Unterlagen handelt es sich um Auszüge aus dem Verschlussakt. Für die Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt: neben dem Ibiza-Detektiv hat die Soko-Tape auch die Wohnung des vermeintlichen Tontechnikers durchsucht, der nach eigenen Angaben “bei der Nachvertonung eines Tonmitschnitts helfen sollte.”

Im Detail: Am 19. November um 06.00 Uhr wurde “aufgrund richterlicher Bewilligung und staatsanwaltlicher Anordnung” eine Hausdurchsuchung und Sicherstellungsanordnung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs im 22. Bezirk durchgeführt.

Unter anderem fand die Soko-Tape diese Utensilien in der Wohnung des Ibiza-Detektivs:

"Ilove-Ibiza" als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektiv - Fass ohne Boden
“I love Ibiza” als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs – Fass ohne Boden

Die Razzia beim Ibiza-Detektiv

Und ja, die Dokumente zeugen von höchster Brisanz.

  • Einen Beleg konnten die Ermittler der Soko-Tape sicherstellen, die belegen, dass der Ibiza-Drahtzieher einen Alias mit dem Namen Alexander Surkov” verwendet hat. Dies wurde aber noch im Sommer des vergangenen Jahres vom Anwalt des Sicherheitsberaters negiert.
  • Darüber hinaus wurde ein formelles Schreiben des Zolls in der Wohnung gefunden. Der ermittelnde Zollbeamte aus Graz wollte tatsächlich in der Causa “Mezzo” den als verdeckt eingesetzten Ermittler mit dem Alias “Thaler” zu einer Zeugenvernehmung laden.
  • Eine weitere Visitenkarte vom Sicherheitschef des Tabakkonzerns in der Causa “Mezzo“. Dies belegt zumindest ein Treffen vom leitenden Sicherheitsverantwortlichen des Tabakkonzerns mit dem Ibiza-Detektiv.
  • Besonders skurriler Fund: Ein Utensil mit der Aufschrift “I love Ibiza”. Nostalgie oder gar Schadenfreude?

Doch was wollten die Ermittler eigentlich in der Wohnung des Ibiza-Detektivs auffinden? Laut einer Sachverhaltsdarstellung, die eingebracht wurde, ging es laut dem Tippgeber um einen PC und um das eigentliche Ibiza-Video als Back-Up.

In Sachen Laptop oder PC gingen die Ermittler leer aus. Genau das beschreiben Ermittler im Amtsvermerk zu der Hausdurchsuchung: “Angemerkt wird, dass auf dem Schreibtisch offensichtlich ein PC stand und dieser abgebaut wurde.”

Aber auch das Kellerabteil des Ibiza-Detektivs wurde von den Ermittlern durchsucht. Dem Amtsvermerk vom 19. November 2019 ist diesbezüglich zu vernehmen: “Auffällig in diesem Zusammenhang war, dass insgesamt 10 Kellerabteile vorhanden sind und in allen, bis auf jenes Angeführte, mit eher wertvollen Gegenständen, angeräumt waren.” Auf Deutsch: Das Kellerabteil war leer. Nur wie konnte das sein? Daher stellt sich eine berechtigte Frage: Hat der Ibiza-Detektiv rechtzeitig einen Tipp bekommen? Warum wurde erst nach einem halben Jahr die Wohnung durchsucht?

Wenige Tage später sollten die Ermittler aber einen Durchbruch erzielen…

Die Razzia beim “Tontechniker”

Wenige Tage später, am 25. November 2019, folgte der nächste Schlag der “Soko-Tape”. Eine Wohnung im 7. Bezirk wurde von den Ermittlern durchsucht. Dort fand man jene Dokumente, hinter denen die Kriminalbeamten schon vermutlich länger her sind.

Mehrere Ordner des Sicherheitsunternehmens vom Ibiza-Detektiv konnten die Ermittler sicherstellen. Im Detail fanden sie einen Ordner mit Verträgen für Leihautos, den Ordner für das Finanzamt, die Arbeitsverträge mit der Abkürzung “KV” und den Ordner “3”, vermutlich Dritte, sprich Verträge mit externen Partner. In Summe konnten die Ermittler 25 Gegenstände sicherstellen. Besondere Sprengkraft dürfte der Stand-PC haben, den man ebenfalls sicherstellen konnte. Aber auch mehrere Festplatten, USB-Sticks, Mobiltelefone, CD’s, einen slowenischen Personalausweis sowie einen Führerschein einer unbekannten weiblichen Person konnten die Ermittler sicherstellen.

IT-Techniker als “Tontechniker” bei der Einvernahme

Im Zuge der Einvernahme des Tontechnikers wollten die Beamten wissen, warum dieser überhaupt diverse Dokumente und technische Utensilien des Ibiza-Detektivs in seinem Besitz hatte.

Dieser sagte gegenüber der Kripo wie folgt aus: “Gegen Anfang 2019 hat mir [Ibiza-Detektiv] einen silbernen Koffer, sowie drei Aktenordner, mit der Bitte übergeben, sie für ihn ca. 2-3 Wochen aufzubewahren. […] Er hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass es sich beim Inhalt des Koffers um elektronische Geräte handeln würde und ich diesen Koffer nicht im Keller aufbewahren möge, um etwaigem Schaden vorzubeugen.” Ob es sich um eine Schutzbehauptung oder um die Wahrheit handelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht verifiziert werden.

Auf die Frage, ob “der Tontechniker” die Ausweise der Polizei nicht hätte übergeben müssen, gab der Tontechniker an: “Auch möchte ich anführen, dass ich diese Frau, welche auf den beiden Dokumenten abgebildet ist, noch nie in meinem Leben gesehen habe, ich kenne sie nicht.”

Daher stellt sich die Frage zu dem mutmaßlich slowenischen Personalausweis einer unbekannten Frau: Warum ist dieser Ausweis bei den Unterlagen des Ibiza-Detektivs bzw. warum hat er die Ausweise an den Tontechniker weitergegeben?

Slowenischer Personalausweis einer unbekannten Frau – Fass aus Boden

Mittlerweile hat der “Tontechniker” die “Freundschaft” zum Ibiza-Detektiv “gekündigt”.

Die Umstände werfen einige Fragen auf: Warum sind zwei Ausweise beim Tontechniker über mindestens neun Monate aufgelegen? Warum wurden die Gegenstände nicht nach drei Wochen zurückgegeben? Hat die Frau ihre Dokumente nicht vermisst? Oder gibt es gar andere Gründe?

In Summe erscheint dies alles äußerst suspekt. Auf jeden Fall war die zweite Hausdurchsuchung, sprich beim Tontechniker, ein voller Erfolg für die Soko-Tape. Nun heißt es sich zu gedulden. Man darf auf die Auswertung der Forensik gespannt sein.

Fass ohne Boden bleibt selbstverständlich an der Ibiza-Causa dran.

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Aviso: Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

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Razzia beim Ibiza-Detektiv
Sujetbild Ibiza - Oleksiy Shuman - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash). Nun sind weitere Dokumente zum Erkenntnisstand rund um die Ermittlungen in der Causa Ibiza-Video der Redaktion zugespielt worden.

Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt.

Und ja, das Material ist heiß:

Unter anderem fand die Soko-Tape dieses Utensil

Gemeinsam mit oe24.at veröffentlichen wir am Dienstag, 14.01.2020 das exklusive Material der zwei Hausdurchsuchungen und die neuen Erkenntnisse der Soko-Tape (= Soko-Ibiza).

Foto: Sujetbild Ibiza – Oleksiy Shuman – pixabay

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Causa Kappel: Hintergründe zum 150 Millionen Deal

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Causa Kappel - Neue Hintergründe zum acht Millionen Deal - polack - Adobe Stock Foto

Erst gestern publizierte derstandard.at (Andreas Schnauder) weitere Details in der Causa Barbara Kappel, der ehemaligen EU-Abgeordneten (FPÖ). Die blaue “Wirtschaftswunderwaffe” outete sich selbst als Geldbotin. Dabei soll sie von einem bulgarischen Geschäftsmann 75.000 Euro erhalten haben und das Geld angeblich einem mittlerweile verstorbenen blauen Nationalrat übergeben haben. Dieser war aber aus gesundheitlichen Gründen seit 2017 politisch nicht mehr aktiv. Die FPÖ, aber auch Heinz-Christian Strache, bestreiten vehement eine Involvierung und den Erhalt einer Spende.

150 Millionen Deal für bulgarischen Pensionsfonds

Aus einem Chat geht hervor, dass die FPÖ-Frau den bulgarischen Geschäftsmann unterstützt haben soll: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” Die wesentliche Passage aus dem Schnauder-Artikel möchten wir an dieser Stelle zitieren und um weitere Details aus einer “Fass ohne Boden”-Enthüllung ergänzen:

“S. war für eine Investorengruppe aktiv, die 2013 einen bulgarischen Pensionsfonds der Vienna Insurance Group (VIG) kaufen wollte. Geldgeber im Hintergrund war der russische Banker S. M. , der gut 150 Millionen für die größte private Pensionskasse namens Doverie hinblättern wollte. Mit der VIG war er schon handelseins, doch die Finanzaufsichtsbehörde in Sofia hatte Zweifel an der Seriosität des Investors.”

Andreas Schnauder, derstandard.at

Die Zweifel der bulgarischen Finanzaufsichtsbehörde „Financial Supervision Commission“ (= FSC) können wie folgt belegen werden:

Bereits im Jahr der versuchten Übernahme, sprich 2013, äußerte sich der damalige Chef der bulgarischen Finanzaufsicht Stoyan Mavrodiev in einem Interview zum Kauf sehr kritisch: „Wir werden keine Kompromisse bei der Qualität des Investors machen, wir werden uns ganz genau die Einkommensquellen von United Capital anschauen, die Legitimität ihrer Fonds, ihre Erfahrung und die tatsächliche Eigentümerstruktur. Es könnte für das gesamte Finanzsystem hier gefährlich sein, wenn wir ein Verkaufsgeschäft genehmigen, ohne zu wissen, wer wirklich der Eigentümer dieses Unternehmens ist.“

Damit eine Übernahme des bulgarischen Pensionsfonds überhaupt möglich gewesen wäre, wurde vertraglich festgelegt, dass acht Millionen Euro als “Deposit” bei der VIG hinterlegt werden. Das Geld stammte vermutlich vom russischen Investor. Der hohe Geldbetrag sollte als Garantie für eine Kaufabsicht der britischen Briefkastenfirma stehen. Und genau um diese Überweisung begann einige Jahre später ein Streit, der 2016 seinen Höhepunkt erlangen sollte. Scheinbar soll Barbara Kappel versucht haben, dem bulgarischen Geschäftsmann im Hintergrund zu helfen.

Dokumente aus dem Nachlass von Philipp Buchner

Genaue Hintergründe um die acht Millionen Euro sowie weitere brisante Details hat “Fass ohne Boden” bereits am 10. November in der Enthüllung “Russische Investoren, bulgarische Geschäftsmänner und Phillipp Buchner” veröffentlicht. Die Dokumente, die Fass ohne Boden zugespielt wurden, haben aber einen sehr traurigen Hintergrund. Ermöglich wurde die Einsicht erst durch den “dubiosen Tod” von Philipp Buchner. Buchner fungierte als Berater und persönlicher Assistent des „bulgarischen Geschäftsmanns“. Ein Informant wandte sich wenige Tage nach seinem Tod an die “Fass ohne Boden Redaktion”. Die Botschaft des Informanten ist eindeutig:

Philipp sagte mir, falls ihm was passieren sollte, sollen die Dokumente zur politischen Verwertung übergeben und an die Medien gespielt werden.

EIN INFORMANT ÜBER DIE DOKUMENTE VON PHILIPP BUCHNER

Warum es zu keinem Deal kam, erörterte 2016 die bulgarische Finanzaufsichtsbehörde gegenüber dem Anwalt des bulgarischen Geschäftsmanns. Das Unternehmen, welches den bulgarischen Pensionsfonds kaufen wollte, hieß „United Capital PLC“. Bei „United Capital PLC“ handelt es sich um eine mittlerweile aufgelöste Briefkastenfirma mit Sitz in London (Company No. 06254627). 2013 wollte das Unternehmen die Mehrheitsanteile (92.58%) am bulgarischen Pensionsfonds „Doverie“ erwerben.

Offene Fragen

Seltsam erscheint der Zeitpunkt, der Bezug in dem Chatprotokoll und die Rolle von Barbara Kappel: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” In welchem Jahr die ehemalige EU-Abgeordnete versucht hat, ein gutes Wort einzulegen, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht belegt werden.

Darüber hinaus erscheint es nach wie vor seltsam, warum die Briefkastenfirma überhaupt Ambitionen hatte, den Pensionsfonds zu kaufen. Die getätigte Anzahlung von acht Millionen Euro ist per se nicht ungewöhnlich, jedoch dürfte man mit einem Veto der bulgarischen Behörde nicht gerechnet haben. Selbst aus dem Umfeld des bulgarischen Geschäftsmanns wurde gegenüber der “Fass ohne Boden”-Redaktion bestätigt, dass das “Deposit”, sprich das hinterlegte Geld von acht Millionen Euro, wieder zu bekommen sehr schwierig gewesen wäre. Schließlich wurde ein Vertrag unterschrieben.

Eine andere Auffassung vertrat aber der damalige beauftragte Anwalt vom bulgarischen Geschäftsmann. Wie aus den geleakten Unterlagen hervor geht, wollte der prominente Staranwalt einen Rechtsstreit beginnen. Zu einer Klage ist es aber laut Unterlagen nicht gekommen. Dies bestätigte auch der Pressesprecher der VIG gegenüber Fass ohne Boden.

Die Causa dürfte mittlerweile verstärkt in Bulgarien und vor allem in Russland für Aufsehen sorgen. In den letzten 48 Stunden ist die Zahl von Aufrufen mit russischen und bulgarischen IP-Adressen auf diverse “Fass ohne Boden”-Enthüllungen überproportional gestiegen. Besonders im Umfeld des russischen Bankers gibt es anscheinend großes Interesse, nähere Informationen zu erhalten.

Weitere Dokumente in dieser Causa können hier eingesehen werden.

Foto: polack – Adobe Stock Foto

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Fass ohne Boden auf Telegram - Thomas Ulrich - pixabay

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