Connect with us

Investigativ

Ibiza-Netzwerk: Undercover für Bundeskriminalamt und Finanzpolizei

Published

on

Undercover für Bundeskriminalamt und Finanzpolizei - Ryan McGuire - Pixabay

Wirtschaftsspionage ist ein lukratives Geschäft für ehemalige Polizisten, Soldaten, aber auch für moralisch flexible Rechtsanwälte und Beamte. 2013 hat ein internationaler Tabakkonzern das Projekt „Mezzo“ finanziert. Involviert: Bundeskriminalbeamte, Finanzpolizisten, ein Protagonist aus dem Ibiza-Video im „Undercover-Einsatz“ und ein krimineller Ring, der gesprengt wurde. Eine Vergangenheitsreise in das methodische Handwerk der Lockvögel von Ibiza.

Ibiza-Affäre: Geschichte der Hintermänner

“Gehen Sie zurück zum Ursprung”, lautet ein Tipp, den einem die Detektive auf den Weg geben“ so Fabian Schmid und Laurin Lorenz vom Standard.at. Und ja, das haben wir gemacht.

Fass ohne Boden hat 12.000 Dateien aus dem direkten Umfeld der Drahtzieher der Ibiza-Affäre erhalten. Die Vergangenheit, sprich das Datenmaterial, ermöglicht einen Einblick in die Welt des Mentors Sascha W., insbesondere von J. H. und Ramin M. aus den Jahren 2011 bis 2016. Die Sichtung des Materials ist als Ganzes verstörend und zugleich besorgniserregend.

Gesetze, Werte und Normen werden de facto außer Kraft gesetzt. Die Gerichtsakte, Protokolle und Aktennotizen von Staatsanwälten, BVT-Einvernahmen, LKA-Einvernahmen, Anklageschriften, persönliche E-Mails an Rechtsanwälte, Korrespondenzen zwischen Kunden, Scheinrechnungen, Analysen, Strategiepapiere, Observationsberichte und Netzwerkaufschlüsselungen lassen den Leser in eine Welt eintauchen, die jeden John Grisham Roman alt aussehen lässt.

Methoden der Ibiza-Hintermänner

Julian H., jener Lockvogel, dem Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus in die Falle getappt sind, hatte einen Lehrmeister: Sascha W.

Der Mastermind des Sicherheitsunternehmens „Gruppe für mehr Sicherheit Gesellschaft“ und „Die Gruppe Sicherheit“ war der Inbegriff einer Arbeitsweise, die man heutzutage „moderne Methode“ bezeichnen würde. Das Portfolio des Unternehmens, mittlerweile wegen Vermögenslosigkeit gelöscht, hatte eine einschlägige Handschrift, die in der Ibiza-Causa sich wiedererkennen lässt:

  • Verdeckte Operationen
  • Vorgabe und Einsatz von falschen Identitäten, sprich Einsatz von „Legenden“
  • Scheinfirmen: Gründungen von Tarnunternehmen
  • Kauf von Offshore-Firmen „off-the-shelf company“
  • „Erhebung wirtschaftlich relevanter Informationen: Kundenlisten, Lieferantenlisten, Bankdaten, Steuerdaten, private Kontakte der Geschäftsführer, Privatleben der Geschäftsführer. Privat im speziellen deswegen, um mögliche Erpressungen zu ermöglichen.“
  • Einsatz von Peilsendern
  • Abhörungen von Mobiltelefonen
  • Hacken von Servern
  • Einbrüche in geschäftliche und private Adressen, aber auch Hotelzimmer
  • Einbindung von Auslandsnachrichtendiensten
  • Observationen im In- und Ausland
  • Einsatz von privaten IMSI-Catchern gegen “Zielpersonen”
Vertrauensaufbau mit Legenden
Offshore-Firmen
Informanten, angesetzte Prostituierte, Peilsender, Abhörungen von Mobiltelefonen und Einbrüche
Mögliche Erpressungen

Unabhängig davon, dass die zuvor beschriebenen „Methoden“, die als Dienstleistungen angeboten werden, unter Juristen stundenlangen Gesprächsstoff sorgen würde, kommt erschwerend hinzu, dass diese Methoden für jeden zahlenden Auftraggeber möglich waren.

„Zu den Klienten gehören renommierte Unternehmen und Konzerne, sowie BKA, BMI und Regierungen innerhalb Europas.“ war dem Sicherheitsunternehmen von J. H. zu entnehmen. Aus dem erhaltenen Datenmaterial hat Fass ohne Boden einen konkreten Fall rekonstruieren können.

Es handelt sich dabei um die Behauptungen aus dem Artikel von Holger Stark (Die Zeit) „Ramin und die Detektive“: „Für die Gruppe Sicherheit sollte H. das kriminelle Milieu unterwandern. Laut Wandl infiltrierte er im Auftrag eines Tabakkonzerns eine osteuropäische Bande, die mit gefälschten Zigaretten handelte. “Wir haben ihn in mehrere solcher Strukturen eingeschleust«, behauptet Wandl. J. H. sei „sehr talentiert in allem, was er tut“.“ Und nein, es ist nicht nur eine Behauptung, sondern ja, das Projekt trug den Namen „Mezzo“.

Projekt Mezzo: Finanzpolizei, Bundeskriminalamt und ein Tabakkonzern kooperieren mit Sicherheitsfachkräften

Österreich war schon immer eine Drehscheibe für nachrichtendienstliche Aktivitäten. Schließlich kennt jeder von uns den Film „Der dritte Mann“ und die Melodie sowieso.
Dass Informanten und Beamte vom Bundeskriminalamt, Finanzpolizisten und externe Sicherheitsfachkräften aus Österreich und Deutschland gemeinsam in einem Projekt ein kriminelles Netzwerk jagen, ist zumindestens für den Großteil der Bevölkerung Neuland.
Noch spannender wird es, wenn eine Person, und zwar jener Sicherheitsfachmann, der im Ibiza Video erkannt wurde, genau jener Herr ist, der maßgeblich an dem Projekt „Mezzo“ beteiligt war.

Titelblatt vom Projekt “Mezzo”
Projektbeschreibung

Das Projekt Mezzo ist ein 3385-Wörter starker Bericht, der penibel genau erörtert, wie im Zeitraum Jänner bis März 2013 ein Ermittler von „Die Gruppe Sicherheit GmbH“ ein kriminelles Netzwerk unterwandert hat, und letztlich zu Fall gebracht hat.

Das Ergebnis liest sich beachtlich: „Riesen-Fahndungserfolg für die Finanzpolizei in Wiener Neustadt: Bei einer Routinekontrolle wurde ein gigantisches Zigarettendepot entdeckt. Knapp 5,4 Millionen Glimmstängel wurden beschlagnahmt. Der Verkaufswert der Rauchwaren beträgt knapp 1,2 Millionen Euro.“ (vienna.at)

Über das Projekt „Mezzo“

18 „Meeting minutes“, sprich Sitzungsprotokolle, sind dem Projekt „Mezzo“ zu entnehmen, wie Schritt für Schritt ein georgisches Netzwerk unterwandert wurde. Unter dem Decknamen „Alexander Surkov“ operierte J. H. beim Projekt „Mezzo“, wie auch in anderen Operationen.

Im Fokus der Fahnder war ein gewisser Herr D., der ein Lokal im 1. Bezirk besessen hat. Weitere Personen waren Herr W., der einen Vertrieb von illegalen Pharmapräparaten betrieben hat. Zu lesen ist auch ein Lokalbesitzer mit dem Namen Herr Z. aus dem 15. Bezirk. Bei den Unternehmern handelt es sich um Abnehmer von geschmuggelten Zigaretten. Dargestellt werden in dem Netzwerk mehr als zwanzig Personen. Weitere Details zu den Personen veröffentlicht Fass ohne Boden aus medienrechtlichen Erwägungen nicht:

Kontaktaufnahme mit einem Beamten des Bundeskriminalamtes

Zwar ist der medialen Berichterstattung zu entnehmen, dass Fahnder des Finanzamtes ursprünglich einen anonymen Tipp erhalten haben, jedoch sollte man dieser Version nicht zu viel Beachtung schenken, da in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen proaktiver Austausch von Informationen stattgefunden hat. Beispielsweise hat am 23. Jänner 2013 der Sicherheitsfachmann einen gewissen Herrn Oliver P. („Lead investigator of Customs Graz“) mit zwei weiteren Kollegen zum Essen getroffen. Das Meeting dauerte 100 Minuten und fand in einem Lokal im 1. Bezirk statt. Es gab aber auch eine Vielzahl an Telefonaten von kurzer Dauer.

Projekt Mezzo – Seite 13 – 2000 Mastercases sind in Österreich angekommen

Einige Tage vor der Razzia ist dem Bericht zu entnehmen, dass am 4. März 2013 zwei Personen aus dem kriminellen Netzwerk sich mit einem Beamten vom Bundeskriminalamt unterhalten haben. So ist dem Bericht auf Seite 14 zu entnehmen, dass der Beamte auf der „Payroll“ eines gewissen Herrn E. sein sollte. Und zwar handelt es sich dabei um eine stolze Summe von 10.000 Euro pro Monat. Als Gegenleistung würde der Bundeskriminalbeamte folgende Gegenleistung erbringen: „offers him a great deal of protection from various investigations.“ Starkes Stück!

Projekt Mezzo – Seite 14 – Verdacht auf Bestechung

Aber auch eine Liebesgeschichte darf bei einer guten Undercover-Story selbstverständlich nicht fehlen. So ist Seite 16 zu entnehmen, dass ein ranghoher Beamter des Innenministeriums ein rumänisches „Escort Girl“ 6.000 Euro pro Monat bieten würde, wenn sie ihren Job quittieren würde. Unabhängig davon habe er „unusual sexual preferences“:

Projekt Mezzo – Seite 16 – 6000 Euro für ein Escort Girl um mit dem Job aufzuhören

Konfrontation der Betroffenen

Von Seiten des betroffenen Tabakkonzerns ist von der Geschäftsleitung (Name der Redaktion bekannt) folgende Stellungnahme an die Redaktion schriftlich erfolgt:

„Der illegale Zigarettenhandel ist eine der größten Finanzierungsquellen des internationalen Terrorismus und schadet nicht nur der Branche, sondern insbesondere den Fisken weltweit jährlich um mehrere Milliarden Euro. Für unser Unternehmen ist es daher von wesentlicher Bedeutung entschieden gegen diese illegalen Handlungen vorzugehen. Dabei unterhalten wir fallbezogen auch Kooperationen mit lokalen und internationalen Behörden und arbeiten für vereinzelte Projekte auch mit Sicherheitsfirmen zusammen, die jedoch behördlich registrierte Informanten sein müssen. Diese Zusammenarbeit findet immer unter strenger Einhaltung unserer internen Compliance-Richtlinien und der nationalen wie internationalen Gesetze statt. Im konkreten – von Ihnen genannten – Fall können wir zwar die Echtheit der vorgelegten Unterlagen nicht verifizieren, da die damals für diesen Bereich zuständigen Kollegen nicht mehr im Unternehmen sind. Können jedoch bestätigen, dass es ein Projekt unter diesem Namen gab und dass im gegenständlichen Zeitraum große Aufgriffe von illegalen Zigaretten durch die Zollbehörden erfolgten.“

Sascha W. hat die Echtheit der Dokumente ebenfalls bestätigt. Hierzu äußert er sich: „Es war eine äußert gefährliche Operation für J., die er bravourös gemeistert hat.“ J. H. war trotz zweier E-Mails zu keiner Stellungnahme bereit.

Von Seiten des Bundeskriminalamts war vom Pressesprecher zu vernehmen, dass eine Stellungnahme noch bis Ende der Woche vorbereitet wird, aber aufgrund der Komplexität am heutigen Tag keine Stellungnahme erfolgen kann.

Conclusio: Sicherheitsunternehmen a la „Blackwater“?

Dass eine derartige Kooperation überhaupt stattgefunden hat, mag für so manchen Leser seltsam erscheinen. Fakt ist, dass durch diese „Operation“ ein kriminelles Netzwerk ausgehoben wurde. Ob man die Aufgaben von ermittelnden Behörden „outsourcen“ sollte, soll der Leser für sich selbst beantworten.

Nach Rücksprache mit Insidern und Informanten, erhält man heutzutage 10 Euro pro Mastercase, vorausgesetzt man ist eingetragener Informant beim Bundeskriminalamt. So gesehen wären es, in Anlehnung an Seite 13, 20.000 Euro, die man als Informant heutzutage verdienen könnte, wenn der Tipp zur Sicherstellung der Ware führen würde.

Ausblick

Die kommenden Tage wird die Redaktion die 12.000 Dateien ausdrucken. Danach möchten wir das Material, auch mit anderen Redaktionen, teilen. Die kommenden Wochen bleiben spannend, bleibt zu hoffen, dass die Soko Ibiza noch mehr Transparenz in das Netzwerk bringen wird.

Tabakkonzern: Projekt Mezzo und Operation Daviscup

Bisherige Publikationen über den Tabakkonzern auf einen Blick:

Ibiza-Buch

Das Ibiza-Netzwerk

Leave your vote

0 points
Upvote Downvote

Digitaler Blattmacher und Chefredakteur.

Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Investigativ

Razzia beim Ibiza-Detektiv und seinem “Tontechniker”

Published

on

Razzia beim Ibiza-Detektiv
Oleksiy Shuman - Ibiza Sujetbild - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash).

Nun veröffentlicht Fass ohne Boden gemeinsam mit oe24.at neue Dokumente und neue Erkenntnisse der Soko-Tape. Die Sonderkommission hat Ermittlungen in der Causa “Ibiza-Video” im vergangenen Jahr aufgenommen. Gleich vorweg: Bei den Unterlagen handelt es sich um Auszüge aus dem Verschlussakt. Für die Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt: neben dem Ibiza-Detektiv hat die Soko-Tape auch die Wohnung des vermeintlichen Tontechnikers durchsucht, der nach eigenen Angaben “bei der Nachvertonung eines Tonmitschnitts helfen sollte.”

Im Detail: Am 19. November um 06.00 Uhr wurde “aufgrund richterlicher Bewilligung und staatsanwaltlicher Anordnung” eine Hausdurchsuchung und Sicherstellungsanordnung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs im 22. Bezirk durchgeführt.

Unter anderem fand die Soko-Tape diese Utensilien in der Wohnung des Ibiza-Detektivs:

"Ilove-Ibiza" als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektiv - Fass ohne Boden
“I love Ibiza” als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs – Fass ohne Boden

Die Razzia beim Ibiza-Detektiv

Und ja, die Dokumente zeugen von höchster Brisanz.

  • Einen Beleg konnten die Ermittler der Soko-Tape sicherstellen, die belegen, dass der Ibiza-Drahtzieher einen Alias mit dem Namen Alexander Surkov” verwendet hat. Dies wurde aber noch im Sommer des vergangenen Jahres vom Anwalt des Sicherheitsberaters negiert.
  • Darüber hinaus wurde ein formelles Schreiben des Zolls in der Wohnung gefunden. Der ermittelnde Zollbeamte aus Graz wollte tatsächlich in der Causa “Mezzo” den als verdeckt eingesetzten Ermittler mit dem Alias “Thaler” zu einer Zeugenvernehmung laden.
  • Eine weitere Visitenkarte vom Sicherheitschef des Tabakkonzerns in der Causa “Mezzo“. Dies belegt zumindest ein Treffen vom leitenden Sicherheitsverantwortlichen des Tabakkonzerns mit dem Ibiza-Detektiv.
  • Besonders skurriler Fund: Ein Utensil mit der Aufschrift “I love Ibiza”. Nostalgie oder gar Schadenfreude?

Doch was wollten die Ermittler eigentlich in der Wohnung des Ibiza-Detektivs auffinden? Laut einer Sachverhaltsdarstellung, die eingebracht wurde, ging es laut dem Tippgeber um einen PC und um das eigentliche Ibiza-Video als Back-Up.

In Sachen Laptop oder PC gingen die Ermittler leer aus. Genau das beschreiben Ermittler im Amtsvermerk zu der Hausdurchsuchung: “Angemerkt wird, dass auf dem Schreibtisch offensichtlich ein PC stand und dieser abgebaut wurde.”

Aber auch das Kellerabteil des Ibiza-Detektivs wurde von den Ermittlern durchsucht. Dem Amtsvermerk vom 19. November 2019 ist diesbezüglich zu vernehmen: “Auffällig in diesem Zusammenhang war, dass insgesamt 10 Kellerabteile vorhanden sind und in allen, bis auf jenes Angeführte, mit eher wertvollen Gegenständen, angeräumt waren.” Auf Deutsch: Das Kellerabteil war leer. Nur wie konnte das sein? Daher stellt sich eine berechtigte Frage: Hat der Ibiza-Detektiv rechtzeitig einen Tipp bekommen? Warum wurde erst nach einem halben Jahr die Wohnung durchsucht?

Wenige Tage später sollten die Ermittler aber einen Durchbruch erzielen…

Die Razzia beim “Tontechniker”

Wenige Tage später, am 25. November 2019, folgte der nächste Schlag der “Soko-Tape”. Eine Wohnung im 7. Bezirk wurde von den Ermittlern durchsucht. Dort fand man jene Dokumente, hinter denen die Kriminalbeamten schon vermutlich länger her sind.

Mehrere Ordner des Sicherheitsunternehmens vom Ibiza-Detektiv konnten die Ermittler sicherstellen. Im Detail fanden sie einen Ordner mit Verträgen für Leihautos, den Ordner für das Finanzamt, die Arbeitsverträge mit der Abkürzung “KV” und den Ordner “3”, vermutlich Dritte, sprich Verträge mit externen Partner. In Summe konnten die Ermittler 25 Gegenstände sicherstellen. Besondere Sprengkraft dürfte der Stand-PC haben, den man ebenfalls sicherstellen konnte. Aber auch mehrere Festplatten, USB-Sticks, Mobiltelefone, CD’s, einen slowenischen Personalausweis sowie einen Führerschein einer unbekannten weiblichen Person konnten die Ermittler sicherstellen.

IT-Techniker als “Tontechniker” bei der Einvernahme

Im Zuge der Einvernahme des Tontechnikers wollten die Beamten wissen, warum dieser überhaupt diverse Dokumente und technische Utensilien des Ibiza-Detektivs in seinem Besitz hatte.

Dieser sagte gegenüber der Kripo wie folgt aus: “Gegen Anfang 2019 hat mir [Ibiza-Detektiv] einen silbernen Koffer, sowie drei Aktenordner, mit der Bitte übergeben, sie für ihn ca. 2-3 Wochen aufzubewahren. […] Er hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass es sich beim Inhalt des Koffers um elektronische Geräte handeln würde und ich diesen Koffer nicht im Keller aufbewahren möge, um etwaigem Schaden vorzubeugen.” Ob es sich um eine Schutzbehauptung oder um die Wahrheit handelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht verifiziert werden.

Auf die Frage, ob “der Tontechniker” die Ausweise der Polizei nicht hätte übergeben müssen, gab der Tontechniker an: “Auch möchte ich anführen, dass ich diese Frau, welche auf den beiden Dokumenten abgebildet ist, noch nie in meinem Leben gesehen habe, ich kenne sie nicht.”

Daher stellt sich die Frage zu dem mutmaßlich slowenischen Personalausweis einer unbekannten Frau: Warum ist dieser Ausweis bei den Unterlagen des Ibiza-Detektivs bzw. warum hat er die Ausweise an den Tontechniker weitergegeben?

Slowenischer Personalausweis einer unbekannten Frau – Fass aus Boden

Mittlerweile hat der “Tontechniker” die “Freundschaft” zum Ibiza-Detektiv “gekündigt”.

Die Umstände werfen einige Fragen auf: Warum sind zwei Ausweise beim Tontechniker über mindestens neun Monate aufgelegen? Warum wurden die Gegenstände nicht nach drei Wochen zurückgegeben? Hat die Frau ihre Dokumente nicht vermisst? Oder gibt es gar andere Gründe?

In Summe erscheint dies alles äußerst suspekt. Auf jeden Fall war die zweite Hausdurchsuchung, sprich beim Tontechniker, ein voller Erfolg für die Soko-Tape. Nun heißt es sich zu gedulden. Man darf auf die Auswertung der Forensik gespannt sein.

Fass ohne Boden bleibt selbstverständlich an der Ibiza-Causa dran.

Leave your vote

31 points
Upvote Downvote
Continue Reading

Investigativ

Aviso: Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Published

on

Razzia beim Ibiza-Detektiv
Sujetbild Ibiza - Oleksiy Shuman - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash). Nun sind weitere Dokumente zum Erkenntnisstand rund um die Ermittlungen in der Causa Ibiza-Video der Redaktion zugespielt worden.

Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt.

Und ja, das Material ist heiß:

Unter anderem fand die Soko-Tape dieses Utensil

Gemeinsam mit oe24.at veröffentlichen wir am Dienstag, 14.01.2020 das exklusive Material der zwei Hausdurchsuchungen und die neuen Erkenntnisse der Soko-Tape (= Soko-Ibiza).

Foto: Sujetbild Ibiza – Oleksiy Shuman – pixabay

Leave your vote

16 points
Upvote Downvote
Continue Reading

Investigativ

Causa Kappel: Hintergründe zum 150 Millionen Deal

Published

on

Causa Kappel - Neue Hintergründe zum acht Millionen Deal - polack - Adobe Stock Foto

Erst gestern publizierte derstandard.at (Andreas Schnauder) weitere Details in der Causa Barbara Kappel, der ehemaligen EU-Abgeordneten (FPÖ). Die blaue “Wirtschaftswunderwaffe” outete sich selbst als Geldbotin. Dabei soll sie von einem bulgarischen Geschäftsmann 75.000 Euro erhalten haben und das Geld angeblich einem mittlerweile verstorbenen blauen Nationalrat übergeben haben. Dieser war aber aus gesundheitlichen Gründen seit 2017 politisch nicht mehr aktiv. Die FPÖ, aber auch Heinz-Christian Strache, bestreiten vehement eine Involvierung und den Erhalt einer Spende.

150 Millionen Deal für bulgarischen Pensionsfonds

Aus einem Chat geht hervor, dass die FPÖ-Frau den bulgarischen Geschäftsmann unterstützt haben soll: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” Die wesentliche Passage aus dem Schnauder-Artikel möchten wir an dieser Stelle zitieren und um weitere Details aus einer “Fass ohne Boden”-Enthüllung ergänzen:

“S. war für eine Investorengruppe aktiv, die 2013 einen bulgarischen Pensionsfonds der Vienna Insurance Group (VIG) kaufen wollte. Geldgeber im Hintergrund war der russische Banker S. M. , der gut 150 Millionen für die größte private Pensionskasse namens Doverie hinblättern wollte. Mit der VIG war er schon handelseins, doch die Finanzaufsichtsbehörde in Sofia hatte Zweifel an der Seriosität des Investors.”

Andreas Schnauder, derstandard.at

Die Zweifel der bulgarischen Finanzaufsichtsbehörde „Financial Supervision Commission“ (= FSC) können wie folgt belegen werden:

Bereits im Jahr der versuchten Übernahme, sprich 2013, äußerte sich der damalige Chef der bulgarischen Finanzaufsicht Stoyan Mavrodiev in einem Interview zum Kauf sehr kritisch: „Wir werden keine Kompromisse bei der Qualität des Investors machen, wir werden uns ganz genau die Einkommensquellen von United Capital anschauen, die Legitimität ihrer Fonds, ihre Erfahrung und die tatsächliche Eigentümerstruktur. Es könnte für das gesamte Finanzsystem hier gefährlich sein, wenn wir ein Verkaufsgeschäft genehmigen, ohne zu wissen, wer wirklich der Eigentümer dieses Unternehmens ist.“

Damit eine Übernahme des bulgarischen Pensionsfonds überhaupt möglich gewesen wäre, wurde vertraglich festgelegt, dass acht Millionen Euro als “Deposit” bei der VIG hinterlegt werden. Das Geld stammte vermutlich vom russischen Investor. Der hohe Geldbetrag sollte als Garantie für eine Kaufabsicht der britischen Briefkastenfirma stehen. Und genau um diese Überweisung begann einige Jahre später ein Streit, der 2016 seinen Höhepunkt erlangen sollte. Scheinbar soll Barbara Kappel versucht haben, dem bulgarischen Geschäftsmann im Hintergrund zu helfen.

Dokumente aus dem Nachlass von Philipp Buchner

Genaue Hintergründe um die acht Millionen Euro sowie weitere brisante Details hat “Fass ohne Boden” bereits am 10. November in der Enthüllung “Russische Investoren, bulgarische Geschäftsmänner und Phillipp Buchner” veröffentlicht. Die Dokumente, die Fass ohne Boden zugespielt wurden, haben aber einen sehr traurigen Hintergrund. Ermöglich wurde die Einsicht erst durch den “dubiosen Tod” von Philipp Buchner. Buchner fungierte als Berater und persönlicher Assistent des „bulgarischen Geschäftsmanns“. Ein Informant wandte sich wenige Tage nach seinem Tod an die “Fass ohne Boden Redaktion”. Die Botschaft des Informanten ist eindeutig:

Philipp sagte mir, falls ihm was passieren sollte, sollen die Dokumente zur politischen Verwertung übergeben und an die Medien gespielt werden.

EIN INFORMANT ÜBER DIE DOKUMENTE VON PHILIPP BUCHNER

Warum es zu keinem Deal kam, erörterte 2016 die bulgarische Finanzaufsichtsbehörde gegenüber dem Anwalt des bulgarischen Geschäftsmanns. Das Unternehmen, welches den bulgarischen Pensionsfonds kaufen wollte, hieß „United Capital PLC“. Bei „United Capital PLC“ handelt es sich um eine mittlerweile aufgelöste Briefkastenfirma mit Sitz in London (Company No. 06254627). 2013 wollte das Unternehmen die Mehrheitsanteile (92.58%) am bulgarischen Pensionsfonds „Doverie“ erwerben.

Offene Fragen

Seltsam erscheint der Zeitpunkt, der Bezug in dem Chatprotokoll und die Rolle von Barbara Kappel: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” In welchem Jahr die ehemalige EU-Abgeordnete versucht hat, ein gutes Wort einzulegen, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht belegt werden.

Darüber hinaus erscheint es nach wie vor seltsam, warum die Briefkastenfirma überhaupt Ambitionen hatte, den Pensionsfonds zu kaufen. Die getätigte Anzahlung von acht Millionen Euro ist per se nicht ungewöhnlich, jedoch dürfte man mit einem Veto der bulgarischen Behörde nicht gerechnet haben. Selbst aus dem Umfeld des bulgarischen Geschäftsmanns wurde gegenüber der “Fass ohne Boden”-Redaktion bestätigt, dass das “Deposit”, sprich das hinterlegte Geld von acht Millionen Euro, wieder zu bekommen sehr schwierig gewesen wäre. Schließlich wurde ein Vertrag unterschrieben.

Eine andere Auffassung vertrat aber der damalige beauftragte Anwalt vom bulgarischen Geschäftsmann. Wie aus den geleakten Unterlagen hervor geht, wollte der prominente Staranwalt einen Rechtsstreit beginnen. Zu einer Klage ist es aber laut Unterlagen nicht gekommen. Dies bestätigte auch der Pressesprecher der VIG gegenüber Fass ohne Boden.

Die Causa dürfte mittlerweile verstärkt in Bulgarien und vor allem in Russland für Aufsehen sorgen. In den letzten 48 Stunden ist die Zahl von Aufrufen mit russischen und bulgarischen IP-Adressen auf diverse “Fass ohne Boden”-Enthüllungen überproportional gestiegen. Besonders im Umfeld des russischen Bankers gibt es anscheinend großes Interesse, nähere Informationen zu erhalten.

Weitere Dokumente in dieser Causa können hier eingesehen werden.

Foto: polack – Adobe Stock Foto

Leave your vote

16 points
Upvote Downvote
Continue Reading
Advertisement

FoB auf Telegram

Fass ohne Boden auf Telegram - Thomas Ulrich - pixabay

Fass ohne Boden auf Telegram - Thomas Ulrich - pixabay

Advertisement

Facebook

Investigativ

Meistgelesen

Log In

Forgot password?

Forgot password?

Enter your account data and we will send you a link to reset your password.

Your password reset link appears to be invalid or expired.

Log in

Privacy Policy

Add to Collection

No Collections

Here you'll find all collections you've created before.