Connect with us

Investigativ

Meinl Bank: Warum wurde der „Mohr“ erpresst?

Published

on

Meinl Bank Erpressung - Bacho Foto - Adobe stock
Prev1 of 4
Use your ← → (arrow) keys to browse

Im heurigen Jahr erging eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien, datiert mit dem 21.06.2019, die es in sich hat. Es betrifft einen leitenden Beamten aus dem LKA Wien. Der Vorwurf: „Missbrauch der Amtsgewalt“. Die Sachverhaltsdarstellung basiert aufgrund einer Hauptverhandlung am Landesgericht für Strafsachen in Wien mit der Geschäftszahl 122S Hv 28/18h. In dieser öffentlichen Verhandlung ging es um einen Erpressungsversuch in der Höhe von 1,5 Millionen Euro. Laut Anklage wollten vier Personen im Dezember 2017 mit alten Blackberrys der Meinl Bank die Bank selbst erpressen.

In den Telefonen dürften SIM-Karten, wichtige SMS und Telefonnummern enthalten sein. Daher sei man davon ausgegangen, dass die Bank bereit gewesen wäre, die Geräte zurückzukaufen. 2018 startete der Prozess, 2019 urteilte ein Richter: Drei der vier Beschuldigten wurden freigesprochen. Der vierte Beschuldigte, ein Manager des namhaften Sicherheitsunternehmen, wurde Anfang Juni 2019 wegen versuchter Erpressung zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt. Acht Monate der Strafe wurden unbedingt verhängt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der leitende Ermittler des LKA Wien wird sich vermutlich in den kommenden Monaten vor Gericht verantworten müssen.

Aus der Sachverhaltsdarstellung – Foto: Fass ohne Boden

Chronologie der Ereignisse

Am 22.12.2017 erstattete ein Vorstandsmitglied der Meinl Bank AG Anzeige wegen des Verdachts der schweren Erpressung gegen die ehemaligen Kriminalbeamten W. und H., die mittlerweile gemeinsam ein Sicherheitsunternehmen betreiben. Die Anzeige erfolgte beim Landeskriminalamt Wien. Die Causa wurde unter dem Aktenzeichen B6/393704/2017 im sogenannten polizeiinternen System „PAD“ als „Schwere Erpressung“ angelegt. (Siehe auch Erörterungen zum PAD-System in der „Fass ohne Boden“-Enthüllung BMI-Datenleck)

Inhalt der Anzeige war, dass zwei Sicherheitsberater gegenüber der Meinl Bank AG 76 Mobiltelefone zum “Rückkauf” angeboten hätten, die ein paar Monate zuvor von einem Mitarbeiter der Bank achtlos einem Mann namens A. verkauft wurden. W. und H. gaben gegenüber Mitarbeitern der Bank an, dass sie den Auftrag hätten die Blackberry-Geräte auszulesen. Die Mobiltelefone wurden der Bank zum Rückkauf um 1,5 Millionen Euro angeboten. Sollte die Bank nicht auf das Angebot einsteigen wollen, müssten die Sicherheitsberater im Auftrag ihres Klienten die Handys auslesen und an einen Prozessfinanzier verkaufen.

Am 27. Dezember 2017 wurden die zwei führenden Köpfe einer niederösterreichischen Detektei fernmündlich zur Vernehmung geladen und durch die Beamten der Gruppe vom Kriminalbeamten H. einvernommen. Noch am selben Tag wurde ein weiterer Beschuldigter vernommen. Diese drei Vernehmungen speicherte man wegen des Vorwurfs der “Schweren Erpressung (Versuch)”. Die Vernehmung der vierten involvierten Person, A., fand zwei Tage später am 29. Dezember 2017 statt. Bemerkenswert ist aber auch, dass in der Überschrift des polizeiinternen Protokolls das Delikt auf “Schwerer Betrug (Versuch)” geändert wurde.

Anomalie im System oder Willkür?

Die Umstellung des Vorwurfs auf „Schwerer Betrug“ erfolgte im Zeitraum 27. Dezember 2017 bis zum 29. Dezember 2017. Während dieser Tage gaben die zwei Sicherheitsberater an, dass sie zu keinem Zeitpunkt gegenüber den Mitarbeitern der Meinl Bank AG von ihnen behauptet wurde, die hätten die Handys auslesen wollen. Lediglich die Kunden V. und A. hätten sie dazu beauftragt. Mit anderen Worten, man wollte vom Vorwurf der Erpressung ablenken und es so ausschauen lassen, als sei man vom eigentlichen Eigentümer der Handys A. und vom Mittelsmann getäuscht worden. Man sprich in so einer Causa auch von einer klassischen Umkehr der Täter-Opfer-Rolle.

Obwohl eine schwere Erpressung von der Bank zur Anzeige gebracht wurde, nahm kein Mitglied der Ermittlungsgruppe, die vom Landeskriminalbeamten H. geführt wird, Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Wien auf. Und dies erscheint mehr als nur seltsam, denn es sei gerichtbekannt, so der Sachverhaltsdarstellung zu entnehmen, „dass Polizeibeamte aufgrund einer Dienstanweisung angehalten sind, bei jeder gefährlichen Drohung den Journaldienst versehenden der Staatsanwaltschaft zu kontaktieren, um Weisungen einzuholen.“

Das Erstaunliche an dieser Causa: Unter gewöhnlichen Umständen würde, weder ein Staatsanwalt noch ein erfahrener Ermittler wie der Kriminalbeamte H., den ursprünglichen Vorwurf wegen des Verdachts der schweren Erpressung in einen Verdacht des schweren Betruges umwandeln. So ist der Sachverhaltsdarstellung zu entnehmen, dass diese Änderung aus einem sachlich nicht gerechtfertigten Motiv vorgenommen wurde. Der konkrete Verdacht: Zum Schutz von den beiden Sicherheitsmanagern, zumal ein Betrugsvorwurf nicht so schwer wiegt, wie ein Erpressungsvorwurf. Ein schwerer Erpressungsversuch, der einem Staatsanwalt bekannt geworden wäre, hätte zu einer vorläufigen Festnahme der Beschuldigten geführt.

Im hier konkreten Fall unterblieb aber diese Meldung an die Staatsanwaltschaft Wien.

Aus einem Protokoll der Verhandlung (122S Hv 28/18h) geht jedoch hervor, dass sich weder im Gerichtsakt noch im Tagebuch irgendein Journal-AV oder sonst ein Hinweis belegen könnte, dass es zu einer Kontaktaufnahme des Kriminalbeamten H. mit dem Journaldienst versehenden Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Wien gegeben hätte. Die Staatsanwaltschaft erfuhr von der Causa erst am 2. Jänner 2018, als der Abschlussbericht des Landeskriminalamts an die Staatsanwaltschaft Wien geschickt worden war, dass ein derartiges Verfahren anhängig war. Die Staatsanwaltschaft wurde vor vollendeten Tatsachen gestellt. Daher besteht der Verdacht, dass diese Kontaktaufnahme deshalb unterblieb, weil es sich bei W. und H. um ehemalige Kollegen aus der Polizei- bzw. Gendarmerie-Zeit handelt.


Sei steil und unterstütze uns!

Spenden - Nackt sind alle Redaktionen gleich
Nackt sind alle Redaktionen gleich – Foto gratisography

Zeitsprung 2019

Der Schöffensenat unter dem Vorsitz des Richters Christian Böhm urteilte im heurigen Jahr, dass es sich um eine versuchte Erpressung gehandelt hat. Der mitangeklagte Chef der Sicherheitsfirma, W., wurde freigesprochen. Schon an früheren Verhandlungstagen ist sowohl der Käufer A. der alten Handys, als auch der Mittelsmann V. freigesprochen worden. Einer der beiden Manager niederösterreichischen Detektei wurde Anfang Juni 2019 wegen versuchter Erpressung zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt. Acht Monate der Strafe wurden unbedingt verhängt, jedoch ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Der alte Kollege der ehemaligen Polizisten wird sich in den kommenden Monaten vermutlich verantworten müssen, alles andere wäre eine Bankrotterklärung des Rechtsstaats.

Aus der Verhandlung 122S Hv 28/18h

Wesentliche Aussagen für die eingebrachte Sachverhaltsdarstellung vom 21. Juni 2019 sind der Verhandlung 122S Hv 28/18h zu entnehmen. Fass ohne Boden veröffentlicht zwei Einvernahmen der Polizisten aus dem Prozess, die für die Sachverhaltsdarstellung gegen den Kriminalbeamten H. geführt haben.

Vorab: Erstaunlich sind die Erinnerungslücken der befragten Polizisten aus der Gruppe des Kriminalbeamten H. Während der Befragungen durch den Richter und der Rechtsanwälte der Beschuldigten antworteten die befragten Polizisten sehr selten auf konkrete Fragen. Der Leser soll sich aber selbst aber selbst eine Meinung bilden.

Anmerkungen:
Das Markenzeichen der Julius Meinl AG war der von Joseph Binder entworfene Meinl-Mohr, ein schwarzer Kinderkopf mit hohem rotem Fes auf gelbem Grund. BTW: Die Meinl Bank AG heißt jetzt Anglo Austrian AAB Bank AG.

Zum Weiterlesen grünen Pfeil drücken.

Prev1 of 4
Use your ← → (arrow) keys to browse

Leave your vote

0 points
Upvote Downvote

Digitaler Blattmacher und Chefredakteur.

Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Investigativ

Razzia beim Ibiza-Detektiv und seinem “Tontechniker”

Published

on

Razzia beim Ibiza-Detektiv
Oleksiy Shuman - Ibiza Sujetbild - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash).

Nun veröffentlicht Fass ohne Boden gemeinsam mit oe24.at neue Dokumente und neue Erkenntnisse der Soko-Tape. Die Sonderkommission hat Ermittlungen in der Causa “Ibiza-Video” im vergangenen Jahr aufgenommen. Gleich vorweg: Bei den Unterlagen handelt es sich um Auszüge aus dem Verschlussakt. Für die Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt: neben dem Ibiza-Detektiv hat die Soko-Tape auch die Wohnung des vermeintlichen Tontechnikers durchsucht, der nach eigenen Angaben “bei der Nachvertonung eines Tonmitschnitts helfen sollte.”

Im Detail: Am 19. November um 06.00 Uhr wurde “aufgrund richterlicher Bewilligung und staatsanwaltlicher Anordnung” eine Hausdurchsuchung und Sicherstellungsanordnung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs im 22. Bezirk durchgeführt.

Unter anderem fand die Soko-Tape diese Utensilien in der Wohnung des Ibiza-Detektivs:

"Ilove-Ibiza" als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektiv - Fass ohne Boden
“I love Ibiza” als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs – Fass ohne Boden

Die Razzia beim Ibiza-Detektiv

Und ja, die Dokumente zeugen von höchster Brisanz.

  • Einen Beleg konnten die Ermittler der Soko-Tape sicherstellen, die belegen, dass der Ibiza-Drahtzieher einen Alias mit dem Namen Alexander Surkov” verwendet hat. Dies wurde aber noch im Sommer des vergangenen Jahres vom Anwalt des Sicherheitsberaters negiert.
  • Darüber hinaus wurde ein formelles Schreiben des Zolls in der Wohnung gefunden. Der ermittelnde Zollbeamte aus Graz wollte tatsächlich in der Causa “Mezzo” den als verdeckt eingesetzten Ermittler mit dem Alias “Thaler” zu einer Zeugenvernehmung laden.
  • Eine weitere Visitenkarte vom Sicherheitschef des Tabakkonzerns in der Causa “Mezzo“. Dies belegt zumindest ein Treffen vom leitenden Sicherheitsverantwortlichen des Tabakkonzerns mit dem Ibiza-Detektiv.
  • Besonders skurriler Fund: Ein Utensil mit der Aufschrift “I love Ibiza”. Nostalgie oder gar Schadenfreude?

Doch was wollten die Ermittler eigentlich in der Wohnung des Ibiza-Detektivs auffinden? Laut einer Sachverhaltsdarstellung, die eingebracht wurde, ging es laut dem Tippgeber um einen PC und um das eigentliche Ibiza-Video als Back-Up.

In Sachen Laptop oder PC gingen die Ermittler leer aus. Genau das beschreiben Ermittler im Amtsvermerk zu der Hausdurchsuchung: “Angemerkt wird, dass auf dem Schreibtisch offensichtlich ein PC stand und dieser abgebaut wurde.”

Aber auch das Kellerabteil des Ibiza-Detektivs wurde von den Ermittlern durchsucht. Dem Amtsvermerk vom 19. November 2019 ist diesbezüglich zu vernehmen: “Auffällig in diesem Zusammenhang war, dass insgesamt 10 Kellerabteile vorhanden sind und in allen, bis auf jenes Angeführte, mit eher wertvollen Gegenständen, angeräumt waren.” Auf Deutsch: Das Kellerabteil war leer. Nur wie konnte das sein? Daher stellt sich eine berechtigte Frage: Hat der Ibiza-Detektiv rechtzeitig einen Tipp bekommen? Warum wurde erst nach einem halben Jahr die Wohnung durchsucht?

Wenige Tage später sollten die Ermittler aber einen Durchbruch erzielen…

Die Razzia beim “Tontechniker”

Wenige Tage später, am 25. November 2019, folgte der nächste Schlag der “Soko-Tape”. Eine Wohnung im 7. Bezirk wurde von den Ermittlern durchsucht. Dort fand man jene Dokumente, hinter denen die Kriminalbeamten schon vermutlich länger her sind.

Mehrere Ordner des Sicherheitsunternehmens vom Ibiza-Detektiv konnten die Ermittler sicherstellen. Im Detail fanden sie einen Ordner mit Verträgen für Leihautos, den Ordner für das Finanzamt, die Arbeitsverträge mit der Abkürzung “KV” und den Ordner “3”, vermutlich Dritte, sprich Verträge mit externen Partner. In Summe konnten die Ermittler 25 Gegenstände sicherstellen. Besondere Sprengkraft dürfte der Stand-PC haben, den man ebenfalls sicherstellen konnte. Aber auch mehrere Festplatten, USB-Sticks, Mobiltelefone, CD’s, einen slowenischen Personalausweis sowie einen Führerschein einer unbekannten weiblichen Person konnten die Ermittler sicherstellen.

IT-Techniker als “Tontechniker” bei der Einvernahme

Im Zuge der Einvernahme des Tontechnikers wollten die Beamten wissen, warum dieser überhaupt diverse Dokumente und technische Utensilien des Ibiza-Detektivs in seinem Besitz hatte.

Dieser sagte gegenüber der Kripo wie folgt aus: “Gegen Anfang 2019 hat mir [Ibiza-Detektiv] einen silbernen Koffer, sowie drei Aktenordner, mit der Bitte übergeben, sie für ihn ca. 2-3 Wochen aufzubewahren. […] Er hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass es sich beim Inhalt des Koffers um elektronische Geräte handeln würde und ich diesen Koffer nicht im Keller aufbewahren möge, um etwaigem Schaden vorzubeugen.” Ob es sich um eine Schutzbehauptung oder um die Wahrheit handelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht verifiziert werden.

Auf die Frage, ob “der Tontechniker” die Ausweise der Polizei nicht hätte übergeben müssen, gab der Tontechniker an: “Auch möchte ich anführen, dass ich diese Frau, welche auf den beiden Dokumenten abgebildet ist, noch nie in meinem Leben gesehen habe, ich kenne sie nicht.”

Daher stellt sich die Frage zu dem mutmaßlich slowenischen Personalausweis einer unbekannten Frau: Warum ist dieser Ausweis bei den Unterlagen des Ibiza-Detektivs bzw. warum hat er die Ausweise an den Tontechniker weitergegeben?

Slowenischer Personalausweis einer unbekannten Frau – Fass aus Boden

Mittlerweile hat der “Tontechniker” die “Freundschaft” zum Ibiza-Detektiv “gekündigt”.

Die Umstände werfen einige Fragen auf: Warum sind zwei Ausweise beim Tontechniker über mindestens neun Monate aufgelegen? Warum wurden die Gegenstände nicht nach drei Wochen zurückgegeben? Hat die Frau ihre Dokumente nicht vermisst? Oder gibt es gar andere Gründe?

In Summe erscheint dies alles äußerst suspekt. Auf jeden Fall war die zweite Hausdurchsuchung, sprich beim Tontechniker, ein voller Erfolg für die Soko-Tape. Nun heißt es sich zu gedulden. Man darf auf die Auswertung der Forensik gespannt sein.

Fass ohne Boden bleibt selbstverständlich an der Ibiza-Causa dran.

Leave your vote

31 points
Upvote Downvote
Continue Reading

Investigativ

Aviso: Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Published

on

Razzia beim Ibiza-Detektiv
Sujetbild Ibiza - Oleksiy Shuman - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash). Nun sind weitere Dokumente zum Erkenntnisstand rund um die Ermittlungen in der Causa Ibiza-Video der Redaktion zugespielt worden.

Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt.

Und ja, das Material ist heiß:

Unter anderem fand die Soko-Tape dieses Utensil

Gemeinsam mit oe24.at veröffentlichen wir am Dienstag, 14.01.2020 das exklusive Material der zwei Hausdurchsuchungen und die neuen Erkenntnisse der Soko-Tape (= Soko-Ibiza).

Foto: Sujetbild Ibiza – Oleksiy Shuman – pixabay

Leave your vote

16 points
Upvote Downvote
Continue Reading

Investigativ

Causa Kappel: Hintergründe zum 150 Millionen Deal

Published

on

Causa Kappel - Neue Hintergründe zum acht Millionen Deal - polack - Adobe Stock Foto

Erst gestern publizierte derstandard.at (Andreas Schnauder) weitere Details in der Causa Barbara Kappel, der ehemaligen EU-Abgeordneten (FPÖ). Die blaue “Wirtschaftswunderwaffe” outete sich selbst als Geldbotin. Dabei soll sie von einem bulgarischen Geschäftsmann 75.000 Euro erhalten haben und das Geld angeblich einem mittlerweile verstorbenen blauen Nationalrat übergeben haben. Dieser war aber aus gesundheitlichen Gründen seit 2017 politisch nicht mehr aktiv. Die FPÖ, aber auch Heinz-Christian Strache, bestreiten vehement eine Involvierung und den Erhalt einer Spende.

150 Millionen Deal für bulgarischen Pensionsfonds

Aus einem Chat geht hervor, dass die FPÖ-Frau den bulgarischen Geschäftsmann unterstützt haben soll: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” Die wesentliche Passage aus dem Schnauder-Artikel möchten wir an dieser Stelle zitieren und um weitere Details aus einer “Fass ohne Boden”-Enthüllung ergänzen:

“S. war für eine Investorengruppe aktiv, die 2013 einen bulgarischen Pensionsfonds der Vienna Insurance Group (VIG) kaufen wollte. Geldgeber im Hintergrund war der russische Banker S. M. , der gut 150 Millionen für die größte private Pensionskasse namens Doverie hinblättern wollte. Mit der VIG war er schon handelseins, doch die Finanzaufsichtsbehörde in Sofia hatte Zweifel an der Seriosität des Investors.”

Andreas Schnauder, derstandard.at

Die Zweifel der bulgarischen Finanzaufsichtsbehörde „Financial Supervision Commission“ (= FSC) können wie folgt belegen werden:

Bereits im Jahr der versuchten Übernahme, sprich 2013, äußerte sich der damalige Chef der bulgarischen Finanzaufsicht Stoyan Mavrodiev in einem Interview zum Kauf sehr kritisch: „Wir werden keine Kompromisse bei der Qualität des Investors machen, wir werden uns ganz genau die Einkommensquellen von United Capital anschauen, die Legitimität ihrer Fonds, ihre Erfahrung und die tatsächliche Eigentümerstruktur. Es könnte für das gesamte Finanzsystem hier gefährlich sein, wenn wir ein Verkaufsgeschäft genehmigen, ohne zu wissen, wer wirklich der Eigentümer dieses Unternehmens ist.“

Damit eine Übernahme des bulgarischen Pensionsfonds überhaupt möglich gewesen wäre, wurde vertraglich festgelegt, dass acht Millionen Euro als “Deposit” bei der VIG hinterlegt werden. Das Geld stammte vermutlich vom russischen Investor. Der hohe Geldbetrag sollte als Garantie für eine Kaufabsicht der britischen Briefkastenfirma stehen. Und genau um diese Überweisung begann einige Jahre später ein Streit, der 2016 seinen Höhepunkt erlangen sollte. Scheinbar soll Barbara Kappel versucht haben, dem bulgarischen Geschäftsmann im Hintergrund zu helfen.

Dokumente aus dem Nachlass von Philipp Buchner

Genaue Hintergründe um die acht Millionen Euro sowie weitere brisante Details hat “Fass ohne Boden” bereits am 10. November in der Enthüllung “Russische Investoren, bulgarische Geschäftsmänner und Phillipp Buchner” veröffentlicht. Die Dokumente, die Fass ohne Boden zugespielt wurden, haben aber einen sehr traurigen Hintergrund. Ermöglich wurde die Einsicht erst durch den “dubiosen Tod” von Philipp Buchner. Buchner fungierte als Berater und persönlicher Assistent des „bulgarischen Geschäftsmanns“. Ein Informant wandte sich wenige Tage nach seinem Tod an die “Fass ohne Boden Redaktion”. Die Botschaft des Informanten ist eindeutig:

Philipp sagte mir, falls ihm was passieren sollte, sollen die Dokumente zur politischen Verwertung übergeben und an die Medien gespielt werden.

EIN INFORMANT ÜBER DIE DOKUMENTE VON PHILIPP BUCHNER

Warum es zu keinem Deal kam, erörterte 2016 die bulgarische Finanzaufsichtsbehörde gegenüber dem Anwalt des bulgarischen Geschäftsmanns. Das Unternehmen, welches den bulgarischen Pensionsfonds kaufen wollte, hieß „United Capital PLC“. Bei „United Capital PLC“ handelt es sich um eine mittlerweile aufgelöste Briefkastenfirma mit Sitz in London (Company No. 06254627). 2013 wollte das Unternehmen die Mehrheitsanteile (92.58%) am bulgarischen Pensionsfonds „Doverie“ erwerben.

Offene Fragen

Seltsam erscheint der Zeitpunkt, der Bezug in dem Chatprotokoll und die Rolle von Barbara Kappel: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” In welchem Jahr die ehemalige EU-Abgeordnete versucht hat, ein gutes Wort einzulegen, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht belegt werden.

Darüber hinaus erscheint es nach wie vor seltsam, warum die Briefkastenfirma überhaupt Ambitionen hatte, den Pensionsfonds zu kaufen. Die getätigte Anzahlung von acht Millionen Euro ist per se nicht ungewöhnlich, jedoch dürfte man mit einem Veto der bulgarischen Behörde nicht gerechnet haben. Selbst aus dem Umfeld des bulgarischen Geschäftsmanns wurde gegenüber der “Fass ohne Boden”-Redaktion bestätigt, dass das “Deposit”, sprich das hinterlegte Geld von acht Millionen Euro, wieder zu bekommen sehr schwierig gewesen wäre. Schließlich wurde ein Vertrag unterschrieben.

Eine andere Auffassung vertrat aber der damalige beauftragte Anwalt vom bulgarischen Geschäftsmann. Wie aus den geleakten Unterlagen hervor geht, wollte der prominente Staranwalt einen Rechtsstreit beginnen. Zu einer Klage ist es aber laut Unterlagen nicht gekommen. Dies bestätigte auch der Pressesprecher der VIG gegenüber Fass ohne Boden.

Die Causa dürfte mittlerweile verstärkt in Bulgarien und vor allem in Russland für Aufsehen sorgen. In den letzten 48 Stunden ist die Zahl von Aufrufen mit russischen und bulgarischen IP-Adressen auf diverse “Fass ohne Boden”-Enthüllungen überproportional gestiegen. Besonders im Umfeld des russischen Bankers gibt es anscheinend großes Interesse, nähere Informationen zu erhalten.

Weitere Dokumente in dieser Causa können hier eingesehen werden.

Foto: polack – Adobe Stock Foto

Leave your vote

16 points
Upvote Downvote
Continue Reading
Advertisement

FoB auf Telegram

Fass ohne Boden auf Telegram - Thomas Ulrich - pixabay

Fass ohne Boden auf Telegram - Thomas Ulrich - pixabay

Advertisement

Facebook

Investigativ

Meistgelesen

Log In

Forgot password?

Forgot password?

Enter your account data and we will send you a link to reset your password.

Your password reset link appears to be invalid or expired.

Log in

Privacy Policy

Add to Collection

No Collections

Here you'll find all collections you've created before.