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Philipp Buchner: War es Mord?

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Philipp Buchner - War es Mord - Facebook

Der Kurier-Artikel “Krimi um Güssinger: Dubioser Tod eines Österreichers in Sofia” vom 16.10.2019 ist mehr als nur lesenswert. Der Story ist zu entnehmen, dass ein „Mittelsmann“ namens Philipp Buchner in Sofia, Bulgarien, auf dubiose Weise verstorben ist. Und nach einer ersten Sichtung des Artikels wird dem Leser bewusst, dass die Causa nicht nur einen politischen Bezug zu Österreich hat. Auch „die Ermittler des Büros für Organisierte Kriminalität im Wiener Bundeskriminalamt“ haben mittlerweile Interesse an den Todesumständen von Philipp Buchner.

Die vergangen drei Tage hat „Fass ohne Boden“ eine Netzwerkanalyse gestartet. Ziel der ersten Vorrecherche war es, eine Person aus seinem Umfeld für ein Telefonat zu gewinnen. Und dank eines persönlichen Freundes von Philipp Buchner konnte die Redaktion einen exklusiven Einblick in die Welt des Verstorbenen erhalten. Für sämtliche nachfolgenden Personen und Protagonisten gilt die Unschuldsvermutung.

Beeindruckender Freundeskreis von Philipp Buchner

Open Source Intelligence (= OSINT) ist ein Begriff der Nachrichtendienste, bei dem für die Nachrichtengewinnung relevanten Informationen aus offenen Quellen (z.B. Facebook, Instagram, Firmenbücher, etc.) gesammelt werden. Schnell wurde der Redaktion klar, dass der verstorbene Philipp Buchner in der Tat interessante Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in seiner Facebook-Freundesliste hatte: ein ehemaliger Bundeskanzler von Österreich; eine Immobilienmaklerin, die prominent in der Causa “Ibiza-Video” vertreten war; ein ehemaliger Kabinettchef des Innenministeriums, der dem sogenannten „rot-weiß-roten“ Netzwerk angehört und Geschäftsleute, die eindeutig Partner und Freunde eines bulgarischen Geschäftsmanns sind, der wiederum in der Causa „Güssinger“ Wasser für Schlagzeilen gesorgt hat.

Doch bei näherer Betrachtung findet man auch Geschäftsleute aus Russland und Bulgarien, die mit heimischen Unternehmensberatern und Immobilienentwicklern enge wirtschaftliche Beziehungen pflegen. Und einige von den Unternehmern werden laut „Fass ohne Boden“-Informanten als „zwielichtig“ beschrieben, genauer gesagt, sie werden der „Organisierten Kriminalität“ zugeordnet. Es ist auch von Geldwäsche die Rede. Ob, wie und in welchem Ausmaß, kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden.

Es erscheint aber für die Redaktion plausibel, dass das Interesse des Bundeskriminalamts geweckt wurde. Dem Firmengeflecht werden wir uns annehmen, dies Bedarf jedoch Zeit. Die Größenordnung, in einem kleineren Ausmaß, ähnelt dem Correctiv-Projekt „Stadt Wien – Fass ohne Boden“.

Undurchschaubares Firmengeflecht

Der erste Eindruck: wir sind auf ein undurchsichtiges Firmengeflecht von Steuerberatern, Immobilienmaklern, Rechtsanwälten, Beteiligungsgesellschaften, Sicherheitsberatern, Consulting-Firmen und Stiftungen gestoßen. Es wird wohl Wochen dauern, bis die Redaktion eine Netzwerkanalyse auf die Beine stellen kann.

Nur um ein Gefühl für das Netzwerk zu bekommen: So konnte beispielsweise ein Geschäftsführer identifiziert werden, der wirtschaftliche Beziehungen mit dem Geschäftsmann S. S. aus Bulgarien unterhalten hat. M. W. ist nicht nur Gesellschafter von drei Firmen im Bereich der Vermögensverwaltung und Immobilienentwicklung, sondern laut Firmenbuch auch in 23 Immobilienprojekte involviert und auch als Geschäftsführer eingetragen.

Aber nicht nur die Größenordnung und die Firmenanzahl stellt ein Problem bei der Visualisierung dar, sondern die zeitliche Entwicklung der Immobilienprojekte. Eine Vielzahl an Projekten wurde bereits verkauft. Es bedarf daher einer händischen Nachbearbeitung, die sehr mühsam ist. Ehemalige Gesellschafter müssen aus den Historien der Firmenbücher von Hand recherchiert werden.

Doch welche Rolle hatte Philipp Buchner in der Causa “Güssinger”?

Philipp Buchner: “Mittelsmann” oder „persönlicher Assistent“?

Der „österreichische Mittelsmann“ Philipp Buchner war laut seinem Freund mehr, als nur “Mittelsmann”. So konnte „Fass ohne Boden“ in Erfahrung bringen, dass der Verstorbene mit den Agenden eines „persönlichen Assistenten“ des bulgarischen Geschäftsmanns betraut war. Ein Freund des Verstorbenen, der einen regelmäßigen und intensiven Kontakt mit Philipp Buchner pflegte, hat sich der Redaktion anvertraut. Die Person möchte aber auf gar keinen Fall namentlich genannt werden (Name der Redaktion bekannt). Vor allem hat die Person, als noch Philipp Buchner gelebt hat, mehrfach gewarnt.

So gab diese Person aus dem Umfeld des Verstorbenen an, dass Philipp Buchner 2019, nach seiner Zeit in Untersuchungshaft, seinen Lebensmittelpunkt nach Sofia verlegt hatte. Er kam aber immer wieder nach Wien, wo er in einer Art Dienstwohnung übernachten konnte. Der „persönliche Assistent“ vom bulgarischen Geschäftsmann war sehr stark in die Causa „Güssinger“ Wasser involviert. Und ja, „Koordinator für alle medienrechtlichen sowie medialen Belange“ konnte „Fass ohne Boden“ über seinen Freund verifizieren. Sogar mehr, Philipp Buchner war der Informant des Mediums.

Fehde zwischen russischem vs. bulgarischem Geschäftsmann

Anlass für die wirtschaftliche Fehde sind die Eigentumsverhältnisse an der Firma „Güssinger“. Als eine „heftige Auseinandersetzung“ wird der Streit zwischen dem Geschäftsmann mit bulgarischem Hintergrund und dem mutmaßlichen Eigentümer, einem eingebürgerten Russen, dargestellt. Immerhin geht es um mehr als zehn Millionen Euro.

Doch wer ist nun der Eigentümer der Mineralwasserfirma? Genau darum geht es bei der wirtschaftlichen Fehde. Einige Worte zum Sachverhalt.

Die Gruppe um den in Österreich lebenden Russen ist offiziell im Firmenbuch mit einer Holding GmbH als Gesellschaft eingetragen. Aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten hat die bulgarische Gruppe, für die Philipp Buchner gearbeitet hat, das Unternehmen finanziell unterstützt. Nun beansprucht die bulgarische Gruppe das Mineralwasserunternehmen für sich. Begründet wird dies mit der Auslösung eines Kredits, man habe ja schließlich die Vermögenswerte erkauft. Die russisch-österreichische Seite wiederum vertritt die Meinung, dass man den Versuch einer wirtschaftlichen, feindlichen Übernahme abgewehrt habe. Eine Pattsituation und vor allem ein Fall für das Gericht, sollte es nicht zu einer außergerichtlichen Einigung kommen. Doch der Todesfall dürfte eher zur Eskalation beitragen.

Zweifel an den Todesumständen von Philipp Buchner

Fotos und persönliche Nachrichten aus Chat-Programmen mit dem Verstorbenen konnte die Redaktion einsehen. Aber auch die Chronologie der Ereignisse, die Philipp Buchner betreffen, konnte der Informant präzise einordnen und aufschlüsseln. So bekamen wir einen Einblick in das Privatleben, die die bisher bekannte These, Buchner habe „etwas getrunken“ und sei „dann von einer Stiege gefallen und dabei gestorben“ in ein anderes Licht rückt.

Einschränkung des Bewegungsapparats

Dem Umfeld des Verstorbenen erscheint die derzeitige Version seltsam, es wurden sogar vehemente Zweifel geäußert. Zum einen hatte Philipp Buchner in der Vergangenheit mit einer Harley Davidson Maschine einen Motorradunfall. Dieser Unfall hatte schwerwiegende Folgen, da der Verstorbene, nach seiner Genesung, extreme Schwierigkeiten mit seinem Bewegungsapparat hatte. Daher wählte er laut seinem Freund, wann immer es nur erdenklich möglich war, einen Lift und ging nicht Treppen hoch oder hinunter. Der Informant gegenüber der Redaktion: „Philipp Buchner hat Treppen gemieden.“

„Alkohol nicht nachvollziehbar“

Darüber hinaus zweifelt der Freund an der Version des Alkoholkonsums: „Philipp hat auch keinen Alkohol trinken dürfen.“ Zwar gibt die Person zu, dass Philipp Buchner früher sehr wohl gerne und ausgelassen gefeiert hat, „er war ja auch ein lebensfroher Mensch“, jedoch war dies vor seiner Untersuchungshaft.

Was „Fass ohne Boden“ bis dato nicht verifizieren konnte, dürfte Philipp Buchner laut seinem Freund neun Monate in Untersuchungshaft (Josefstadt) verbracht haben, wegen „einer Betrugssache“. Auch dies erscheint plausibel, da es eine WordPress-Seite gibt, die ihn anonym, vor allem öffentlich denunziert. „Doch der Aufenthalt in Untersuchungshaft hat ihn verändert“, so der Informant.

Herzprobleme? „Er war gesund“

„Er hatte auch einen Fleck auf der Brust, welchen er am 5. November operieren lassen wollte“, daher sei auch das Argument des Herzproblems für den Freund des Verstorbenen nicht nachvollziehbar. „Er hatte definitiv nicht Herzprobleme, er hätte sogar nach Saudi-Arabien fliegen müssen. Und er hatte seine Voruntersuchungen für die Operation bereits absolviert.” Der Informant holt weiter aus: „Er hatte nichts, er war gesund. Hätte er Herzprobleme gehabt, wäre eine Operation wohl nicht möglich gewesen.“

“Mordverdacht”?

Der Freund des Verstorbenen äußert sich eindeutig zu der Causa: „Es war Mord.“ Gegenüber “Fass ohne Boden” wird auch erörtert, dass sich die Geschäftspartner von Philipp Buchner, als auch er selbst, in Bulgarien ausschließlich mit Personenschützern umgeben haben.

Die Untersuchungen zu den Todesumständen sind nach jetzigem Recherchestand nicht abgeschlossen.

Für den Freund herrscht große Ungewissheit: „Ich weiß gar nicht, ob der Leichnam von Philipp Buchner bereits nach Wien überstellt wurde. Ich weiß nicht einmal, wann und wo er beerdigt wird.“

Eines ist zum jetzigen Zeitpunkt gewiss: Philipp Buchner ist am 29. September 2019 gestorben. Am Tag seines Todes, wollte dieser eigentlich nach Wien reisen. Das Ziel war am Abend die Teilnahme an einer Wahlkampffeier einer politischen Partei. Dazu ist es jedoch nicht mehr gekommen, er war bereits tot.

Philipp Buchner hinterlässt drei Töchter.

Aufruf an die Öffentlichkeit

Du hattest in diesem Jahr Kontakt mit Philipp Buchner?
Seine alten Geschäftspraktiken sind dir bekannt?
Sehr gerne kannst du dich anonym an uns wenden.

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Digitaler Blattmacher und Chefredakteur.

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Razzia beim Ibiza-Detektiv und seinem “Tontechniker”

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Razzia beim Ibiza-Detektiv
Oleksiy Shuman - Ibiza Sujetbild - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash).

Nun veröffentlicht Fass ohne Boden gemeinsam mit oe24.at neue Dokumente und neue Erkenntnisse der Soko-Tape. Die Sonderkommission hat Ermittlungen in der Causa “Ibiza-Video” im vergangenen Jahr aufgenommen. Gleich vorweg: Bei den Unterlagen handelt es sich um Auszüge aus dem Verschlussakt. Für die Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt: neben dem Ibiza-Detektiv hat die Soko-Tape auch die Wohnung des vermeintlichen Tontechnikers durchsucht, der nach eigenen Angaben “bei der Nachvertonung eines Tonmitschnitts helfen sollte.”

Im Detail: Am 19. November um 06.00 Uhr wurde “aufgrund richterlicher Bewilligung und staatsanwaltlicher Anordnung” eine Hausdurchsuchung und Sicherstellungsanordnung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs im 22. Bezirk durchgeführt.

Unter anderem fand die Soko-Tape diese Utensilien in der Wohnung des Ibiza-Detektivs:

"Ilove-Ibiza" als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektiv - Fass ohne Boden
“I love Ibiza” als Utensilie bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Ibiza-Detektivs – Fass ohne Boden

Die Razzia beim Ibiza-Detektiv

Und ja, die Dokumente zeugen von höchster Brisanz.

  • Einen Beleg konnten die Ermittler der Soko-Tape sicherstellen, die belegen, dass der Ibiza-Drahtzieher einen Alias mit dem Namen Alexander Surkov” verwendet hat. Dies wurde aber noch im Sommer des vergangenen Jahres vom Anwalt des Sicherheitsberaters negiert.
  • Darüber hinaus wurde ein formelles Schreiben des Zolls in der Wohnung gefunden. Der ermittelnde Zollbeamte aus Graz wollte tatsächlich in der Causa “Mezzo” den als verdeckt eingesetzten Ermittler mit dem Alias “Thaler” zu einer Zeugenvernehmung laden.
  • Eine weitere Visitenkarte vom Sicherheitschef des Tabakkonzerns in der Causa “Mezzo“. Dies belegt zumindest ein Treffen vom leitenden Sicherheitsverantwortlichen des Tabakkonzerns mit dem Ibiza-Detektiv.
  • Besonders skurriler Fund: Ein Utensil mit der Aufschrift “I love Ibiza”. Nostalgie oder gar Schadenfreude?

Doch was wollten die Ermittler eigentlich in der Wohnung des Ibiza-Detektivs auffinden? Laut einer Sachverhaltsdarstellung, die eingebracht wurde, ging es laut dem Tippgeber um einen PC und um das eigentliche Ibiza-Video als Back-Up.

In Sachen Laptop oder PC gingen die Ermittler leer aus. Genau das beschreiben Ermittler im Amtsvermerk zu der Hausdurchsuchung: “Angemerkt wird, dass auf dem Schreibtisch offensichtlich ein PC stand und dieser abgebaut wurde.”

Aber auch das Kellerabteil des Ibiza-Detektivs wurde von den Ermittlern durchsucht. Dem Amtsvermerk vom 19. November 2019 ist diesbezüglich zu vernehmen: “Auffällig in diesem Zusammenhang war, dass insgesamt 10 Kellerabteile vorhanden sind und in allen, bis auf jenes Angeführte, mit eher wertvollen Gegenständen, angeräumt waren.” Auf Deutsch: Das Kellerabteil war leer. Nur wie konnte das sein? Daher stellt sich eine berechtigte Frage: Hat der Ibiza-Detektiv rechtzeitig einen Tipp bekommen? Warum wurde erst nach einem halben Jahr die Wohnung durchsucht?

Wenige Tage später sollten die Ermittler aber einen Durchbruch erzielen…

Die Razzia beim “Tontechniker”

Wenige Tage später, am 25. November 2019, folgte der nächste Schlag der “Soko-Tape”. Eine Wohnung im 7. Bezirk wurde von den Ermittlern durchsucht. Dort fand man jene Dokumente, hinter denen die Kriminalbeamten schon vermutlich länger her sind.

Mehrere Ordner des Sicherheitsunternehmens vom Ibiza-Detektiv konnten die Ermittler sicherstellen. Im Detail fanden sie einen Ordner mit Verträgen für Leihautos, den Ordner für das Finanzamt, die Arbeitsverträge mit der Abkürzung “KV” und den Ordner “3”, vermutlich Dritte, sprich Verträge mit externen Partner. In Summe konnten die Ermittler 25 Gegenstände sicherstellen. Besondere Sprengkraft dürfte der Stand-PC haben, den man ebenfalls sicherstellen konnte. Aber auch mehrere Festplatten, USB-Sticks, Mobiltelefone, CD’s, einen slowenischen Personalausweis sowie einen Führerschein einer unbekannten weiblichen Person konnten die Ermittler sicherstellen.

IT-Techniker als “Tontechniker” bei der Einvernahme

Im Zuge der Einvernahme des Tontechnikers wollten die Beamten wissen, warum dieser überhaupt diverse Dokumente und technische Utensilien des Ibiza-Detektivs in seinem Besitz hatte.

Dieser sagte gegenüber der Kripo wie folgt aus: “Gegen Anfang 2019 hat mir [Ibiza-Detektiv] einen silbernen Koffer, sowie drei Aktenordner, mit der Bitte übergeben, sie für ihn ca. 2-3 Wochen aufzubewahren. […] Er hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass es sich beim Inhalt des Koffers um elektronische Geräte handeln würde und ich diesen Koffer nicht im Keller aufbewahren möge, um etwaigem Schaden vorzubeugen.” Ob es sich um eine Schutzbehauptung oder um die Wahrheit handelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht verifiziert werden.

Auf die Frage, ob “der Tontechniker” die Ausweise der Polizei nicht hätte übergeben müssen, gab der Tontechniker an: “Auch möchte ich anführen, dass ich diese Frau, welche auf den beiden Dokumenten abgebildet ist, noch nie in meinem Leben gesehen habe, ich kenne sie nicht.”

Daher stellt sich die Frage zu dem mutmaßlich slowenischen Personalausweis einer unbekannten Frau: Warum ist dieser Ausweis bei den Unterlagen des Ibiza-Detektivs bzw. warum hat er die Ausweise an den Tontechniker weitergegeben?

Slowenischer Personalausweis einer unbekannten Frau – Fass aus Boden

Mittlerweile hat der “Tontechniker” die “Freundschaft” zum Ibiza-Detektiv “gekündigt”.

Die Umstände werfen einige Fragen auf: Warum sind zwei Ausweise beim Tontechniker über mindestens neun Monate aufgelegen? Warum wurden die Gegenstände nicht nach drei Wochen zurückgegeben? Hat die Frau ihre Dokumente nicht vermisst? Oder gibt es gar andere Gründe?

In Summe erscheint dies alles äußerst suspekt. Auf jeden Fall war die zweite Hausdurchsuchung, sprich beim Tontechniker, ein voller Erfolg für die Soko-Tape. Nun heißt es sich zu gedulden. Man darf auf die Auswertung der Forensik gespannt sein.

Fass ohne Boden bleibt selbstverständlich an der Ibiza-Causa dran.

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Aviso: Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

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Razzia beim Ibiza-Detektiv
Sujetbild Ibiza - Oleksiy Shuman - pixabay

Über die Hausdurchsuchungen im November des vergangenen Jahres rund um die Hintermänner und Drahtzieher des Ibiza-Videos hat Fass ohne Boden bereits berichtet (Siehe Ibiza-Netzwerk: Hausdurchsuchungen, Festnahmen und neue Hintergründe und Ibiza-Hintermann: Kripo fand Kokain, abgesägte Schrotflinte und Cash). Nun sind weitere Dokumente zum Erkenntnisstand rund um die Ermittlungen in der Causa Ibiza-Video der Redaktion zugespielt worden.

Weitere Ibiza-Hausdurchsuchungen

Zwei weitere Hausdurchsuchungen fanden im November 2019 statt.

Und ja, das Material ist heiß:

Unter anderem fand die Soko-Tape dieses Utensil

Gemeinsam mit oe24.at veröffentlichen wir am Dienstag, 14.01.2020 das exklusive Material der zwei Hausdurchsuchungen und die neuen Erkenntnisse der Soko-Tape (= Soko-Ibiza).

Foto: Sujetbild Ibiza – Oleksiy Shuman – pixabay

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Causa Kappel: Hintergründe zum 150 Millionen Deal

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Causa Kappel - Neue Hintergründe zum acht Millionen Deal - polack - Adobe Stock Foto

Erst gestern publizierte derstandard.at (Andreas Schnauder) weitere Details in der Causa Barbara Kappel, der ehemaligen EU-Abgeordneten (FPÖ). Die blaue “Wirtschaftswunderwaffe” outete sich selbst als Geldbotin. Dabei soll sie von einem bulgarischen Geschäftsmann 75.000 Euro erhalten haben und das Geld angeblich einem mittlerweile verstorbenen blauen Nationalrat übergeben haben. Dieser war aber aus gesundheitlichen Gründen seit 2017 politisch nicht mehr aktiv. Die FPÖ, aber auch Heinz-Christian Strache, bestreiten vehement eine Involvierung und den Erhalt einer Spende.

150 Millionen Deal für bulgarischen Pensionsfonds

Aus einem Chat geht hervor, dass die FPÖ-Frau den bulgarischen Geschäftsmann unterstützt haben soll: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” Die wesentliche Passage aus dem Schnauder-Artikel möchten wir an dieser Stelle zitieren und um weitere Details aus einer “Fass ohne Boden”-Enthüllung ergänzen:

“S. war für eine Investorengruppe aktiv, die 2013 einen bulgarischen Pensionsfonds der Vienna Insurance Group (VIG) kaufen wollte. Geldgeber im Hintergrund war der russische Banker S. M. , der gut 150 Millionen für die größte private Pensionskasse namens Doverie hinblättern wollte. Mit der VIG war er schon handelseins, doch die Finanzaufsichtsbehörde in Sofia hatte Zweifel an der Seriosität des Investors.”

Andreas Schnauder, derstandard.at

Die Zweifel der bulgarischen Finanzaufsichtsbehörde „Financial Supervision Commission“ (= FSC) können wie folgt belegen werden:

Bereits im Jahr der versuchten Übernahme, sprich 2013, äußerte sich der damalige Chef der bulgarischen Finanzaufsicht Stoyan Mavrodiev in einem Interview zum Kauf sehr kritisch: „Wir werden keine Kompromisse bei der Qualität des Investors machen, wir werden uns ganz genau die Einkommensquellen von United Capital anschauen, die Legitimität ihrer Fonds, ihre Erfahrung und die tatsächliche Eigentümerstruktur. Es könnte für das gesamte Finanzsystem hier gefährlich sein, wenn wir ein Verkaufsgeschäft genehmigen, ohne zu wissen, wer wirklich der Eigentümer dieses Unternehmens ist.“

Damit eine Übernahme des bulgarischen Pensionsfonds überhaupt möglich gewesen wäre, wurde vertraglich festgelegt, dass acht Millionen Euro als “Deposit” bei der VIG hinterlegt werden. Das Geld stammte vermutlich vom russischen Investor. Der hohe Geldbetrag sollte als Garantie für eine Kaufabsicht der britischen Briefkastenfirma stehen. Und genau um diese Überweisung begann einige Jahre später ein Streit, der 2016 seinen Höhepunkt erlangen sollte. Scheinbar soll Barbara Kappel versucht haben, dem bulgarischen Geschäftsmann im Hintergrund zu helfen.

Dokumente aus dem Nachlass von Philipp Buchner

Genaue Hintergründe um die acht Millionen Euro sowie weitere brisante Details hat “Fass ohne Boden” bereits am 10. November in der Enthüllung “Russische Investoren, bulgarische Geschäftsmänner und Phillipp Buchner” veröffentlicht. Die Dokumente, die Fass ohne Boden zugespielt wurden, haben aber einen sehr traurigen Hintergrund. Ermöglich wurde die Einsicht erst durch den “dubiosen Tod” von Philipp Buchner. Buchner fungierte als Berater und persönlicher Assistent des „bulgarischen Geschäftsmanns“. Ein Informant wandte sich wenige Tage nach seinem Tod an die “Fass ohne Boden Redaktion”. Die Botschaft des Informanten ist eindeutig:

Philipp sagte mir, falls ihm was passieren sollte, sollen die Dokumente zur politischen Verwertung übergeben und an die Medien gespielt werden.

EIN INFORMANT ÜBER DIE DOKUMENTE VON PHILIPP BUCHNER

Warum es zu keinem Deal kam, erörterte 2016 die bulgarische Finanzaufsichtsbehörde gegenüber dem Anwalt des bulgarischen Geschäftsmanns. Das Unternehmen, welches den bulgarischen Pensionsfonds kaufen wollte, hieß „United Capital PLC“. Bei „United Capital PLC“ handelt es sich um eine mittlerweile aufgelöste Briefkastenfirma mit Sitz in London (Company No. 06254627). 2013 wollte das Unternehmen die Mehrheitsanteile (92.58%) am bulgarischen Pensionsfonds „Doverie“ erwerben.

Offene Fragen

Seltsam erscheint der Zeitpunkt, der Bezug in dem Chatprotokoll und die Rolle von Barbara Kappel: “Es war für die VIG, in der Angelegenheit Pensionskasse.” In welchem Jahr die ehemalige EU-Abgeordnete versucht hat, ein gutes Wort einzulegen, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht belegt werden.

Darüber hinaus erscheint es nach wie vor seltsam, warum die Briefkastenfirma überhaupt Ambitionen hatte, den Pensionsfonds zu kaufen. Die getätigte Anzahlung von acht Millionen Euro ist per se nicht ungewöhnlich, jedoch dürfte man mit einem Veto der bulgarischen Behörde nicht gerechnet haben. Selbst aus dem Umfeld des bulgarischen Geschäftsmanns wurde gegenüber der “Fass ohne Boden”-Redaktion bestätigt, dass das “Deposit”, sprich das hinterlegte Geld von acht Millionen Euro, wieder zu bekommen sehr schwierig gewesen wäre. Schließlich wurde ein Vertrag unterschrieben.

Eine andere Auffassung vertrat aber der damalige beauftragte Anwalt vom bulgarischen Geschäftsmann. Wie aus den geleakten Unterlagen hervor geht, wollte der prominente Staranwalt einen Rechtsstreit beginnen. Zu einer Klage ist es aber laut Unterlagen nicht gekommen. Dies bestätigte auch der Pressesprecher der VIG gegenüber Fass ohne Boden.

Die Causa dürfte mittlerweile verstärkt in Bulgarien und vor allem in Russland für Aufsehen sorgen. In den letzten 48 Stunden ist die Zahl von Aufrufen mit russischen und bulgarischen IP-Adressen auf diverse “Fass ohne Boden”-Enthüllungen überproportional gestiegen. Besonders im Umfeld des russischen Bankers gibt es anscheinend großes Interesse, nähere Informationen zu erhalten.

Weitere Dokumente in dieser Causa können hier eingesehen werden.

Foto: polack – Adobe Stock Foto

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Fass ohne Boden auf Telegram - Thomas Ulrich - pixabay

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