René Benko und Renate-Brauner - Foto Harri Mannsberger | PID
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sauer weinen steil

René Benko und seine „Freunde“

Diskretes und mächtiges Netzwerk: Beny Steinmetz, Alfred Gusenbauer und Hans Peter Haselsteiner sind lediglich die Spitze des Eisbergs.

Benko: Ein Netzwerk von Millionären und Milliardären

Was haben der wegen Korruptionsvorwürfen verhaftete israelische Milliardär Beny Steinmetz (langjähriger Partner von Ex-SPÖ-Wahlkampfberater Tal Silberstein), Ex-SPÖ-Bundeskanzler und heute als Lobbyist tätige Alfred Gusenbauer, der ehemalige Generaldirektor der Casinos Austria AG Karl Stoss, österreichischer Industrieller und Politfinancier Hans-Peter Haselsteiner oder der umstrittene griechische Reeder George Economou gemeinsam? Sie waren und sind alle mit dem österreichischen Immobilien-Tycoon René Benko wirtschaftlich eng verbunden. Ob der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Lindt&Sprüngli-Boss Ernst Tanner, Ex-Skiweltmeister und Unternehmer Harti Weirather, die Falcon Privatbank oder die Investmentgesellschaft Aabar, hinter der das Scheichtum Abu Dhabi steht – sie alle haben in das Immobilienimperium von René Benko investiert.

Doch wer ist eigentlich René Benko, der sein „Imperium auf zweifelhafte Bekannte gründete“, wie es das deutsche Manager Magazin im Dezember 2016 formulierte? Wie wirkt sich sein Netzwerk auf den Wirtschaftsstandort Wien und auf die Politik in Wien aus?

Benko als „Musterfall für Korruption“

2014 titelte die Tageszeitung Die Presse „Korruption: René Benko ist ein verurteilter Mann“. Zwei Jahre zuvor, 2012, bezeichnete eine österreichische Richterin Benko in der ersten Instanz als „Musterfall für Korruption“ (wien.orf.at). Der erfolgreiche Immobilien-Mogul wurde wegen „versuchter verbotener Intervention“ verurteilt. Benko, so der Vorwurf der Korruptionsstaatsanwaltschaft, soll seinen Steuerberater beauftragt haben, ein Steuerverfahren gegen eine italienische Tochter von Benkos Signa-Holding zu beschleunigen, mit dem Ziel, einen positiven Abschluss zu Gunsten von Benko zu bringen.

Der Plan: Der kroatische Ex-Premier Ivo Sanader solle intervenieren, der über gute Kontakte in Italien verfügte. Dem Ex-Premier wurden dafür 150.000 Euro in Aussicht gestellt. Die Sache kam ins Rollen, als die Justiz bei einer Razzia im Zuge der Ermittlungen gegen Sanader einen Vertrag zwischen dem Steuerberater von Benko und Sanader sicherstellte (vgl. Die Presse).

Die Verurteilung, die normalerweise das Ende eines Unternehmers bedeutet, prallte nahezu an ihm spurlos ab und hinterließ nur kleine Kratzer. 2013 zog er sich zwar operativ aus seinem Unternehmen, Signa Holding GmbH mit Sitz im 1. Bezirk, zurück. Heute hält die „Familie Benko Privatstiftung“ 55% an der Signa Holding GmbH und gilt nach wie vor als Mastermind des Unternehmens.

Über die Signa Holding GmbH

SIGNA ist eine Immobiliengruppe, deren geschäftlicher Fokus auf den Bereichen Retail und Real Estate liegt. Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben ein Immobilienvermögen von rund EUR 7,5 Mrd. und ein Umsatzvolumen in Retailbeteiligungen von rund EUR 3,8 Mrd., wohl gemerkt in 17 Jahren aus dem Boden gestampft. Die Firmenbeteiligungen der Signa Holding GmbH lassen sich wie folgt veranschaulichen:

  • P & B Liegenschaftsverwertung GmbH
  • M’Management GmbH
  • SIGNA Funds Holding GmbH
  • SIGNA Parking GmbH
  • „IMP“ Immobilienmanagement GmbH
  • SIGNA-RECAP Holding GmbH
  • SIGNA Hektor GmbH
  • FE-Trading Beteiligung GmbH
  • SIGNA MA Beratung GmbH
  • SIGNA 2009 Drei GmbH
  • SIGNA Prime Beteiligung GmbH
  • SIGNA Core Holding GmbH
  • Am Hof 2 Hotelbetriebs GmbH
  • SIGNA Luxury Collection GmbH
  • Kids World Tyrol GmbH
  • SAFFON Holding GmbH
  • SIGNA MC SI Management GmbH
  • Laura 2016 Zwei GmbH
  • Laura 2016 Eins GmbH

Als Aktionär

  • SIGNA Prime Selection AG

Als Kommanditist

  • SAFFON Holding GmbH & Co KG
  • SIGNA MC SI GmbH & Co KG

Da die deutsche Zeit über den „Goldjungen“ die These aufstellte, dass Transparenz nicht zu den Tugenden von Benko zählt, nahm sich Fass ohne Boden dieser Herausforderung an. Der eher als zurückhaltend geltende Benko, schafft es immer wieder ins mediale Rampenlicht zu rücken.

Brand beim Umbau von Luxushotel Park Hyatt

2011 war Benko prominent in der heimischen Medienlandschaft vertreten. In der Nacht vom 17. auf den 18. November 2011 kam es zu einem Brand in der alten Bank-Austria-Zentrale (Am Hof 2), der das Gebäude schwer in Mitleidenschaft zog. Dadurch kann es zu einer Verspätung des Umbaus vom Luxushotel Park Hyatt. Am Rande: 2008 erhielt Benko den Zuschlag für den Kauf des Objekts. Die Investitionssumme für die Anschaffung der ehemaligen Bankzentrale sowie die Umgestaltung des Objekts soll mehr als 500 Millionen Euro betragen haben. Die Tageszeitung Heute warf sogar die Frage „Brandstiftung?“ auf. Laut Exekutive dürfte aber eine Fahrlässigkeit zur Brandursache geführt haben, da keinerlei Hinweise auf Brandstiftung, wie etwa durch Brandbeschleuniger, gefunden werden konnten. Benko bedankte sich 2011 für den Einsatz mit einer Spende bei der MA 68:

René Benko und Renate-Brauner - Foto Harri Mannsberger | PID
René Benko und Renate-Brauner – Foto: Harri Mannsberger | PID

Aufstieg der Signa Gruppe

Den endgültigen Durchbruch erlang Benko durch den, gemeinsam mit SPÖ-Wahlkampfguru Tal Silberstein wegen Korruptionsverdachts verhafteten Beny Steinmetz. „Beny Steinmetz, Rene Benkos reicher Freund“ titelte das Wirtschaftsmagazin Trend. Der österreichische Immobilientycoon holte sich 2013 den Diamantenmilliardär beim spektakulärsten Deal der Signa Gruppe: De facto die Komplettübernahme des deutschen Warenhaus-Imperiums Karstadt. Der israelische Milliardär, mit zweifelhaften Ruf, machen Streitigkeiten um Erzabbaurrechte in Guinea zu schaffen, die sogar zu einer Hausdurchsuchung an seinem Wohnsitz in der Schweiz führten. In Afrika dürfte er den Deal seines Lebens gemacht haben. Steinmetz bekam eine zwangsenteignete Mine praktisch geschenkt und verkauft sie um 2,5 Milliarden Dollar an ein brasilianisches Unternehmen weiter (trend.at). Die Wege der Geschäftsleute trennten sich zwei Jahre nach dem Mega-Deal. Laut Insidern wegen den intensiven Ermittlungen der diversen Behörden. Steinmetz erhielt dabei 15 der Warenhausimmobilien. (Der Standard.at).

Trio Infernal: Benko, Gusenbauer und Haselsteiner

Benkos beruflichen Kontakte zu Ex-SPÖ-Chef und Altkanzler Alfred Gusenbauer sollten sich bezahlt machen. Gusenbauer pflegt nicht nur exzellente Beziehungen zu Hans Peter Haselsteiner (u.a. Vorstand der HPH Privatstiftung und Haselsteiner Familien-Privatstiftung), sondern ist auch im Firmenimperium der Signa Gruppe von Benko im Aufsichtsrat fest verankert, und das gleich dreimal: SIGNA Development Selection AG, SIGNA KidINVEST Development AG und SIGNA Prime Selection AG. Darüber hinaus ist Gusenbauer mehr als wirtschaftlich umtriebig: Zum einen im skandalumwitterten Steinmetz Unternehmen, dem kanadischen Bergbaukonzern Gabriel Resources, in der Funktion als „Director“ mit an Bord ist. Zum anderen ist Gusenbauer im Aufsichtsrat der STRABAG SE des Milliardärs und Politfinancier Hans Peter Haselsteiner.

Ausblick

Im Zuge der MA 68 Story sind wir wiederkehrend auf einige, der hier genannten Protagonisten gestoßen. Fass ohne Boden bleibt dran und wird weiter recherchieren.

Digital Strategist. Political Hitman. Cutter Head.

4 Comments

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  1. …..schon einmal überlegt, wie mit EUR 150.000.- drei Personen, eine davon Silvio Berlusconi – ernsthaft bestochen werden sollten?

    ….schon einmal den Aspekt überlegt, wie viele Familien aus dem Unternehmertum des Herrn Benko profitieren?

    ….schon einmal überlegt, wie einfach es ist, zu kritisieren und zu verleumden – anstatt es sich einfach nur einfach zu machen.

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