Russische Investoren, bulgarische Geschäftsmänner und Phillipp Buchner - Vitabello - pixabay
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Russische Investoren, bulgarische Geschäftsmänner und Phillipp Buchner

Über das Netzwerk einer österreichischen Detektei mit roten Strippenziehern, russischen Investoren, dubiosen Geschäftsmännern aus Bulgarien und einer internationalen Briefkastenfirma. Mitten drin: der verstorbene Philipp Buchner. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Ein niederösterreichisches Sicherheitsunternehmen unterhält intensive, wirtschaftliche Beziehungen mit einem „bulgarischen Geschäftsmann“. Der langjährige Geschäftsführer der Detektei wurde wegen schwerer Erpressung bereits in erster Instanz verurteilt. Dem „bulgarischen Geschäftsmann“ wird wiederum nachgesagt, laut einer Enthüllung des bulgarischen Nachrichtenmediums „PIK“, ein Protagonist einer „bulgarischen Verschwörung“ zu sein. So ist die Rede von ehemaligen Militärs und Polizisten, Anti-Terror-Experten und einem konspirativen Treffen. Das Medium hat dieses Geheimtreffen aufgedeckt. Aber wie eng diese zwei Unternehmen miteinander harmonieren, ist den Büroadressen zu entnehmen. An einer noblen Wiener Adresse im ersten Bezirk waren beide Unternehmen Tür an Tür untergemietet.

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Der „bulgarische Geschäftsmann“ unterhielt in den vergangenen Jahren engen Kontakt mit dem russischen Investmentbanker S. M. Der Banker sorgte 2013 für Schlagzeilen, als er mit einer englischen Briefkastenfirma versucht hatte, einen Pensionsfonds der „Vienna Insurance Group“ (= VIG) zu übernehmen. Zu diesem Deal kam es aber nie, im Gegenteil. 2014 verlor die Bank ihre Lizenz. 2018 verurteilte ein Bezirksgericht in Moskau den Banker wegen Amtsmissbrauch und Unterschlagung zu einer achtjährigen Haftstrafe. Und Philipp Buchner war Teil dieses Netzwerks, der auf „dubiose“ Weise im September verstorben ist. Buchner fungierte als Berater und persönlicher Assistent des „bulgarischen Geschäftsmanns“.

Philipp sagte mir, falls ihm was passieren sollte, sollen die Dokumente zur politischen Verwertung übergeben und an die Medien gespielt werden.

Ein Informant über die Dokumente von Philipp Buchner

Neustart als Berater für einen „bulgarischen Geschäftsmann“

Die Kontaktvermittlung zum „bulgarischen Geschäftsmann“ erfolgte 2019 über seine Ex-Frau, genauer gesagt über den Bruder seiner Ex-Frau, seinem ehemaligen Schwager. Der Ex-Schwager hatte wiederum selbst im vergangenen Jahr wirtschaftliche turbulente Zeiten erlebt und musste 2018 deswegen eine Geschäftsbeziehung mit dem Bulgaren eingehen. Eine Immobilie aus dem dritten Gemeindebezirk wurde dem bulgarischen Ableger der niederösterreichischen Sicherheitsfirma verpfändet, scheinbar hatte der Mann extreme finanzielle Probleme. Der Wert der Immobilie im dritten Gemeindebezirk beträgt in etwa zwei Millionen Euro (4.039.813,58 Lew).

Da Philipp Buchner für die Medienarbeit des „bulgarischen Geschäftsmanns“ zuständig war, erhielt er einen intensiven Einblick in das bulgarische Netzwerk und hatte Zugang zu den sensibelsten Daten und brenzlichsten Dokumenten. Beispielsweise hat er die Tageszeitung Kurier erst Anfang September mit exklusiven Informationen versorgt. Man erinnere sich nur an die „Watschen-Affäre“ um den ehemaligen FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus. In einem Instant-Messaging-Chat kommentierte Buchner den Kurier-Artikel vom 6.09.2019 mit „Mein Artikel“ und postete den Link. Wesentliches Detail: Jener Mann, der die Fotos im Lokal von Johann Gudenus gemacht hat, war laut einem Informanten sowas wie „ein Büroleiter“ des „bulgarischen Geschäftsmanns“.

Vergangenheit mit strafrechtlichen Problemen

Philipp Buchner hatte laut „Fass ohne Boden“-Recherchen in jüngerer Vergangenheit massive strafrechtliche Probleme. So wurde er zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt, davon zwölf Monate unbedingt. In Summe verbrachte er von 2018 bis 2019 mehr als neun Monate in der Justizanstalt Josefstadt. Seine Zeit im Gefängnis hat ihn sehr mitgenommen und laut seinem Umfeld sehr verändert. Er wollte einen Neuanfang. Doch sein neues Leben in Freiheit sollte nur wenige Monate dauern. Laut bulgarischen Behörden wird sein Todestag auf den 29. September 2019 datiert. Die Umstände gelten als „dubios“.

Aus dem engsten Umfeld des Verstorbenen ist zu entnehmen, dass er am 28. September 2019 großes Bedürfnis hatte zu telefonieren. Womöglich eine Vorahnung? Der Informant gegenüber Fass ohne Boden: „Er hatte Angst. Er wollte nicht aufhören zu telefonieren. Er hat von der Kindheit angefangen zu erzählen.“ Diese Telefonate fanden bereits am Nachmittag, einen Tag vor seinem Tod, statt. Gegenüber der Redaktion äußert sich der Informant über den Tod von Philipp Buchner sehr skeptisch: „Es stimmt etwas nicht.“

Der letzte Aufenthaltsort von Philipp Buchner kann auf Google-Maps abgerufen werden.

Zum Weiterlesen auf den grünen Pfeil klicken.

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Written by Alexander Surowiec

Ab dem 29.06.2019 digitaler Blattmacher und Chefredakteur.

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