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Wien

Wiener Bildungsgespräche: IS-Rückkehrer hält Vortrag

Sujetbild IS-Kämpfer - vchalup - adobe stock

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Die Bildungsdirektion (= BD) der Stadt Wien startet eine neue Vortragsreihe, die sogenannten „Wiener Bildungsgespräche“. Ziel des neuen Formats sei es, „Vorträge und Gespräche mit Experten zu Bildungspolitischen Themen“ abzuhalten. „Der Relaunch der Wiener Bildungsgespräche startet am Freitag, 21. Februar 2020, 14 – 16.00, im Festsaal der BD für Wien, Wipplingerstraße 28,1010 Wien.“ Beim ersten Termin wird ein Deradikalisierungsexperte und ein IS-Rückkehrer vor Direktoren und Direktorinnen der Stadt Wien sprechen.

Terminauswahl – Screenshot Bildungsdirektion für Wien

Vortrag von Moussa Al-Hassan Diaw und IS-Rückkehrer Oliver N.

Der erste Vortrag der „Wiener Bildungsgespräche“ soll einen Einblick in das „Phänomen Radikalisierung – Schule wirkt / Schule bewirkt.“ ermöglichen. Hierzu wurde der Deradikalisierungsexperte Moussa Al-Hassan Diaw und Oliver N., ein IS-Rückkehrer, eingeladen.

Der offiziellen Einladung ist folgendes Statement des Bildungsdirektors Heinrich Himmer zu entnehmen: „Ich freue mich auf Ihr Kommen und das Gespräch mit Dipl.-Päd. Moussa Al-Hassan Diaw und dem IS-Rückkehrer Oliver N., die uns aktuelle Informationen zum Thema geben können.“

Terminauswahl – Screenshot Bildungsdirektion für Wien

Oliver N. wird auf der Webseite nicht genannt

Bei näherer Betrachtung erscheint es ungewöhnlich, dass der zweite Vortragende, sprich der IS-Rückkehrer, auf der Webseite nicht genannt wird. Lediglich auf den Deradikalisierungsexperten wird verwiesen: „Moussa Al-Hassan Diaw, ehem. Univ.prof. und Mitbegründer von DERAD, spricht über religiös begründeten Extremismus und seine Erfahrungen mit radikalisierten Jugendlichen aus dem Strafvollzug und der Zeit danach.“

Der ehemalige Professor wird hingegen sehr ausführlich in der offiziellen Einladung auf Seite 3 vorgestellt: „Moussa Al-Hassan Diaw lehrte an der Universität Osnabrück, der PH Linz und Universität Wien und war Vortragender bei internationalen Organisationen wie der UNODC, UNDP und OSCE. Er ist Gründer der NGO DERAD, welche für das Bundesjustizministerium Extremismusprävention, Abklärungsgespräche, Distanzierungsarbeit und Deradikalisierung – unter anderen mit IS Rückkehrer – durchführt. Er hat zu diesen Themen publiziert und zuletzt zwei Studien für das BMEIA und BMI verfasst. Zudem werden Weiterbildungsmaßnahmen für Justiz- und Polizeibeamt und in anderen Bereichen der Erwachsenenbildung von ihm durchgeführt, sowie Workshops für Jugendliche in unterschiedlichen Einrichtungen angeboten. Außerdem ist er im muslimischjüdischen Dialog aktiv.“

Dies gilt nicht für den IS-Rückkehrer Oliver N. Über ihn findet man lediglich eine Zeile: „Oliver N., ein IS-Rückkehrer, berichtet im Anschluss von seinen persönlichen Erfahrungen.“ Dies erscheint umso verwunderlicher, da eine elektronisch gefertigte Einladung per Mail an alle Schulen erging. In der Einladung, die an Direktoren und Direktorinnen erging, wird der IS-Rückkehrer als zweiter Gesprächspartner genannt. Gezeichnet wurde das Dokument von der Stabstelle Kommunikation, für den Bildungsdirektor Himmer. Das Schreiben ist mit 21. Jänner 2020 datiert und trägt die Aktenzahl 9020.005/0001-BDK/2020.

Über den IS-Rückkehrer Oliver N.

Mit 16 Jahren reiste Oliver N. nach Syrien, wo er sich der IS-Terrormiliz angeschlossen hatte „Während seiner fast sieben Monate in Syrien sorgte er vor allem durch ein Propagandavideo für Aufsehen, in dem er zum Terror aufrief: “Ich will euch dazu einladen, auch die “Ungläubigen” zu schlachten.” (tagesschau.de)

Kampfhandlungen konnten dem Österreicher nicht nachgewiesen werden. „Oliver N. ist schuldig, einer terroristischen Organisation angehört zu haben, direkte Kampfhandlungen wies man ihm aber nicht nach.“ Für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung wurde er zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Hat ein Ex-Terrorist eine zweite Chance verdient?

Ja, wenn es nach dem Bildungsdirektor Himmer geht: „Wir dürfen nicht aufhören, Jugendliche und junge Erwachsene vor extremistischen Tendenzen, Stigmatisierung und Generalverdacht zu schützen.“

Abschließend kann man den Unterlagen entnehmen: Es „sollen die Erfahrungen im Umgang mit religiös begründetem Extremismus und die Bedeutung von Extremismusprävention im Bereich Schule erörtert und mit den anwesenden Gästen diskutiert werden.“

Wer sich ein persönliches Bild über Oliver N. machen möchte, kann sich beispielweise dieses Portrait ansehen:

Interesse am Vortrag?

Eine Einladung per Mail erging an Direktoren und Direktorinnen der Stadt Wien. Solltest du Direktor sein, kannst du dich gerne unter diesem Link anmelden: „https://bi.bildung-wien.gv.at
Selbstverständlich begrüßen wir als Redaktion einen Erfahrungsbericht über die Veranstaltung zu erhalten.

FoB-Chefredakteur. 'Ich habe nie ein wildes Tier gesehen, das Selbstmitleid empfand.' (D. H. Lawrence). Folge mir auf Facebook oder Twitter.

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Fass ohne Boden auf Telegram - Thomas Ulrich - pixabay

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